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Thomas Mathar, Yvonne J. F. M. Jansen (Hrsg.): Health promotion and prevention programmes in practice

Cover Thomas Mathar, Yvonne J. F. M. Jansen (Hrsg.): Health promotion and prevention programmes in practice. How patients´ health practices are rationalised, reconceptualised and reorganised. transcript (Bielefeld) 2010. 224 Seiten. ISBN 978-3-8376-1302-5. 29,80 EUR, CH: 49,90 sFr.

Reihe: VerKörperungen - Vol. 3.
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Thema

Die Autoren geben einen Überblick über empirische Studien in den Bereichen Gesundheitsförderung sowie Gesundheitsprävention u.a. der Bereiche Alzheimer Erkrankung, Übergewicht, Pschiatrische Erkrankungen und spezielle Forschungsfragen.

AutorIn oder HerausgeberIn

  • Thomas Mathar ist Doktorand am Institut für Europäische Ethnologie in Berlin. Sein Forschungschwerpunkt beinhaltet das „Präventive Selbst“.
  • Yvonne J.F.M. Jansen arbeitet an The Netherlands Organisation for Applied Scientific Research TNO Quality of Life. In ihren Forschungen widmet sie sich der Vorsorge und der Optimierung von Vorsorgenetzwerken.
  • Weitere Buchbeiträge stammen von:
  • Dr. Tiago Moreira, Dozent an der Universität Durham
  • Isabel Fletcher, Science Studies, School of Social and Political Studies an derUniversity of Edinburgh
  • Petra Jonvallen, Dozentin an der Lulea University of Technology in Schweden
  • Dr. Katia Dupret Sondergaard, Dozentin an der Universität Roskilde
  • Prof.Marli Huijter, Professorin an der Erasmus Universität Rotterdam
  • Prof. Stefan Beck, Professor am Europäischen Institut für Ethnologie in Berlin

Entstehungshintergrund

Die Herausgeber fassen ausgewählte Beiträge aus der Veranstaltungsreihe „Health Promotion and Preventions Programmes in Practice“ der EASST (The European Assoziation for the Study of Science and Technology) Konferenz 2008 in Rotterdam zusammen. Die AutorInnen geben einen Überblick über Forschungsschwerpunkte- und –fragen und setzen sich mit einzelnen Studienergebnissen auseinander.

Aufbau

Die Autoren vereinen in ihrem Buchfolgende Inhalte:

  • Vorwort
  • Einleitung: Gesundheitsförderung und Präventionsprogramme in der Praxis
  • Prolog: Prävention der Alzheimer Erkrankung: Gesundheit, Altern und Gerechtigkeit
  • Wird die Weltbevölkerung bis 2230 übergewichtig sein? Alltagsverstand, Wissenschaftlicher Konsens und die „Epedemie der Adipositas“
  • Prävention als Nebeneffekt? Die Verteilung von Versuchsteilnehmern eines pharmazeutischen Medikamententests
  • Entwickeln professioneller Identität – ein Weg um „Good Care“ auszuhandeln
  • Vorlieben versus Fähigkeiten: Wie ist die (zukünftige) Lebensqualität für Frauen mit nicht behinderten und behinderten Kindern zu verbessern
  • Die Zähnung des Zufalls und die aktuelle Präventionspraxis; vernünftige Prävention und „das Soziale“
  • “Body-Identity Trajectories” des “ Preventive.Selves++”
  • Epilog: Übersetzen von Erfahrungen in biomedizinischen „Assemblages“. Beobachtungen europäischer Formen (vorgestellter) teilnehmender Organe der Gesundheitsvorsorge

Inhalt

In der Einleitung von Th. Mathar und Y.J.F.M. Jansen erhält der Leser einen kompakten Überblick über den veränderten Stellenwert von Prävention und Gesundheitsförderung in Forschung als auch Praxis innerhalb der letzten 10 Jahre. Ausgehend von den Besonderheiten der modernen westlichen Gesellschaften (demographische Veränderungen, Zunahme chronischer Erkrankungen, wachsende Kosten des Gesundheitswesens) zeigen sie neue Forschungstrends. Der Blick wird u.a. auf „Science and Technology Studies“ (STS) gelenkt und wird diesen Band als roten Faden durchziehen. Der Rahmen aller Buchbeiträge bilden die Fragen:

  • Wie sicher arbeiten Präventionsprogrammen?
  • In welchen Zusammenhängen finden Präventionsprogramme statt?

Ausgangspunkt der Betrachtungen von T. Moreira sind Die Gedanken des Philosophen N.Daniels, der das Recht auf Gesundheitsvorsorge begründet. Nach der Feststellung der Altersdikreminierung widmet sich der Autor im Prolog der Alzheimer Erkrankung. Er begründet, weshalb in etwa der letzten Dekade eine Focusverschiebung von der Behandlung der Erkrankung hin zur Prävention erfolgte. Neben dem veränderten Krankheitsverständnis geht der Autor näher auf MCI (Mild Cognitive Impairment) als diagnostische Größe und Maßstab für gezielte präventive Programme ein. Abschließend bleibt die Frage, wie Generationengerechtigkeit hergestellt werden kann.

I. Fletcher analysiert anhand historischer Berichte und aktueller wissenschaftlicher Berichte fachspezifische Perspektiven zum Phänomen Adipositas. Bedeutenden Berichten zufolge (WHO 2000) stellt Adipositas die Basis zahlreicher (chronischer) Erkrankungen moderner Gesellschaften. In der Auseinandersetzung mit Studien und dem Verständnis von Adipositas nutzt I. Fletcher ebenfalls STS und kann sich dadurch wissenschaftlich begründet von der These der „Verfetteten Gesellschft bis zum Jahre 2230“ distanzieren.

Der Stellenwert der Pharmazeutischen Forschung steht im Mittelpunkt der Auseinanderseztung von P. Jonvallen. In den vorgestellten Studien mit Testpersonen mit Adipositas sowie Diabetes werden „akzeptable“ Nebenwirkungen und präventive Effekte der Medikamententests werden diskutiert. Es bleibt die Erkenntnis, dass die Grenzen zwischen Klinischen Studien, Gesundheitsvorsorge, Prävention und industrieller Produktion verschwimmen zunehmend.

Eine kritische Würdigung erfährt das Konzept des „Open Dialogue“ im Beitrag von K.D. Sondergaard. Die Aufgabe der Forschung sieht sie auch in der Anpassung wissenschaftlicher Konzepte an die Bedingungen in der Praxis. Im Focus des „Neuaushandelns“ steht auch in diesem Konzept der Psychiatrie das schwierige Verhältnis zwischen Medizinern und Patienten.

Einem speziellen Aspekt des Patientenempowerments widmet sich M Huijer. Am Beispiel von Frauen mit Kindern mit und ohne Geburtsfehler weist sie nach, dass Prävention sowohl auf Gesunderhaltung als auch auf die Lebensqualität zielt. Auch Huijer plädiert für die Chancengleichheit aller Neugeborenen, gerade vor dem Hintergrund ungenauer pränataler Tests.

Das Konzept des Gesundheitsrisikos stellt den Ausgangspunkt der Betrachtungen von Y.J.F.M. Jansen dar. Beispielhaft wird die Quattro Studie betrachtet. Neben anderen Schlussfolgerungen erweist sich die Einbeziehung des Sozialen von Patienten mit Kardiovaskulärer Erkrankung als effizient innerhalb zeitgenössischer Prävention und Gesundheitsförderung.

Th. Mathar betont die Anerkennung der Patientenperspektive. Aus dieser Perspektive entwickelt Mathar die Konzepte des „Preventive Selves“ sowie „Preventive.Selves++“.

Im Epilog zeigt St. Beck die Dimesionen der Biomedikalisierung von Prävention und Gesundheitsförderung. Dagegen setzt er das Erfahrungswissen von Patienten. Er definiert den neuen Bürgertyp der „Mittelsmänner“, der die Lücke zwischen Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung im demontierten Wohlfahrtsstaat ausfüllen könnte.

Diskussion

Diese Krongresszusammenfassung ist eine Fundgrube von (sozial)wissenschaftlichen Theorien, angewandter Forschung, Analysen zeitgenössischen Präventions- wie auch Gesundheitsförderungsprogrammen. Auf Grundlage von qualitativen Untersuchungsmethoden und der Anwendung einer Perspektive von Erfahrungswissenschafts- & Technikstudien (STS) wird der Bogen von der Stigmatisierung durch den Begriff „Risiko“ zum Patientenempowerment gespannt. Somit werden die aktuellen Themen der Effizienz, Wirkfaktoren und Potentiale in Forschung und Praxis angesprochen. Die Verbindung der Analysen mit den zielgruppenspezifischen Herausforderungen an Prävention und Gesundheitsförderung ist der Pluspunkt der verschiedenen Beiträge. Der Sammelband regt daher Studenten, Wissenschaftler sowie Praktiker zum Nachlesen und Überdenken an.

Fazit

Der Sammelband erweitert den Blickwinkel auf Forschungspraktiken und aktuelle Formen von Prävention und Gesundheitsforderung. Wer sich durch die mitunter langen Satzkonstruktionen kämpft, wird mit einem erweiterten Blick auf Erkrankungen und „Kranke“ belohnt. Wer sich aktiv mit Prävention und Gesundheitsförderung beschäftigt, sollte sich unbedingt die Mühe machen und jeden einzelnen Beitrag lesen.


Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Homepage www.sa.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-bar ...
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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 13.09.2010 zu: Thomas Mathar, Yvonne J. F. M. Jansen (Hrsg.): Health promotion and prevention programmes in practice. How patients´ health practices are rationalised, reconceptualised and reorganised. transcript (Bielefeld) 2010. ISBN 978-3-8376-1302-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9019.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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