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Hans R. Müller (Hrsg.): Familie, Generation und Bildung

Rezensiert von Dr. Remi Stork, 02.07.2010

Cover Hans R. Müller (Hrsg.): Familie, Generation und Bildung ISBN 978-3-86649-319-3

Hans R. Müller (Hrsg.): Familie, Generation und Bildung. Beiträge zur Erkundung eines informellen Lernfeldes. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2010. 230 Seiten. ISBN 978-3-86649-319-3. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 35,90 sFr.

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Thema und Ziel

Obwohl Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in Institutionen verbringen, bestätigen Wissenschaft und Praxis doch immer wieder, dass der Einfluss der Familie auf den Bildungserfolg nach wie vor erheblich und möglicherweise in den letzten Jahrzehnten sogar wieder gewachsen ist. Allerdings wissen wir bisher wenig über den Bildungsort Familie: Wie bildet Familie? Warum sind die familiären Erfahrungen so prägend für die Bildungsbiographien? Und was tun Familien eigentlich, um die Kinder und Jugendlichen in den Bildungsinstitutionen zu unterstützen?

Der vorliegende Sammelband will der neu erwachten Aufmerksamkeit für den Bildungsort Familie neue Diskussionsimpulse liefern und Anregungen für weitere Forschungen geben .

Herausgeberinnen

  • Prof. Dr. Hans-Rüdiger Müller ist Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Osnabrück
  • Prof. Dr. Jutta Ecarius ist Professorin für Pädagogik des Jugendalters an der Universität Gießen
  • Prof. Dr. Heidrun Herzberg ist Professorin für Pädagogik und qualitative Sozialforschung in Gesundheit und Pflege an der Hochschule Neubrandenburg

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält neben einer Einleitung der Herausgeber/-innen vier Abschnitte.

Im ersten Teil beschäftigen sich vier Beiträge mit der Frage, inwiefern Familienwelten als Bildungswelten zu verstehen sind.

  • Jutta Ecarius beschäftigt sich mit der Frage, wie die Identitätsbildung des Kindes in der Familie mit der intergenerationellen Interaktion und den kulturellen Umwelten der Familie zusammenhängt. Besonders stellt sie die Bedeutung sozialer und kultureller Milieus für die Entstehung eines Familienhabitus heraus und weist darauf hin, dass zu diesen Zusammenhängen bisher wenig Forschungserkenntnisse vorliegen.
  • Andreas Lange geht dem Zusammenhang von gesellschaftlichen Entgrenzungsprozessen und familialen Bildungsprozessen nach. Neben den zunehmenden Entgrenzungen in der Arbeitswelt, die vielfältige Belastungen für Familien mitbringen, finden ähnliche Prozesse auch in den Familien selbst statt: „nicht nur die Erwerbsarbeit sondern auch Familie entgrenzt sich“. Anhand von Beispielen moderner Erwerbsbiographien mit prekären Arbeitszeiten und Einkommensverhältnissen zeigt er auf, dass die Bildungsleistungen von Familien nicht mehr in jedem Falle erwartbar sind und ihre Selbstverständlichkeit zunehmend verlieren werden.
  • Die beiden weiteren Aufsätze dieses Kapitels beschäftigen sich mit der Analyse von Famlienfotos bzw. Bildern aus unterschiedlichen Zeiten und dem Verstehen von Symbolen als Hinweis für das Bildungsverständnis von Familien.

Der zweite Teil des Buches enthält vier Aufsätze, die sich mit dem Verhältnis von familialen und schulischen Bildungsprozessen befassen.

  • Zunächst präsentiert Anja Tervooren theoretische und methodologische Überlegungen zu den Zusammenhängen schulischer und familialer Bildungsprozesse. Sie greift aktuelle Veränderungen, wie z.B. die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf, die ohne eine Intensivierung familialer Bildungsprozesse nicht erfolgreich verlaufen können. Dann fasst sie aktuellen bildungssoziologischen Erklärungen zusammen, die sich mit der Frage beschäftigen, warum Kinder aus sozial benachteiligten Familien schlechtere Schulleistungen zeigen. Schließlich verdeutlicht sie, dass eine Ausweitung qualitativer Forschung nötig sei, um besser verstehen zu können, wie die Familien in unterschiedlichen Milieus aber auch die Lehrer/-innen und Schüler/-innen in der Schule miteinander interagieren und wie dies jeweils zusammenhängt.
  • Die weiteren drei Beiträge beleuchten sehr konkrete Fragestellungen. In einem Beitrag geht es um die unterschiedlichen Generationsbeziehungen in Familien und Schulen, am speziellen Beispiel der Waldorfschulen. Hier wird deutlich, dass professionelles Lehrerhandeln auch in der Lage sein muss, ein Arbeitsbündnis mit den Familien herzustellen und sich nicht auf die Lehrer-Schüler-Beziehung beschränken darf. Im vorletzten Beitrag dieses Teils geht es um die Bildungsaufstiege in West- und Ostdeutschland und im letzten Aufsatz um die Frage, wer eigentlich auf Dauer die familiale Bildung leisten soll, wenn Mütter zunehmend ebenfalls erwerbstätig sind.

Im dritten Teil beschäftigen sich drei Beiträge mit dem Thema „Jugend an den Grenzen der Familie“. Dabei geht es anhand unterschiedlicher Themen um die Frage, wie Bildungsabbrüche und Gewalt unter Jugendlichen Schule und Familie als Bildungsfrage beschäftigen.

Im vierten Teil geht es um das Thema „Alter“, da Bildung innerhalb von Familien nicht nur in Kindheit und Jugend stattfindet.

Diskussion

Der Sammelband beschäftigt sich mit einer hochaktuellen und brisanten Frage. Die Untersuchung der eigenständigen Bildungsleistungen von Familien und der Passung dieser Leistungen mit den offiziellen Bildungssystemen ist eine wichtige Herausforderung für die Erziehungs- und Bildungsforschung. Die vorgelegten Beiträge erläutern einzelne Fragestellungen, die sich in diesem Feld ergeben und fassen erste Forschungsergebnisse zu Teilfragen zusammen.

Fazit

Das Buch ist für die einschlägige Forschungscommunity sicherlich wichtig, um zu sehen, wer zu welchen Fragen arbeitet. Insgesamt aber zeigt sich, dass das Thema zwar auf dem Tisch liegt, aber die intensive Bearbeitung erst jetzt beginnt. Viel mehr als erste Versuche, sich dem Thema theoretisch oder empirisch zu nähern liefert der Band nicht.

Rezension von
Dr. Remi Stork
Professor für Kinder- und Jugendhilfe mit dem Schwerpunkt „Hilfen zur Erziehung“ an der FH Münster.
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Es gibt 27 Rezensionen von Remi Stork.

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Zitiervorschlag
Remi Stork. Rezension vom 02.07.2010 zu: Hans R. Müller (Hrsg.): Familie, Generation und Bildung. Beiträge zur Erkundung eines informellen Lernfeldes. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2010. ISBN 978-3-86649-319-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9040.php, Datum des Zugriffs 30.01.2023.


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