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Klaus Kaufmann-Mall, Gudrun Mall: Wege aus der Depression. Hilfe zur Selbsthilfe

Rezensiert von Dr. med. Winfried Häuser, 27.05.2003

Cover Klaus Kaufmann-Mall, Gudrun Mall: Wege aus der Depression. Hilfe zur Selbsthilfe ISBN 978-3-407-22856-7

Klaus Kaufmann-Mall, Gudrun Mall: Wege aus der Depression. Hilfe zur Selbsthilfe. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. 258 Seiten. ISBN 978-3-407-22856-7. 12,90 EUR.
Beltz Taschenbuch.

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Das Thema

Nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO stehen Depressionen auf der Liste der weltweit führenden Erkrankungen (gemessen an reduzierter Lebenserwartung und Lebensqualität) derzeit an 4. Stelle- 2020 werden sie an 2. Stelle stehen. Das Risiko, einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression zu erkranken, beträgt 15%. 50-75 % der Depressionen werden nicht erkannt, von den erkannten Depressionen werden 50-75% nicht (angemessen) behandelt. Informationen über die Symptomatik, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen sind daher nicht nur für Betroffene und ihre Partner, sondern für jeden von Bedeutung.

Die Autoren

Dr. phil. Klaus Kaufmann-Mall ist Diplompsychologe und Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen. Dr. med. Gudrun Mall ist Nervenärztin in eigener Praxis.

Zielgruppe

Betroffene und ihre Angehörige, alle Berufsgruppen des Gesundheitswesens, interessierte Nicht-Betroffene.

Aufbau und Inhalte

Im Kapitel 1 werden drei Hauptgruppen von Depressionen, die reaktive, neurotische und endogene Depression unterschieden. In den Kapiteln 2-5 werden die einzelnen Formen anhand von Fall- und literarischen Beispielen näher beschrieben. Im Kapitel 5 (endogene Depression) sind auch die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten mit Antidepressiva, Lichttherapie, Schlafentzug und Elektrokrampftherapie beschrieben. Die Autoren betonen zu Recht, dass eine medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung sich nicht ausschließen, sondern ergänzen und dass eine psychotherapeutische Behandlung bei leichten Depressionen erfolgreicher ist als eine medikamentöse. In Kapitel 6 wird dargestellt, dass es Mischformen von neurotischen, reaktiven, endogenen sowie durch Medikamente bzw. körperliche Erkrankungen bedingten Depressionen gibt. In Kapitel 7 ist ein Übungsprogramm zur Vorbeugung und Überwindung von Depressionen dargestellt, z. B. ein Genusstraining mit allen Sinnen, Probehandeln und das Einüben realistischen Denkens. Kapitel 8 enthält Verhaltensempfehlungen für die Partner von Depressiven, Kapitel 9 Hinweise auf ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten, Kapitel 10 Tipps zum (selbstbewussten) Umgang mit Ärzten und Psychotherapeuten und Kapitel 11 eine Literaturliste mit Anregungen zum Weiterlesen und Weiterüben.

Diskussion

Einige Lücken, z. B. neuere Antidepressivaklassen, Hinweise auf Wechselwirkungen des Johanniskrautes mit anderen Medikamenten, aber vor allem aber Internetadressen (z. B. des medizinischen Kompetenznetzes Depression) sollten bei einer weiteren Auflage (Erscheinungsdatum des gebundenen Buches 1996) geschlossen werden. Insbesondere ist es aber notwendig, dass die beiden Autoren ihre Behandlungsempfehlungen nicht auf ihre persönliche Einschätzung und therapeutischen Vorlieben, sondern auf die Versorgungsrealität und die Empfehlungen von wissenschaftlichen Fachgesellschaften stützen und erweitern. So werden andere wirksame psychotherapeutische Behandlungsmethoden außer der kognitiven Verhaltenstherapie, wie die interpersonelle oder psychodynamische Therapie, nicht erwähnt. Weiterhin empfehlen die Autoren, Depressionen in der Regel von Nervenärzten oder Psychotherapeuten behandeln zu lassen. Es gibt in Deutschland gar nicht so viele Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten, als dass diese Empfehlung umgesetzt werden könnte. Die meisten, insbesondere leichte Depressionen, müssen und können von Hausärzten behandeln werden. Diese überblicken das soziale Umfeld und mögliche Begleiterkrankungen des Patienten besser als Nervenärzte oder Psychotherapeuten und sind auch durch ihre Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung für diese Aufgabe ausgebildet.

Fazit

Das Buch ist flüssig, praxisbezogen und verständlich geschrieben und kann als Informations- und Selbsthilfebuch empfohlen werden.

Rezension von
Dr. med. Winfried Häuser
Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin – Spezielle Schmerztherapie
Krankenhausarzt in den Bereichen Innere Medizin, Psychosomatik und Schmerztherapie
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Es gibt 17 Rezensionen von Winfried Häuser.

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Zitiervorschlag
Winfried Häuser. Rezension vom 27.05.2003 zu: Klaus Kaufmann-Mall, Gudrun Mall: Wege aus der Depression. Hilfe zur Selbsthilfe. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2003. ISBN 978-3-407-22856-7. Beltz Taschenbuch. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/898.php, Datum des Zugriffs 30.05.2024.


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