Johannes Schilling, Corinna Muderer: Der Clown in der pädagogischen Arbeit
Rezensiert von Prof. (em) Dr. Herbert Effinger, 22.03.2010
Johannes Schilling, Corinna Muderer: Der Clown in der pädagogischen Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2010. 155 Seiten. ISBN 978-3-497-02129-1. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 34,50 sFr.
Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-497-02537-4 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Thema
Der Clown in der sozialen und pädagogischen Arbeit. Methoden und Techniken wirksam einsetzen.
Autoren
Prof. Dr. Johannes Schilling war Professor für Didaktik/Methodik der Sozialpädagogik und Freizeitpädagogik an der Fachhochschule Düsseldorf. Die Diplom Sozialpädagogin und Clownin Corinna Muderer ist die Tochter von Johannes Schilling und arbeitet in einem Heim für verhaltensaufällige Kinder und Jugendliche.
Entstehungshintergrund
Die Autorin hat in ihrer Clown Ausbildung gewissermaßen ihre Leidenschaft für eine besondere Form des Umgangs mit schwierigen sozialpädagogischen Aufträgen entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Vater hat sie sich entschlossen, mit diesem Buch nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für eine Clownpädagogik zu entwickeln.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist nach lehrbuchdidaktischen Gesichtspunkten aufgebaut und in einen theoretischen Grundlagenteil und einen Praxisteil gegliedert. Der Leser wird mit Hilfe der Figur Clown Poi als Protagonisten und seinen leitenden Fragen durch die einzelnen Kapitel geführt.
Zunächst beschäftigen sich die Autoren mit der Frage nach der Notwendigkeit und Art eines für die Pädagogik geeigneten Menschenbildes. Dieses entwickeln sie recht anschaulich in den Dimensionen sensu-motorisch, emotional-affektiv, kognitiv-rational, psycho-aktional, sozial-kommunikativ und kulturell-ethisch. Daran schließen sich Überlegungen zur Bedeutung des Spiels im menschlichen Leben an. Abgerundet wird der Theorieteil durch Reflexionen zum Thema Lachen und Humor.
Im praktischen Teil führt Clown Poi die Leser zunächst in die unterschiedlichen Spieltechniken der Clownsausbildung ein. Diese eher für die Bühne entwickelten Techniken werden dann in eine Konzeption für Clown-Pädagogik übertragen und deren Anwendung schließlich durch einige Praxisbeispiele exemplarisch illustriert.
Am Ende der einzelnen Kapitel finden sich jeweils prägnante Zusammenfassungen und weiterführende Literaturempfehlungen. Durch Frage- oder Ausrufezeichen werden die Leser immer wieder eingeladen, sich über bestimmte Thesen und Fragen eigene Gedanken zu machen. So wird aus einem Lesebuch ein Arbeitsbuch.
Diskussion
Der Rezensent hat dieses Buch sehr gern gelesen. Es ist sehr gut gegliedert und die einzelnen Kapitel bauen schlüssig aufeinander auf. Die Leser werden konsequent von den theoretischen Erörterungen zu den Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis geleitet. Auch wenn sich die Spannung zum Ende ein wenig in den zwar anschaulichen aber doch ein wenig spezifischen Praxisbeispielen verliert. Eine Art Gesamtzusammenfassung im Sinne von Zuspitzung und Ausblick auf noch zu klärende Fragen für die weitere, theoretische und empirische Entwicklung würde dieser Clownpädagogik gut anstehen. An einigen Stellen besteht durchaus noch Diskussions-, Ergänzungs- und Klärungsbedarf. So scheinen mir beim Thema Humor und Lachen Hinweise auf mögliche Gefahren und Missdeutungen bzw. Missverständnisse beim Einsatz von Clowntechniken eher etwas zu kurz gekommen. Gerade in einem eher praxisorientierten Arbeitsbuch würde ich mir Hinweise erwarten, in welchen Kontexten man bestimmte Techniken eher oder wo eher nicht einsetzten kann und was passiert bzw. wie man reagieren kann, wenn man mal ins Fettnäpfchen tritt. Hier sollte man dem Leser klaren Wein einschenken und darauf hinweisen, dass die Leichtigkeit von Clown-Interventionen nur durch schwere Arbeit und auf der Grundlage professionellen, kommunikativen Könnens und des sich selbst gut Kennens möglich ist. In dieser Richtung sollten bei der Weiterentwicklung einer Clownpädagogik auch die theoretischen Grundlagen ein wenig geschärft werden. Außerdem gibt es bei der Rezeption der Grundlagenliteratur noch einige Unklarheiten und bei der Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen mangelt es manchmal an einer Sorgfalt, wie die zweifellos in der didaktischen Gestaltung des Buches vorhanden und gelungen ist. So sind beispielsweise recht zweifelhafte oder pauschalierende Aussagen, wie zum Umgang der christlichen Kirche mit Humor und Lachen kaum belegt. Bei Luther kann keinesfalls davon die Rede sein, dass dieser keine Spaßmacher duldete. Auch bei der Nennung der zitierten Quellen fehlt es ein wenig an Sorgfalt. So werden einzelne Titel mit falschen Erscheinungsjahren benannt oder wichtige Quellen, wie beispielsweise David Gilmore (2007), nicht zur Kenntnis genommen.
Fazit
Wer sich hier über die Möglichkeiten der Clownpädagogik in klassischen sozialpädagogischen Handlungsfeldern informieren möchte und Anregungen für seine Praxis sucht, wird hier fündig und sollte das Buch kaufen. Andere, die sich hinsichtlich der theoretischen Grundlagen vielleicht mehr erwarten, sollten sich von den kleinen Sorgenfalten des Rezensenten nicht abhalten lassen, und dessen Kritik mit Gelassenheit ertragen, die vielen theoretischen Anregungen aufgreifen und sich darum bemühen, die Anstrengungen der Autoren bei der Entwicklung einer Clownpädagogik durch eigene Beiträge unterstützen.
Literatur
Gilmore, David (2007): Der Clown in uns. Humor und die Kraft des Lachens. München: Kösel-Verlag
Rezension von
Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
Mailformular
Es gibt 25 Rezensionen von Herbert Effinger.





