socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Nina L. Dulabaum: Mediation. Das ABC

Cover Nina L. Dulabaum: Mediation. Das ABC. Die Kunst, in Konflikten erfolgreich zu vermitteln. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 4., neu ausgestattete Auflage. 203 Seiten. ISBN 978-3-407-36406-7. 24,90 EUR.

Beltz Weiterbildung: Training und Karriere.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-407-36478-4 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Einführung

Bei Konflikten seien Freunde denkbar schlechte Berater, sagt eine alte Weisheit. Wer beteiligt ist, ist meist auch verwickelt. Aber auch zunächst Unbeteiligte lassen sich leicht verwickeln, wenn sie einen Streit schlichten sollen: Sympathie und Antipathie spielen eine Rolle, eine Position leuchtet einem mehr ein als die andere, der eine ist einem "ideologisch" näher usw. Um solche Verwicklungen zu vermeiden, ist "Mediation" als eine professionelle Methode der Konfliktregulation im Beruf und im Privatleben entwickelt worden. Mediation strebt dabei gegenseitiges Verstehen, gewaltfreie und konstruktive Kommunikation an und ist daher eine Alternative zum direkten Austragen eines Konflikts (Streit) oder zur gerichtlichen Konfliktregulierung. So ist Mediation zugleich Gewaltprophylaxe, sie ist inzwischen in vielen Bereichen als Methode gut etabliert: im Bereich der Trennungs- und Scheidungsberatung, beim Täter-Opfer-Ausgleich oder im Schulbereich.

Hintergründe und Autorin

Nina Dulabaum ist Amerikanerin und arbeitet u.a. als Fachreferentin für jugendpolitische Sonderaufgaben und Extremismus der Stadt Leipzig. Darüber hinaus ist sie Dozentin an der Universität Mittweida sowie freie Trainerin, Mediatorin und Supervisorin. Ihre 1996 an der TU Berlin eingereichte Dissertation trägt den Titel: "A Pedagogy for Cross-Cultural Conflict Transformation in Germany: The Development, Implementation and Assessment of Violence Prevention Training SeminarÓ. Sie ist diplomierte Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin und Soziologin. Das Konzept der Mediation wird in Amerika länger angewandt als in Deutschland. Da Nina Dulabaum bereits dort Erfahrungen mit der Methode gesammelt hat, hat sie einen wertvollen Erfahrungsvorsprung.

Aufbau, Inhalte und Gliederung

Zuerst war ich, offen gestanden, skeptisch: "Das ABC der/des..." reicht meist wirklich nur zur Erstklässlerinformation. Die Themen alphabetisch zu sortieren, wirkt häufig mehr zwanghaft als sachgemäß. Bei diesem ABC ist es anders: es ist weder zwanghaft noch von niedrigem Niveau - im Gegenteil: das Buch leuchtet das Fach "Mediation" in alle Richtungen aus. Im Vorwort heißt es: "Der Zweck dieses Buches ist, Ihnen eine konkrete Einführung in die Methode der Mediation zu bieten, um Ihnen zu helfen, mit diesen und anderen Konflikten fertig zu werden, ohne dass Sie Ihre Fassung und Ihre Geduld verlieren müssen." (S. 8)

Dulabaum beginnt mit den "vier AÕs": Allparteilichkeit, Akzeptanz, Anerkennung und Affirmation und benennt damit die Grundhaltungen, die MediatorInnen einnehmen müssen. "Allparteilichkeit" ist etwas anderes als Neutralität, sondern: Partei ergreifen für beide Seiten. Akzeptanz ist die wesentliche Grundlage der "klientenzentrierten Gesprächsführung", die Carl Rogers in den 70er Jahren entwickelt hat. In der Mediation bedeutet das: "Ich nehme beide bzw. alle Konfliktparteien an." (S. 19) Anerkennung bedeutet, beiden (allen) Parteien Respekt zu zollen. Affirmation meint positive Bestätigung, also die Übermittlung der alten Botschaft von Thomas Harris: "Ich bin o.k. - Du bist o.k."

Es folgt B wie "Bewahrung der zwischenmenschlichen Beziehungen" - ein weiteres zentrales Kapitel des Buches. C wie "Courage zum Probieren" ist ein Schlüsselkapitel des Werkes, denn hier stellt Dulabaum "Dr. DulyÕs Sieben-Schritte-Modell 1 - 2 - DD - Z - I - F - F" vor - ein Modell zur Strukturierung von Mediationsprozessen. Das ganze Alphabet kann hier nicht vorgestellt werden, nur einige besonders wichtige Stichworte: Deeskalation und Dialog, Das Interkulturelle, Perspektivenwechsel, Spiegeln und Synthese, Techniken der Gesprächsführung und Transaktionsanalyse, Unterschiede zwischen den Geschlechtern, etc. Diese wenigen Stichworte mögen genügen, um zu zeigen, wie weit der thematische Boden ist, den Dulabaum zieht. Das sehr umfangreiche Literaturverzeichnis hat seinen eigenen Wert.

Zielgruppen

Zunächst einmal ist das Buch das ideale Lehrbuch für alle Fortbildungen in Mediation. (Als solches wird es auch genutzt.) Der Einsatz im Bereich Fortbildung ist m.E. auch der ideale Umgang mit dem Band - vor allem deshalb, weil die praktische Erfahrung und das Übung die Illusion vermeiden hilft, man könne Mediation beherrschen lernen, indem man Bücher liest. Dulabaum selbst fordert immer wieder: "Üben, üben, üben!" Das Buch ist aber hilfreich z.B. für Menschen, die als Berater ausgebildet sind und die sich über die grundlegenden Fragen und Techniken der Mediation informieren wollen. Wer als MediatorIn im Bereich Trennungs- und Scheidungsberatung und im (außergerichtlichen) Täter-Opfer-Ausgleich arbeitet, wird weitere Lektüre und/oder besser: weitere Fortbildungen brauchen.

Einschätzung der Tauglichkeit, Lesbarkeit und Nützlichkeit

Das Fazit vorab: ich finde das Buch sehr gut! Immer wieder genieße ich die Fähigkeit amerikanischer AutorInnen, interessante, verständliche und dennoch wissenschaftlich nicht unterbelichtete Bücher zu schreiben. (Deutsche AutorInnen scheinen in irgendeiner Schule gelernt zu haben, Wissenschaft dürfe auf keinen Fall verständlich und leicht lesbar sein...) Das Buch ist didaktisch gut konzipiert: neben dem laufenden Text bringt Dulabaum konkrete Beispiele, die das Gesagte illustrieren. Darüber hinaus fügt sie Übungen ein, die dem Leser/der Leserin helfen sollen, sich an eigene Erfahrungen zu erinnern oder auszuprobieren, was im Text angeleitet wird. Weiter gibt es Literaturhinweise und Verweise auf andere Kapitel am Textrand. Besonders die Literaturhinweise halte ich für hilfreich zur eigenen Weiterarbeit und Vertiefung.

Sehr gut finde ich auch das Kapitel über "das Interkulturelle", weil es die Weite des Konzeptes von Nina Dulabaum besonders gut deutlich macht. Sie hat auch die Schnittstellen zu anderen Beratungsformen im Blick und vernetzt die Methode "Mediation" z.B. mit der Organisationsentwicklung und gewinnt eine umfassende systemische Sicht, die bis zur globalen Konflikttransformation reicht.

Fazit

Für alle, die sich mit einem konstruktiven Umgang mit Konflikten befassen möchten, ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch!


Rezensent
Peter Schröder
Pfarrer
(Lehr-)Supervisor (DGSv), Seniorcoach (DGfC)
Homepage www.resonanzraeume.de
E-Mail Mailformular


Lesen Sie weitere Rezensionen zu neueren Auflagen des gleichen Titels: Nr.8545


Alle 121 Rezensionen von Peter Schröder anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Peter Schröder. Rezension vom 22.07.2003 zu: Nina L. Dulabaum: Mediation. Das ABC. Die Kunst, in Konflikten erfolgreich zu vermitteln. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 4., neu ausgestattete Auflage. ISBN 978-3-407-36406-7. Beltz Weiterbildung: Training und Karriere.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-407-36478-4 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/897.php, Datum des Zugriffs 21.07.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung