Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Günther Bauer: High Touch in der Altenpflege

Rezensiert von Claudia Schwill, 28.07.2010

Cover Günther Bauer: High Touch in der Altenpflege ISBN 978-3-89670-923-3

Günther Bauer: High Touch in der Altenpflege. Emotionen, Sinn und Beziehung als Hauptaspekte erfolgreicher Führung. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2009. 266 Seiten. ISBN 978-3-89670-923-3. 24,95 EUR.
Reihe: Management, Organisationsentwicklung
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Entstehungshintergrund und Thema

Die Altenpflege ist in vielen europäischen Ländern in den Focus des Interesses gerückt durch die steigende Anzahl alter pflegebedürftiger Menschen. Auch in Österreich werden Strukturen gesucht, die den Beruf für die Mitarbeiter anspruchsvoll genug erscheinen lassen, um sie kontinuierlich in ihrem Beruf arbeiten zu lassen.

Der Autor befasst sich in seiner Dissertation im Fachbereich Organisationsentwicklung und Gruppendynamik mit diesen Problemen und sucht Lösungswege, die im Führungsverhalten und in der Kommunikation in einer großen stationären Altenpflegeeinrichtung mit mehreren Standorten angesiedelt sind.

Autor

Laut Klappentext ist der Autor Sozialökonom und Jurist, tätig als Geschäftsführer des Seniorenzentrums Linz GmbH – eben dieser Altenpflegeeinrichtung, die zum Gegenstand seiner Forschungsarbeit wurde.

Aufbau und Inhalte

Das Inhaltsverzeichnis erstreckt sich über sechs Seiten, so dass es an dieser Stelle nur zusammengefasst werden kann.

Begonnen wird mit den theoretischen Grundlagen, auf die sich der Autor bezieht. Diese sind die soziologische Systemtheorie, der erkenntnistheoretische Ansatz des Konstruktivismus sowie die Gruppendynamik. Ergänzt wird dieses Kapitel durch die Darlegung der Organisationsformen in den Pflegeheimen in Österreich. Hier sei angemerkt, dass die Situation sich nicht wesentlich von der in Deutschland unterscheidet und so leicht ein Vergleich gezogen werden kann.

Es folgt das eigentliche Forschungsanliegen: Umsetzung der Theorien der Organisationsentwicklung in einer ausgewählten und an dieser Stelle beschriebenen Altenpflegeeinrichtung, des Seniorenzentrums Linz GmbH, in der der Autor Geschäftsführer ist. Die Formulierung der Forschungsfragen und Hypothesenbildung mit Schwerpunk auf Führungsverhalten, Kommunikation und Mitarbeiterzufriedenheit wird hier dargelegt.

Eine Organisationsanalyse schließt sich an, die die Bereiche Funktionsmechanismen, Umwelten, Organisationseinheiten, Kommunikationsstrukturen, Führungs- und Entscheidungsstrukturen und Selbstbeobachtung der Organisation umfasst. Diese werden in den einzelnen Unterkapiteln nochmals in verschiedene Themenbereiche unterteilt und akribisch beleuchtet. Der Leser bekommt ein sehr gutes Bild der untersuchten Einrichtung.

Immer wieder eingestreut werden Hypothesen, die aus der Analyse gebildet werden.

Im folgenden Kapitel geht es nun um die Entwicklung des Seniorenzentrums in seiner heutigen Form als GmbH. Dazu werden kurz der Werdegang bis zum Jahre 2005 (Umwandlung in die GmbH) sowie die bis zu diesem Zeitpunkt angestoßenen Projekte erläutert.

Es folgen nun die Identifikation der Problemfelder (Angehörige, Mitarbeitende, Image der Organisation, Politik und Verwaltung, Organisationskultur und Führungssystem), für die dann Handlungsperspektiven entwickelt werden.

Anschließend geht es in die Umsetzung der Organisationsentwicklung – wir sind mittlerweile auf Seite 103 angelangt – die in die Jahre 2006 bis 2008 aufgeteilt ist.

Begonnen wird 2006 mit einer Heimleitersitzung zur Entwicklung der Strategie der Umsetzung der Handlungsideen sowie mit der Entwicklung des eigenen Führungsverhaltens des Autors. Es werden, wie in den folgenden Kapiteln, zur Beschreibung der Umsetzung anschauliche Beispiele aufgezeigt.

Im Jahre 2007 kommt es zu personellen Umstrukturierungen in einzelnen Heimleiterpositionen und zur Entwicklung des Führungsteamprozesses. Es wird also der Fokus auf das Führungsverhalten gelegt. Eine erste Beurteilung sowie der Zwischenstand einzelner Projekte erfolgt Ende des Jahres.

Die Reflexion des bisher verlaufenden Prozesses lenkt die Ausrichtung der Organisationsentwicklung nunmehr weiter auf die Beleuchtung der Führungsstrukturen. Hier kommen nun einzelne Theorien zur Sprache und werden gegeneinander abgewogen. Abschließend wird daraus ein Führungsansatz entwickelt, der systemische Grundlagen und Zusammenhänge zu kollektiven Bedeutungszuschreibungsprozessen enthält, die es den Mitarbeitern ermöglichen, teilzuhaben, und zu positiven Emotionen führt.

Daraus entsteht nun ein Führungsteam- und Strategieentwicklungsprozess, der im Jahr 2008 umgesetzt wird. Auch hier werden wieder anschauliche Beispiele zur Beschreibung und Untermauerung der Entwicklung dargelegt.

Im letzten Kapitel werden die Reflexionen zum Abschluss des Projektes dargestellt und kritisch beleuchtet. Die Kernfragen des Autors zu Beginn der Entwicklung werden den Ergebnissen gegenüber gestellt und im Wesentlichen als bestätigt beurteilt. Der Ausblick schließt eine Weiterführung des Projektes nicht aus, da Organisationsentwicklung einen langen Zeitraum sowie Geduld benötigt.

Diskussion

Im vorliegenden Buch werden theoretische Ansätze der Organisationsentwicklung sowie Führungsverhalten als Grundlage genutzt, um die Umstrukturierung einer stationären Altenpflegeeinrichtung nach der Privatisierung im Sinne der Mitarbeiterzufriedenheit zu gestalten. Großer Wert wird dabei auf die so genannten „soft skills“ wie Sozialkompetenz und Emotionen gelegt. Der im Titel genannte High Touch bezieht sich in Anspielung auf High Tech auf den Umgang mit Menschen im Zeitalter hoch entwickelter Technologien.

Die dazu vorgelegte Dissertation des Autors verbindet auf angenehme und gut lesbare Weise die theoretischen Grundlagen mit den Fallschilderungen und Beispielen.

Wie vielleicht schon an der Beschreibung des Aufbaus zu sehen ist, ist das Forschungsprojekt des Autors als Dissertation natürlich an einigen Stellen ausführlicher und umfassender ausgefallen als es ein Buch über das Führungsverhalten im Rahmen der Organisationsentwicklung sein müsste. Jedoch liest es sich leicht und wird durch die Beispiele, vor allem im zweiten Teil, nicht langweilig. Das angestrebte Ergebnis, durch verändertes Führungsverhalten, Einbindung der Mitarbeiter und offene Kommunikation zu einer besseren Organisation und damit auch einer größeren Mitarbeiterzufriedenheit zu gelangen, wird am Ende bestätigt.

Die Eigenbeteiligung des Autors an seinem Forschungsvorhaben als einer der zwei Geschäftsführer des Seniorenzentrums wird kritisch von ihm hinterfragt und behindert das Ergebnis nicht. Zusätzlich dazu wird auch in einigen Beispielen Kritik von den Heimleitungen als berechtigt angenommen.

Etwas merkwürdig mutet der Rezensentin die Aufstellung von Hypothesen an, die nicht im eigentlichen Sinne solche sind und vor allem auch nicht eindeutig bestätigt oder abgelehnt werden. Natürlich kann dies auch dem österreichischen Sprachverständnis geschuldet sein.

Fazit

Ein wissenschaftlich fundiertes Buch in einer praxistauglichen Sprache zu einem wichtigen Thema der Führung von Organisationen in der Altenpflege.

Rezension von
Claudia Schwill
QualitätsBeratungSchwill
Website
Mailformular

Es gibt 20 Rezensionen von Claudia Schwill.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Claudia Schwill. Rezension vom 28.07.2010 zu: Günther Bauer: High Touch in der Altenpflege. Emotionen, Sinn und Beziehung als Hauptaspekte erfolgreicher Führung. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2009. ISBN 978-3-89670-923-3. Reihe: Management, Organisationsentwicklung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9028.php, Datum des Zugriffs 26.11.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht