Tamara Krings: Kindertagespflege als Beruf
Rezensiert von Dr. Martin R. Textor, 23.03.2010
Tamara Krings: Kindertagespflege als Beruf. Eine Bestandsaufnahme mit Ausblick. Tectum-Verlag (Marburg) 2009. 214 Seiten. ISBN 978-3-8288-9973-5. D: 24,90 EUR, A: 24,90 EUR, CH: 38,10 sFr.
Thema
Im Mittelpunkt des Buches von Tamara Krings steht die Professionalisierungsdebatte im Bereich der frühkindlichen Bildung und Erziehung. Beim Vergleich entsprechender Entwicklungstendenzen in der institutionellen Kindertagesbetreuung und in der Kindertagespflege wird deutlich, dass Letztere weiter zurückfällt.
Autorin
Tamara Krings ist Diplom-Pädagogin und arbeitete mehrere Jahre lang als Projektleiterin und freie Ausbildnerin in der Kindertagespflege für verschiedene Träger der Erwachsenenbildung.
Entstehungshintergrund
Bei dem Buch handelt es sich vermutlich um eine Diplomarbeit.
Aufbau
Das Buch umfasst sieben Kapitel:
- Einleitung und Vorwort,
- Aufbau der Arbeit,
- Arbeitsthesen und zentrale Forderungen zur Entwicklung der familiennahen Kindertagespflege,
- die Entwicklung der Kindertagespflege in Deutschland,
- Professionalisierung in der frühkindlichen Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung der Kindertagespflege,
- Reformbedarf und Veränderungsvorschläge,
- Literatur und Quellenangaben.
Die Kapitel 4 und 5 bilden mit mehr als 150 Seiten den Schwerpunkt des Buches.
Inhalt
Tamara Krings problematisiert, dass Kindertagespflege nicht wirklich der institutionellen Kindertagesbetreuung gleichgestellt ist und dass Tagespflegepersonen in der Hierarchie pädagogischer Berufe ganz unten angesiedelt sind. Dies liegt an der öffentlichen Wahrnehmung (Kindertagespflege als Notfalllösung), der unzureichenden Qualifikation der Betreuer/innen und der fehlenden Qualitätskontrolle ihrer pädagogischen Arbeit. Die Autorin betont, dass Tagespflegepersonen im Grunde eine große Bandbreite an Kompetenzen ausbilden müssten: „Die in der Regel freiberuflich tätigen Tagespflegepersonen benötigen umfangreiche betriebswirtschaftliche, rechtliche aber auch spezielle pädagogische Kenntnisse und Fähigkeiten, die sich von denen der ErzieherInnen erheblich unterscheiden (können). Zudem kommt, dass kommunikative Kompetenzen noch in einem viel stärkeren Maße entwickelt, erprobt und eingeübt werden müssen, da Tagespflegepersonen ihre Arbeitsorganisation und die Zusammenarbeit mit Eltern, KollegInnen und Behörden in der Regel vollständig selbstständig gestalten müssen“ (S. 13). Die derzeitigen Bestrebungen nach einer Professionalisierung sozialpädagogischer Fachkräfte im Bereich der Kindertagesbetreuung gehen in Richtung einer Akademisierung, was zu einer erneuten Diskriminierung der Kindertagespflege führe, da hier wohl kaum AkademikerInnen tätig sein werden. Zudem wären die öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe daran interessiert, die private Kindertagespflege als ein besonders kostengünstiges Angebot der Kindertagesbetreuung zu erhalten.
Tamara Krings fordert, dass der Elementarbereich rechtlich dem Bildungssektor zugeordnet werden sollte und die dort Beschäftigten über eine mehrjährige akademische Ausbildung verfügen sollten. „Die derzeitige Qualifizierung von Tagespflegepersonen muss völlig neu konzipiert werden, und zwar in Form eines qualitativ hochwertigen, mehrstufigen nach oben durchlässigen Qualifizierungssystems bis hin zur (heutigen) Stufe der ausgebildeten ErzieherIn“ (S. 22 f.). So könnten Bildungszertifikate, aber auch Gütesiegel eingeführt werden. Die Entlohnung der Tagespflegepersonen sollte nach Tarifen erfolgen, notfalls mit staatlichen Zuschüssen. Dann wäre der Beruf auch für Männer interessant; ihr Anteil an den Tagespflegekräften sei auf mindestens 30 Prozent zu steigern.
Im weiteren Verlauf des Buches werden Begriff und Merkmale der Kindertagespflege erläutert, wird die geschichtliche Entwicklung dieser Betreuungsform skizziert, wird sie mit der institutionellen Kindertagesbetreuung verglichen. Nachdem herausgearbeitet wurde, dass die Bildungspläne der Bundesländer auch für die Tagespflege gelten, werden deren rechtlichen Grundlagen erörtert. Dann geht es um die Organisation der Kindertagespflege in Deutschland, Schweden, Frankreich, Schweiz und Dänemark. Ausführlich wird die Professionalisierungsdebatte einschließlich geschlechtsspezifischer Aspekte beschrieben.
Tamara Krings kommt zu dem Ergebnis, dass bisher nur von „Professionalisierungstendenzen“ im Bereich der Kindertagespflege gesprochen werden kann. Aus- und Weiterbildung der Tagespflegepersonen seien unzureichend, die pädagogische Qualität der Angebote sei zweifelhaft: „Verbindliche Mindeststandards sowie mangelnde Qualitätskontrolle durch Dritte ermöglichen ein extrem breit gefächertes Angebot mit zumeist fragwürdigen bzw. fehlenden pädagogischen Inhalten“ (S. 182). So fordert die Autorin abschließend, das Qualifikationsniveau der Tagespflegepersonen stufenweise anzuheben, deren Bezahlung vom Verdienst der Eltern abzukoppeln und die Fachberatung zu verbessern.
Fazit
Das Buch von Tamara Krings bietet einen umfassenden Überblick über Geschichte und aktuelle Situation der Kindertagespflege in Deutschland. Dabei steht vor allem die Qualifikation der Tagespflegepersonen im Mittelpunkt. Das Buch ist gut lesbar, enthält aber viele Wiederholungen. Eine Straffung und Überprüfung auf Fehler durch das Lektorat des Verlages wären sinnvoll gewesen.
Rezension von
Dr. Martin R. Textor
Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF)
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