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Anja Köstler: Mediation

Cover Anja Köstler: Mediation. UTB (Stuttgart) 2010. 100 Seiten. ISBN 978-3-8252-3369-3. D: 12,90 EUR, A: 13,30 EUR, CH: 22,90 sFr.

Reihe: UTB - 3369.
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Thema

Anja Köstler hat sich mit ihren Buch „Mediation“ eines Themas angenommen, dass sich seit einigen Jahren / Jahrzehnten auch in Deutschland einem großem Interesse gegenübersieht: das außergerichtliche Schlichtungsverfahren in Form der Mediation. In der utb-Reihe Profile findet diese Veröffentlichung ihren Platz. Diese Reihe hat es sich zur Aufgabe gemacht „klar-knapp-konkret“ Themen „im Profil“ auf um die 100 Druckseiten darzustellen. Dies ist bereits für andere Themen wie z.B. ADHS (Caterina Gawrilow) und Erlebnispädagogik (Werner Michl) erfolgt.

AutorIn

Die Autorin – Sozial- und Erwachsenenpädagogin – ist im Bundesverband Mediation seit 2001 anerkannte Mediatorin. Ein Schwerpunktbereich in der Mediation läßt sich dem Buch leider nicht entnehmen. Dies wäre aufgrund der Bandbreite in der Mediation immer ein wichtiges Detail, denn sicher ist es ein Unterschied, ob man Mediation in der Wirtschaft betreibt oder eher in Familienmediationen oder gar beiden seinen Schwerpunkt hat.

Aufbau

Die Veröffentlichung gliedert sich in 7 Kapitel (siehe hierzu im Einzelnen unten), denen sich eine Literaturübersicht und das Sachregister anschließen. In der Literaturübersicht findet sich weiterführende Literatur – jedoch lässt es Standardwerke wie das Handbuch der Mediation von Haft /Schlieffen (vgl. Arne Hoppenstedt. Rezension vom 07.09.2009 zu: Fritjof Haft, Katharina Gräfin von Schlieffen (Hrsg.): Handbuch Mediation. Verlag C.H. Beck oHG (München) 2009. 2. Auflage. 1350 Seiten. ISBN 978-3-406-57398-9. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/7928.php, Datum des Zugriffs 18.02.2010) oder vertiefende Literatur zu einzelnen Bereichen der Mediation wie beispielsweise Diez / Krabbe / Thomsen, Familien-Mediation und Kinder (3. Auflage, Bundesanzeigerverlag, 2009) vermissen.

Inhalt

Nach einer Einführung, die sehr generell, aber ausreichend und aktuell den Problemgegenstand der Mediation im (psycho-)sozialen Bereich und die Entwicklungssituation in Deutschland, Rechtsprechung, Gesetzgebung, Forschung und Ausbildung darstellt, folgen die eigentlichen inhaltlichen 7 Kapitel.

Im ersten Kapitel „Was ist Mediation?“ wird prägnant eine Definition des Mediationsverfahrens erstellt. Danach ist Mediation ein

  • Verfahren zur Vermittlung in Konflikten,
  • bei dem alle Konfliktbeteiligten einbezogen sind
  • und im direkten Kontakt zueinander
  • unter der Leitung und Gesprächsführung eines Dritten,
  • der am Konflikt unbeteiligt, in der Sache neutral und unparteilich für alle Konfliktparteien arbeitet,
  • eine einvernehmliche Lösung
  • in der die Interessen und Bedürfnisse aller Seiten berücksichtigt sind, erarbeiten.
  • Mediation ist freiwillig
  • und alle Beteiligten bleiben jederzeit selbstbestimmt in ihren Entscheidungen.
  • Mediation ist im Gegensatz zu einer Gerichtsentscheidung ein informelles Verfahren, in dem es keine entscheidungsbefugte Autorität jenseits der Parteien gibt.

Dieses Kapitel dient weiter der Abgrenzung zu anderen Verfahren (Coaching, Supervision, Schiedsverfahren etc.) und zeigt die Grenzen der Mediation auf.

Das zweite Kapitel widmet sich dem Thema Konflikt („Was macht einen Konflikt aus?“). Hier wird klassisch mit dem Eisbergmodell (Bessemer, 1995) und den Konflikteskalationsstufen (Glasl, 1997) der Begriff Konflikt definiert und illustriert, und dem Mediator bzw. Mediationsinteressierten theoretisches Grundwissen vermittelt.

Im dritten Kapitel „Wie arbeitet ein Mediator?“ wird insbesondere auf die Haltung und das Menschenbild in der Mediation eingegangen, die die Grundlagen für die Methoden der Mediation bilden, von denen sodann einige (Aktives Zuhören, Zusammenfassen, Spiegeln, Reframen, Doppeln, Visualisieren, Fragen/Fragetechniken) kurz dargestellt werden.

Das vierte Kapitel widmet sich den sogenannten Phasen der Mediation („Wie läuft eine Mediation ab?“) als rotem Faden. Die Autorin geht von sechs Phasen aus (dies findet sich in der Literatur unterschiedlich) und benennt diese mit Einführung (Phase 1), Sichtweisen der Konfliktparteien / Konfliktaufriss / Themenklärung (Phase 2), Konflikterhellung und Interessenklärung (Phase 3), Lösungssuche (Phase 4), Verhandlung (Phase 5) und Vereinbarung (Phase 6). Diese werden kurz und prägnant erläutert und auch in einer Tabelle anschaulich mit ihrem jeweiligen Ziel dargestellt.

Der Frage nach den „Einsatzorten“ der Mediation wird im fünften Kapitel („Wo wird Mediation eingesetzt?“) nachgegangen. Von der Familien- und Partnerschaftsmediation über die Sportmediation und Mediation im Gesundheitswesen bis hin zur Wirtschaftsmediation etc. werden die Felder der Mediation samt ihrer jeweiligen Schwierigkeiten knapp erläutert.

Was bringt Mediation in (psycho-)sozialen Arbeitsfeldern?“ ist die Überschrift des sechsten Kapitels. Hierin wird untersucht, ob und wie die Mediation bzw. Elemente des Mediationsverfahrens nutzbringend in (psycho-)soziale Arbeitsfelder integriert werden können. Anhand von drei Beispielen aus der ambulanten Erziehungshilfe, eines kommunalen Jugendzentrums und einer Beratungsstelle mit Teamkonflikten wird dies illustriert.

Im letzten Kapitel wird ein Ausblick gewagt – „Quo vadis, Mediation?“ – der kurz auf die weitere Entwicklung der Mediation in Deutschland eingeht. Hier werden auch neuere Entwicklungen wie die Mediation mit Stellvertretung und die Cooperative Praxis kurz angerissen.

Diskussion

Die Autorin liefert mit dieser Veröffentlichung eine kurze, prägnante Einführung in die Mediation. Dies ist besonders geeignet für Personen, die sich im Bereich der (psycho-)sozialen Handlungsfelder bewegen. Aus diesem Bereich kommen die meisten Beispiele und auch Kapitel 6 widmet sich ausschließlich diesem Thema. Wirtschaftsmediation wird allenfalls angerissen, der Bereich der politischen Mediation höchstens gestreift. Dies ist völlig legitim, hätte jedoch im Titel, spätestens jedoch im Klappentext oder bei der Vorstellung der Autorin deutlich werden sollen.

Das Buch ist gut und logisch aufgebaut, besticht durch ein klares Layout, eine knappe Zusammenfasung jeden Kapitels zu Beginn und zahlreiche Merksätze – optisch gut hervorgehoben – die die Lesbarkeit sehr steigern und angenehm machen. Einige gut ausgewählte Abbildungen und Übersichten komplettieren das Bild. Warum das Inhaltverzeichnis die Unterpunkte der Kapitel nicht mitaufnimmt, bleibt unklar.

Fazit

Leser und Leserinnen, die aus den (psycho-)sozialen Arbeits- und Handlungsfeldern kommen finden mit diesen knapp 100-seitigen Büchlein eine gute, angenehm lesbare erste Einführung in das Thema Mediation. Es werden – wenn auch nur angerissen – nahezu alle zentralen Punkte der Mediation und des Mediationsverfahrens behandelt. Es wird aktuell und kompetent auch kurz auf Entwicklungen in diesem Bereich eingegangen (sei es die Neuerung durch das FamFG oder Entwicklungen in der Mediation selbst). Die Methoden – Kommunikations- und Gesprächsmethoden – werden angerissen, können aber naturgemäß in der Reihe eines Verlages, die klar-knapp-konkret sein soll, nicht erschöpfend behandelt werden. Ein guter Einstieg – aber nicht mehr, und daher auch in einem gerade noch angemessenem Preis-Leistungs-Verhältnis.


Rezensentin
Prof. Dr. Corinna Grühn
Hochschule Bremen, Studiengang Soziale Arbeit
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Zitiervorschlag
Corinna Grühn. Rezension vom 02.03.2010 zu: Anja Köstler: Mediation. UTB (Stuttgart) 2010. ISBN 978-3-8252-3369-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9220.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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