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Georgios Tsakalidis (Hrsg.): Nachhaltige Stadtentwicklung im beginnenden 21. Jahrhundert

Cover Georgios Tsakalidis (Hrsg.): Nachhaltige Stadtentwicklung im beginnenden 21. Jahrhundert unter den Bedingungen Agenda 21-typischer Prozesse. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2008. 126 Seiten. ISBN 978-3-8258-1367-3. 19,90 EUR, CH: 30,90 sFr.

Reihe: Stadt- und Regionalforschung - Band 6. Weiterer Untertitel: Leitfaden, Perspektiven und Beispiele kommunaler Handlungsräume im Bereich der Nachhaltigkeit unter der Prämisse der Bürgerbeteiligung.
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Thema

Mit der Agenda 21 verbinden wir ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm, das auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro 1992 beschlossen wurde. 178 Staaten, internationale Organisationen und nationale Regierungen haben sich darin zur Nachhaltigkeit in ihrer Entwicklung von Umwelt, Sozialem, Ökonomie in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen verpflichtet.

In Deutschland wurde 2002 die nationale Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet, in der ein Leitbild nachhaltiger Entwicklung formuliert wurde, mittlerweile haben sich fast 3000 Kommunen in Deutschland zu dieser Nachhaltigkeitsstrategie bekannt und versuchen die Agenda 21 umzusetzen.

Damit gewinnt der Agenda 21-Prozess auch Bedeutung für eine zukünftige Stadtentwicklungsstrategie. Stadtentwicklung und die Stadtplanung müssen sich mit diesen Prozessen nachhaltiger Entwicklung immer mehr auseinandersetzen. Die Beteiligung an diesen Prozessen wird dabei als ein entscheidendes Kriterium für die Qualität solcher Prozesse beschreiben. In der Trias von nachhaltiger Umweltentwicklung, Partizipation an solchen Prozessen und einer strategischen Stadtentwicklung werden solche Prozesse erfolgreich konstituiert und das ist auch der Hintergrund dieser Arbeit von G. Tsakalidis und dem Ausländerbeirat der Stadt Münster.

Aufbau …

Die Einleitung fragt, wie man globales Denken in lokales Handeln umsetzen kann und hier werden auch zentrale Begriffe wie der der Nachhaltigkeit abgeklärt. Dabei verweisen die Herausgeber auf soziale Gerechtigkeit, ökonomische Transparenz und ökologische Tragfähigkeit als zentrale Prinzipien von Nachhaltigkeit.

In 13 Kapiteln werden z. T. sehr unterschiedliche Themen bearbeitet. Alle diese Kapitel haben eine gewisse einheitliche Systematik. Nach der Beschreibung der Ausgangslage, werden Ziele und Kriterien der Nachhaltigkeit benannt, Maßnahmen beschrieben, um dann auf beteiligte Träger und Instrumente der Umsetzung hinzuweisen.

… und Inhalt

In Kapitel I wird die globale Verantwortung der Bundesrepublik Deutschland angemahnt und auf lokale und globale Diskrepanzen hingewiesen.

Im Kapitel II wird Stadtentwicklung im globalen und regionalen Kontext bearbeitet, wobei auf die Problematik der Stadtentwicklung weltweit hingewiesen wird, zumal immer mehr Menschen zwar in Städten wohnen, diese Menschen zunehmend aber auch in prekären sozialökologischen Kontexten von Slums leben.

Kapitel III beschreibt die Wohn- und Haushaltentwicklung in Städten und Gemeinden. Dabei wird der Schutz lebenswichtiger Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft, Klima, Flora, Fauna und Energie eingefordert und vor allem auch auf die Situation benachteiligter Quartiere hingewiesen.

Kapitel IV beschreibt unter dem Stichwort Urbanität und Ökologie die Schwachstellen strategischer Stadtplanung vor allem in den Innenstädten, deren Urbanität immer mehr bedroht ist durch Leerstand und Verödung. Dabei muss eine urbane Entwicklung nicht per se ökologisch problematisch sein (S.35).

Die Rolle der Ökonomie ist Gegenstand von Kapitel V. Es geht um die Stärkung der lokalen Wirtschaft vor Ort, auch im Sinne einer lokalen Ökonomie in allen ihren Facetten.

Kapitel VI setzt sich mit der Verkehrsproblematik auseinander und begründet den ÖPNV als Mittel zur nachhaltigen Verkehrsentwicklung. Teilhabe am öffentlichen Leben und Mobilität werden dabei als eine wesentliche Relation erkannt; sie gewinnt mit den demographischen Veränderungen einer alternden Gesellschaft im Übrigen eine besondere Bedeutung.

Kapitel VII ist dem Klima und der Umwelt gewidmet. "Um die Verbindung von globaler und lokaler Klimaentwicklung zu begründen, gilt: je nachhaltiger die Klima- und Umweltpolitik auf Gemeindeebene programmiert und praktiziert wird, desto flexibler und zukunftsfähiger kann auch die Gemeinde auf die Probleme aus dem Umwelt-, Energie- und Wirtschaftssektor reagieren,.…" (54).

Kapitel VIII fragt nach nachhaltigen Energieressourcen als Motor für die kommunale Entwicklung, wobei es um Energie- und Wasserversorgung geht.

Kapitel IX behandelt soziale, kulturelle und freizeitbezogene Aktivitäten, wobei die Stärkung von Gemeinschaftseinrichtungen als zentraler Indikator gilt. Allerdings werden Bezüge zur Stadt und Gemeinde als Formen der Vergemeinschaftung hergestellt, die unterschiedlich die Frage beantworten, wie sehr sie integrieren und vor allem integrieren müssen. Verwirrend ist als der Bezug. Geht es um wirklich sozialintegrative Einrichtungen oder um die Entstehung eines Gemeinschaftsgefühls und des Zusammenlebens und der Zugehörigkeit im urbanen oder dörflichen Kontext?

Kapitel X nennt das Verwaltungshandeln als Antreiber einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Natürlich sind die Kommunen und deren Verwaltungen zunächst auch die institutionellen Träger des Agenda 21-Prozesses. Die Frage, die sich im Sinne der Nachhaltigkeit eher stellt, ist aber eher die Kommunikationsweise zwischen Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern. Es geht also auch um Governance und die Institutionalisierung von überparteilichen Aushandlungsprozessen zwischen Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern.

Die Situation der Frauen in der Stadtentwicklung wird in Kapitel XI behandelt. Es geht um Teilhabe an gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen und deren Institutionalisierung (Frauenpläne, Gleichstellung).

Kapitel XII (sic!) setzt sich mit der Situation von Ausländern und Menschen mit Migrationsvorgeschichte auseinander.

Hier geht es um Integrationskonzepte und -bemühungen, um die Frage des Verhältnisses von Migranten zur Gesellschaft, um kulturelle Diversivität und Identität unter den Bedingungen einer multikulturellen Gesellschaft.

Schließlich fasst Kapitel XIII den Stand der Diskussion und die Ergebnisse zusammen, die mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung verbunden sind.

Im Anhang befindet sich ein ausführlicher Leitfaden der Verbindung von Stadtentwicklung mit der Agenda 21. In ihm werden Ziele und Praxis des Prozesses beschrieben, auf den Verlauf eines öffentlichkeitswirksamen Prozesses eingegangen, der auf Partizipation setzt und es wird die Frage diskutiert, wie man ein "Forum der Zukunftsfähigkeit" konstituiert. Im zweiten Teil des Anhangs werden dann diverse Projektbeispiele durchgespielt.

Das Buch schließt mit einer Literaturliste und einigen Tabellen.

Diskussion

Das Buch handelt eine ganze Reihe von Handlungsfeldern und Bereichen kommunaler Politik ab und prüft sie nach den eingangs genannten Kriterien. Es ist ein von den Erfahrungen der Herausgeber gesättigtes und durch die Praxis gezeichnetes Werk, z. T. durchdrängt mit soziologischen Erkenntnissen, die aber nicht weiter theoretisch verfolgt werden.

Das wäre auch für diese Art von Buch eher kontraproduktiv, geht es doch um die Vermittlung wissenschaftlich begründeter Praxis im Prozess der Stadtentwicklung und im Kontext des Agenda 21 Prozesses.

Für die Konzeptionsentwicklung strategischer Stadtentwicklung ist es ein nicht unwichtiger Bestandteil der Diskussion.

Fazit

Wer einen Leitfaden für die Praxis sucht und wer sich praktisch und konzeptionell mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung beschäftigen will, findet hier nicht nur viele Anregungen, sondern auch gute Hinweise der Umsetzung in die Praxis.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 30.03.2010 zu: Georgios Tsakalidis (Hrsg.): Nachhaltige Stadtentwicklung im beginnenden 21. Jahrhundert unter den Bedingungen Agenda 21-typischer Prozesse. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2008. ISBN 978-3-8258-1367-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9182.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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