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Dirk Menzel, Werner Wiater (Hrsg.): Verhaltensauffällige Schüler

Cover Dirk Menzel, Werner Wiater (Hrsg.): Verhaltensauffällige Schüler. Symptome, Ursachen und Handlungsmöglichkeiten. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2009. 414 Seiten. ISBN 978-3-8252-3295-5. 24,90 EUR.

Reihe: UTB - 3295.
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Herausgeber

Prof. Dr. Dr. Werner Wiater arbeitet als Universitätsprofessor, Lehrstuhl Schulpädagogik, an der Universität Augsburg.

Dr. Dirk Menzel ist als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Schulpädagogik der Universität Augsburg tätig.

Thema und Zielgruppen

Der Lehrstuhl Schulpädagogik an der Universität Augsburg beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit „schwierigen“ Schülerinnen und Schüler in Regelschulen. Die steigende Zahl von verhaltens - und lernauffälligen Kindern und Jugendlichen in den allgemeinbildenden Schulen, verbunden mit unerträglich vielen Störungen und Disziplinlosigkeiten sowie den dadurch gewachsenen Belastungen und Überforderungen des Lehrerberufs, waren neben Bemühungen der Bundesländer und betroffener Eltern der Anlass dafür, sich intensiv mit dieser Problematik zu befassen.

Dieses Buch richtet sich also vorwiegend an Lehramtsstudierende, Lehrerinnen/Lehrer und Eltern. Aber auch Studierenden der Sozialpädagogik und Fachkräften der Kinder- Jugendhilfe, insbesondere im Bereich Schulsozialarbeit, bietet das Buch eine Orientierungshilfe.

In diesem Buch werden Richtungen, Zusammenhänge und Entwicklungsstränge verdeutlicht, die einen fundierten und differenzierten Überblick ermöglichen, um zu einem intensiveren, selbständigen Studium anzuleiten und Anregungen zur Gestaltung des Unterrichts in der Regelschule zu geben.

Ziel dieser Publikation ist es nicht, sich an Kontroversen der Wissenschaftler und Praktiker zu beteiligen, ob etwa Inklusion oder Separation der richtige pädagogische Lösungsweg sei, weil das den Rahmen dieses Buches sprengen würde.

Aufbau

Das Buch beginnt mit dem Vorwort der Herausgeber und gibt anschließend eine Inhaltsübersicht. Danach werden von den beiden Herausgebern als Einstieg in die Gesamtproblematik aus schulpädagogischer Perspektive Vorkommen und Ursachen von Unterrichts- und Verhaltensstörungen (Dirk Menzel) dargestellt und dabei die Schwierigkeiten von Verhaltensänderungen (Werner Wiater) betrachtet.

Anschließend werden in 8 Kapiteln von namhaften Fachleuten verschiedene Themen diskutiert wie

  • physiologische, emotionale und soziale Ursachenfelder von auffälligem Verhalten,
  • Aufmerksamkeits-und Konzentrationsstörungen,
  • Aggression und Gewalt,
  • sexualisierte Gewalt,
  • Sucht und Abhängigkeit sowie
  • Jugendschulden diskutiert.

Im Schlusswort der Herausgeber wird noch einmal deutlich hervorgehoben, dass gelingende Bildung und Erziehung nur durch Lehrkräfte gewährleistet werden kann, deren Gesundheit als hohes Gut geschätzt wird, die also nicht schon frühzeitig „ausgebrannt“ sind.

1. Auswirkungen physiologischer Ursachenfelder in der Schule

Verhaltensbesonderheiten von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen (Alfred Wiater und Sandra Overmann). Zu Beginn der Ausführungen werden die Definition und die Prävalenz chronischer Krankheiten und die medizinische Problematik chronischer Erkrankungen wie Erkrankungen des allergischen Formenkreises (Allergien, Asthmabronchiale und Neurodermitis) rheumatoide Arthritis, cerebrale Krampfanfälle, Epilepsie, Diabetes mellitus, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, angeborenen Herzfehler, bösartige Erkrankungen und Mukoviszidose praxisnah und verständlich im Schulkontext erläutert. Anschließend zeigen die Autoren die psychosoziale Problematik chronischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen auf, indem sie auf die Auswirkungen für die Persönlichkeitsentwicklung eingehen sowie körperliche Beschwerden, Bedrohlichkeit, Leistungsfähigkeit, soziale und familiäre Kontakte thematisieren und Zukunftsperspektiven erörtern. Konkrete Hinweise für Pädagogen im Umgang mit chronisch kranken Kindern in der Schule werden im Anschluss vorgestellt. Sie beinhalten bspw. Aussagen über die schulische Gesundheitsförderung, Elternarbeit, Umgang mit Mitschülern, Informationsaustausch innerhalb des Lehrerkollegiums, rechtliche Aspekte, Angaben zu Medikamenten und Notfallmaßnahmen.

Kinder mit körperlich-motorischen Auffälligkeiten (Marion Dräger). Ausgehend von der WIAD – Studie (Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschlands) konnte flächendeckend festgestellt werden, dass die Fitness der Schülerinnen und Schüler von 6-18 Jahren im Vergleich zum schon schwachen Ausgangsniveau 1995 noch weiter zurückgegangen war. Stärker als bisher zeigt sich der Einfluss der Schulen auf den körperlichen Zustand der Kinder und Jugendlichen, da diejenigen Schüler, die mehr als 3 Stunden wöchentlich Schulsport absolvieren, in allen Übungen besser abschneiden, als diejenigen, die nur max. 2 Stunden Sportunterricht haben.

In diesem Artikel werden eindringlich die Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung insgesamt und motorische Defizite, Adipositas und Asthma vor Augen geführt.

Linkshändigkeit - heute nichts Besonderes mehr? (Dirk Menzel). Bei einem Anteil von 20 -30% der Bevölkerung an Linkshändigkeit ist es im Sinne der Bedürfnisgerechtigkeit angebracht, im Rahmen des Schulwesens darauf einzugehen. Deshalb befasst sich dieser Artikel kurz mit dem neurologischen Hintergrund, den Besonderheiten und dem Erkennen linkshändiger Kinder sowie deren vorschulischer und schulischer Förderung.

Autismus (Bruno J. Schor und Alfons Schweiggert). Es gilt als gesichert, dass Autismus kein abgrenzbares Krankheitsbild ist, sondern eine veränderte Lebens- und Entwicklungsform darstellt, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist (vgl. S.110). Anhand des ICD 10 sind 2 Hauptformen zu unterscheiden: das Kanner-Syndrom und das Asperger-Syndrom. Anhand dieser zwei Ausprägungen werden die Wesensmerkmale und Symptome, die Ursachen, Auswirkungen und therapeutischen Ansätze allgemein und im schulischen Kontext vorgestellt. Am Ende dieses 1. Kapitels werden wichtige Ansprechpartner mit Adressen genannt.

2. Auswirkungen sozialer Ursachenfelder in der Schule

Verhaltensbesonderheiten von Kindern und Jugendlichen aufgrund von körperlicher und emotionaler Misshandlung sowie Vernachlässigung (Günter Deegener und Wilhelm Körner). Zu Beginn werden wichtige Begriffe wie die verschiedenen Facetten von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung definiert, anschließend die Verhaltensbesonderheiten bei verschiedenen Gewaltformen und die daraus erwachsenen Folgen dargestellt und in eine sehr anschauliche Tabellenform gebracht. Danach werden Ursachen dieser Auffälligkeiten erörtert und Handlungsmöglichkeiten der Lehrer sowohl als Intervention als auch als präventive Maßnahmen diskutiert.

Kulturbedingte Verhaltensauffälligkeiten am Beispiel von türkischen Schülerinnen und Schülern in der Regelschule (Doris Manschke). Nach Erläuterung des Kulturbegriffes werden Kulturalität und kulturelle Differenz erörtert und daraus speziell kulturbedingte Verhaltensweisen türkischer Schülerinnen und Schüler abgeleitet. Als Hauptsymptom wird der mangelnde Bildungserfolg gesehen, der, wie Untersuchungen an der Universität Augsburg belegen, nicht durch niedrigere Intelligenzquotienten belegt ist. Als kulturell bedingte Gründe zeigen sich vielmehr u.a.:

  1. Schwierigkeiten mit der Autorität der Lehrkraft (besonders bei Frauen)
  2. Selbstüberschätzung der männlichen Schüler gegenüber deutschen und türkischen Frauen
  3. Geschlechterrolle der türkischen Schülerinnen (insbesondere Minderwertigkeitsgefühle)
  4. Macht bzw. Omnipotenzdemonstrationen (der männlichen Schüler)
  5. Totale Ablehnung des Schulbesuches

Des weiteren werden mögliche Lösungsversuche und Grenzen im Umgang mit kulturell heterogenen Klassen vorgestellt.

3. Aufmerksamkeit und Konzentration in der Schule

ADHS- Kinder mit besonderem Förderbedarf (Klaus Skrodzki). Die Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts- Störung (ADHS nach DSM IV) oder das Hyperkinetische- Syndrom (HKS nach ICD 10) ist mit 2-6 % weltweit die häufigste Störung im Kindes- und Jugendalter. Der Artikel zeigt anhand des Lebenslaufes - speziell in der Schule - die Ursachen und Erscheinungsformen sowie die Problemlagen, Komorbiditäten, Diagnostik und spezielle Erziehungsgrundlagen einschließlich der Medikamentierung auf.

Hier hätten m.E. auch die Probleme der Kinder mit ADS (DSM IV) ohne Hyperaktivität einer näheren Erläuterung bedurft.

Immer dieser Michel … oder: Tipps zum täglichen Umgang mit aufmerksamkeits- und konzentrationsschwachen Kindern und Jugendlichen (Ulrike Schaupp). Anhand des ressourcenorientierten Theorieansatzes wird ein beziehungsorientiertes Lehren und Lernen präferiert, das über Bedürfnisorientierung und – erfüllung eine optimale Förderung der aufmerksamkeits- und konzentrationsschwachen Kinder und Jugendlichen verspricht.

4. Aggression und Gewalt in der Schule

Schlag auf Schlag – „Pädagogische Präsenz“ statt Aggression und Gewalt in der Schule (Ulrike Schaupp). Drei Fallbeschreibungen zu Beginn zeigen die Abläufe von aggressiven Verhaltensweisen im Schulalltag. Dem schließt sich eine genaue Analyse von aggressiven und gewaltbereiten Symptomen an, die anhand gängiger Aggressionstheorien (u.a. Freud, Dollard, Berkowitz, Seligman, Skinner, Bandura, Anderson & Lindsay) unterschiedlicher Ansätze diskutiert wird. Am Beispiel der Resilienztheorie werden wichtige Schutz-und Risikofaktoren vorgestellt und Phasen erhöhter Vulnerabilität definiert. Dem schließt sich eine ausführliche Übersicht von pädagogischen und psychologischen Verfahren an, um Gewalt aufzudecken und präventiv, aber auch intervenierend, einzugreifen.

Bullying und Cyberbullying unter Schülern (Herbert Scheithauer und Anja Schultze- Krumbholz)„Der Begriff `Bullying` beschreibt eine bestimmte Form aggressiven Verhaltens in der Schule, bei der ein oder mehrere Schüler einen anderen Schüler absichtlich, wiederholt und länger andauernd schädigen“ (S. 214). Durch die Verbreitung moderner Medien zeigt sich eine neue Form von Bullying, nämlich das Cyberbullying. Im täglichen Sprachgebrauch bezeichnet man diese Verhaltensweisen auch als Mobbing. Es werden im folgendem die Häufigkeit, Geschlechtsspezifik, die Merkmale, Entstehungsbedingungen, Risikofaktoren und die Handlungsmöglichkeiten für Eltern und Lehrer sowie Präventions- und Interventionsprogramme vorgestellt. Übersichtliche Tabellen, Literaturempfehlungen und einschlägige Adressen erleichtern es dem Leser, sich einen umfassenden Überblick über die Thematik zu verschaffen.

Prävention von Bullying und Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Schulkontext: das fairplayer.manual (Herbert Scheithauer und Heike Dele Bull). Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit einem Präventionsprogramm, welches im vorherigen Artikel bereits angesprochen wurde. Dieses Manual kann unterrichtsbegleitend eingesetzt werden, um präventiv zu wirken, indem soziale Kompetenz gefördert wird. Es werden Grob –und Feinziele definiert, die zum einen zivilcouragiertes Verhalten ermöglichen und zum andern Verständnis, Empathie und Sensibilät mit den potenziellen Opfern zeigen, aber auch das Bedingungsgefüge für dissoziales Verhalten erkennen lassen.

Förderung sozialer Kompetenzen bei Kindern (Stefanie Wekenmann). Beispiele aus dem Regelschulalltag illustrieren sehr instruktiv die Probleme, die Kinder mit Defiziten im Bereich sozialer Kompetenzen aufweisen. Dies wird dann im Zusammenhang mit Diagnosen des ICD-10 verglichen und anschließend in Verbindung mit Ursachen von Defiziten, Fördermöglichkeiten sozialer Kompetenz sowie der Schaffung günstiger Umgebungsbedingungen diskutiert.

Konfrontative Pädagogik: Eckpfeiler eines neuen Trends in Sozialer Arbeit und Erziehungswissenschaft (Jens Weidner). Der Begriff Konfrontative Pädagogik (KP) dient als Arbeitstitel für eine theoretische Entwicklung, bei der es um eine Wiederbelebung der konfrontativen Methodik in der Alltagspraxis Sozialer Arbeit und Pädagogik geht. Es handelt sich nicht um eine Alternative, sondern um eine Ergänzung des lebensweltorientierten Ansatzes. Als Motto kann gelten: Liebe allein genügt nicht. - Grenzen ziehen bei Mehrfachauffälligen. Dieser Stil beinhaltet im Sinne des autoritativen Erziehungsziels, dass sich mit den Folgen aggressiven Verhaltens auseinandergesetzt werden muss. „Professionelle der Sozialen Arbeit sollten pädagogisch (nicht polizeilich/juristisch!) auf Kleinigkeiten reagieren, damit Großes erst gar nicht passiert“ (S. 257). Als zwei spezielle Methoden Konfrontativer Pädagogik gelten das Antiaggressivitäts- und Coolness-Training.

5. Sexualisierte Gewalt in der Schule

Über den Umgang mit sexualisiertem Verhalten im Schulsetting (Helga Ihm und Alexandra Stupperich). Die Verfasserinnen erörtern ausführlich und tiefgründig die Entwicklungsmöglichkeiten von sexueller Normalität bis hin zur Devianz. Es werden verschiedene Typen von missbrauchenden Kindern vorgestellt und Delinquenztypen bei Jugendlichen expliziert. Anschließend widmet sich der Beitrag verschiedenen Interventionsstrategien im Klassensetting, aber auch in Schullandheimen, Sport- und Ferienlagern.

Sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen (Maria Steiner). In Form einer Definition des Problemfeldes stellt die Autorin die wesentlichen Zusammenhänge zwischen Verhaltensauffälligkeiten, die sich „nur“ als eine auffallende Verhaltensänderung zeigen, und den Auffälligkeiten, die Kinder entwickeln, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sein könnten, dar. Dazu gehören u.a.:

  • jegliche selbstzerstörerischen Handlungen
  • ausgeprägte Schuld- und Schamgefühle
  • Depersonalitätsgefühle
  • Emotionales und geistiges „Abwesendsein“
  • „ Zeitverluste“ („Ich weiß nicht, wo ich gestern war“.)
  • Einschlaf- und Durchschlafstörungen
  • Alpträume und Ängste
  • Ess-Störungen

Weiterhin werden die Handlungsmöglichkeiten für Lehrer und Eltern aufgeschlüsselt und Arten der Prävention vorgestellt.

Sexueller Missbrauch als möglicher biographischer Hintergrund verhaltensauffälliger Jungen (Peter Mosser). Anhand von zwei Fallbeispielen aus der Beratungspraxis der Münchner Beratungsstelle kibs ( Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für männliche Opfer sexualisierter Gewalt) werden vom Autor feinfühlig und präzise Ausmaß, Verhaltensweisen, Bewältigungsstile, geschlechtsspezifische Aspekte und Aufgaben der Schule im Umgang mit sexuell missbrauchten Jungen erörtert und präventive Maßnahmen vorgestellt.

6. Sucht und Abhängigkeit in der Schule

Alkohol-/Drogenmissbrauch und – abhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen (Volker Barth). Die Einnahme von psychotropen Substanzen, das heißt von Stoffen, die bewusstseinsverändernd wirken (vgl. S.307), gilt als gesellschaftlich etabliertes Verhalten. Dabei nehmen die legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin den weitaus größeren Konsumanteil ein. Besonders in Jugendkreisen wird aber auch verbreitet Cannabis verwendet. Der Autor gibt einen profunden Einblick in den Suchtmittelkonsum Jugendlicher sowie über Ursachen, Verbreitung und Wirkung von Suchtmitteln, Präventionsprogrammen und Hilfesystemen.

Medienabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen (Annette Teske). In dem Artikel wird sehr anschaulich diese neue Art von Abhängigkeit diskutiert. Dabei wird anhand von Fallbeispielen das Ausmaß des sich schleichend entwickelnden suchtartigen Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen plastisch dargestellt. Neben der Ursachenerläuterung finden Lehrer und Eltern aber auch Interventionsratschläge für die Praxis. Außerdem wird darauf hinwiesen, wie wichtig Präventionsmaßnahmen und die Vorbildfunktion von Eltern und Lehrer sind.

7. Emotionale Auffälligkeiten in der Schule

Angststörungen und Prävention von Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen (Carmen Adornetto und Silvia Schneider). Es werden die verschiedenen Angstformen wie Trennungsangst, Phobien, und Prüfungsangst im Schulkontext erläutert sowie die Ursachen von Angststörungen genannt. Anschließend zeigen die Autorinnen Handlungsmöglichkeiten von Eltern und Lehrern auf und beschreiben im Sinne präventiver Maßnahmen verschiedene Programme wie beispielsweise „Nur keine Panik“, TAFF (TrennungsAngstprogramm Für Familien), FREUNDE-Programm und „Gesundheit und Optimismus! – GO!.“

Tics, Zwangsstörungen und Selbstverletzungen (Dirk Menzel). Hier werden recht unterschiedliche Auffälligkeiten vorgestellt, die sich durch seltsame Verhaltensweisen wie dauerndes Augenzwinkern, Räuspern, Vor-sich-Hinmurmeln, abgebissene Fingernägel, Haare- um- den- Finger- Wickeln u.ä. äußern. In vielfältigen Übersichten und Tabellen wird ein Überblick über die verschiedenen Formen von Tics, Zwängen und Selbstverletzungen sowie Tipps für die Schule gegeben.

Schulabsentismus als pädagogische Herausforderung (Heinrich Ricking). Nachdem die drei Subkategorien Schulschwänzen, Schulverweigerung und das Zurückhalten von Schülern durch Eltern unterschieden worden sind, erklärt der Autor Bedingungsfelder wie Familie, Schüler, Schule und Peers als mögliche Ursachen für Schulabsentismus. Daraufhin wurden die Präventionsmaßnahmen auch unter Einbezug aller Beteiligter anhand von Bausteinen erläutert.

8. Jugendschulden

Schulden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (Claudia Caspari). Zu Beginn wird der Prozess des Schuldenmachens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Teil des gegenwärtigen Wirtschaftssystems beschrieben, wobei als Überschuldungsursachen eine unrealistische Haushalts- und Finanzplanung, unüberlegtes Konsumverhalten und Sucht gelten. Schuldenprävention in der Schule stellt eine wesentliche Säule zur Verminderung des Schuldenmachens dar. Es werden dann abschließend Präventionsmöglichkeiten in der Grundschule und in der Sekundarstufe vorgestellt.

Schlusswort

und die Lehrkräfte der Kinder und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten? (Dirk Menzel und Werner Wiater). „Die Eigenarten jedes Kindes kennen und achten, für seine körperliche und seelische Unversehrtheit einstehen etc. dies können aber nur Lehrerinnen und Lehrer, die ebenfalls geachtet werden, deren Gesundheit als wichtiges Gut angesehen und geschützt wird.“ (S.409, von Hentig, 1993, 244 ff) In der Realität ist davon auszugehen, dass über 50% der Unterrichtenden vor Erreichung der Pensionsaltersgrenze aufgrund von Dienstunfähigkeit aus dem Schuldienst ausscheiden, was die besondere Belastung der Unterrichtenden zeigt. Die Verfasser erläutern anschließend, welche Möglichkeiten sie sehen, um die oft schwierigen Arbeitsbedingungen für Lehrer und damit auch für die Schüler zu verbessern.

Fazit

Dieses Buch ermöglicht in komprimierter Form einen schulspezifischen Überblick über die Vielfältigkeit von Verhaltensauffälligkeiten von Schülern, ihren Ursachen sowie mögliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Es fördert das Verständnis für die körperlichen, psychischen und/oder sozialen Belastungen und Benachteiligungen, die manche Kinder und Jugendliche bereits in jungen Jahren ausgesetzt sind und gibt professionellen Rat, wie diese Belastungen im Schulkontext gemindert werden können.


Rezension von
Prof. Dr. Eva-Mia Coenen
Studienrichtungsleiterin Hilfen für Erziehung an der Staatlichen Studienakademie Breitenbrunn
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Zitiervorschlag
Eva-Mia Coenen. Rezension vom 24.06.2010 zu: Dirk Menzel, Werner Wiater (Hrsg.): Verhaltensauffällige Schüler. Symptome, Ursachen und Handlungsmöglichkeiten. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2009. ISBN 978-3-8252-3295-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9068.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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