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Ursina Mögerle: Substitution oder Komplementarität?

Rezensiert von Mag. Diana Wieden-Bischof, 28.06.2010

Cover Ursina Mögerle: Substitution oder Komplementarität? ISBN 978-3-86764-174-6

Ursina Mögerle: Substitution oder Komplementarität? Die Nutzung von Online- und Print-Zeitungen im Wandel. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2009. 482 Seiten. ISBN 978-3-86764-174-6. 49,00 EUR. CH: 83,00 sFr.
Reihe: Kommunikationswissenschaft.

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Thema

Das Internet verändert die Nachrichtenlandschaft nachhaltig. Während sich Print-Zeitungen jahrelang in einer Strukturkrise von rückläufigen Abonnentenzahlen, Verlust der jüngeren Leserschaft, sinkenden Auflagenzahlen, Abwanderung der Leserschaft und Reichweitenverluste befanden, hält der Trend zur vermehrten Nutzung des Internets nach wie vor an. Aus diesem Grund haben mittlerweile auch Print-Zeitungen das Potential des Internets mit seinen umfassenden Möglichkeiten, Nutzer anzusprechen, aktiv einzubinden und zu unterstützen erkannt und ihre Online-Auftritte ausgebaut. Viele Online-Angebote von Print-Zeitungen sind zu umfangreichen Nachrichtenportalen mutiert und Nutzer profitieren gegenüber anderen Medien durch die zahlreichen Mehrwerte wie beispielsweise die gezielte Suche oder die ständige Aktualisierung der Inhalte. Welchen Einfluss das Internet nun tatsächlich auf traditionelle Medien wie es die Print-Zeitung ist hat, ist dabei auch aus wissenschaftlicher Perspektive noch umstritten. Umso spannender ist es, dass Ursina Mögerle sich mit einem Thema in ihrer Doktorarbeit auseinandergesetzt hat, bei dem der Forschungsbedarf noch so groß ist und so viele Lücken aufweist. Das Buch entstand während ihrer Zeit als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ).

Aufbau und Inhalt

Ursina Mögerle geht in ihrem Buch der äußerst spannenden Frage nach dem Verdrängungs- bzw. Substitutionspotential von Online-Zeitungen und ihrem Mutterprodukt der Print-Zeitung aus Nutzersicht nach. Um diese Frage beantworten zu können, wird in der Studie eine Panelbefragung von Nutzern durchgeführt.

Zuerst gibt sie jedoch im Einleitungskapitel einen kurzen Überblick über die Fragestellungen und die dahinter stehenden Inhalte und Zusammenhänge des Buches, bevor sie ausführlich im Kapitel 2 die Begrifflichkeiten von Print- und Online-Zeitung abgrenzt, eine Typologisierung der Angebotsformen vornimmt und im Detail auf die angebotsspezifischen Merkmale sowie Vor- und Nachteile von Print- und Online-Zeitungen eingeht und spezifiziert.

Eine Zusammenfassung theoretischer Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen widmet sich dem Konkurrenzverhältnis zwischen alten und neuen Medien im gesamten Kapitel 3. Wird das „neue Medium“ durch bestehende bzw. „alte Medien“ ersetzt, d.h. substituiert oder ergänzt, d.h. komplementiert? Ausführlich und gut verständlich bereitet die Autorin die verschiedenen zusammengetragenen Ansätze auf, fasst diese kritisch zusammen und geht auf eine mögliche Eignung für ihre Arbeit ein. Aufgrund der Forschungsfrage werden im Anschluss der Uses-and-Gratifications-Ansatz sowie die mikroökonomische Nachfragetheorie detailliert beleuchtet. Auch hier kommen die für die Arbeit wichtigen Kritikpunkte an den Theorien nicht zu kurz.

Im Anschluss an die theoretische Aufarbeitung wird im Kapitel 4 auf bisherige Erkenntnisse zum Nutzungsverhältnis und -muster zwischen Online- und Print-Zeitungen eingegangen. Dabei ist u.a. von Interesse, ob die Nutzung der beiden Formate in einem engen Zusammenhang steht, also eher ergänzend oder vielmehr unabhängig voneinander geschieht. Auch die wahrgenommenen angebotsspezifischen Vor- und Nachteile der Nutzung wie beispielsweise Verfügbarkeit, Lesefreundlichkeit, Aktualität werden in diesem Zusammenhang gelistet.

Im Kapitel 5 wird der Forschungsstand zur Konkurrenz zwischen neuen und alten Medien anhand der Differenzierung von drei empirischen Forschungsrichtungen vorgenommen und unterschieden. Die zeitliche Substitution bzw. Komplementarität untersucht und widmet sich dabei der zeitlichen Mediennutzung, die funktionale Substitution bzw. Komplementarität betrifft die funktionale Wahrnehmung bzw. Konkurrenz zwischen den alten und neuen Medien und die Prognose-Substitution bzw. Komplementarität fokussiert das zeitliche sowie funktionale Medienverhältnis.

Aufbauend auf den theoretischen und empirischen Erkenntnissen aus den vorangegangenen Kapiteln wird im Kapitel 6 ein erweitertes funktionales Modell der Substitution und Komplementarität (FMSC) vorgestellt. Hierfür wurden diejenigen Ansätze herangezogen, die zur Beantwortung der Forschungsfrage einen Mehrwert darstellen.

Um die zentrale Forschungsfrage allmählich beantworten zu können, ob Print-Zeitungen zunehmend durch ihre Online-Ausgabe substituiert werden, wird im Kapitel 7 ein Forschungsprogramm entwickelt, welches weitere spezifische Forschungsfragen und Hypothesen formuliert.

Um diese empirisch überprüfen zu können, wurde eine standardisierte zweiphasige Panel-Befragung durchgeführt (Kapitel 8). Das Hauptinteresse der Online-Befragungen lag dabei im Nutzungs- und Rezeptionsverhältnis von Personen die beide Zeitungsformate nutzen, daher sowohl Print-Zeitungen als auch Online-Ausgaben verwenden bzw. lesen. Personen die im 1. Quartal 2006 bei der Befragung teilnahmen, wurden ein Jahr später über eine E-Mailanfrage erneut eingeladen an der Umfrage teilzunehmen. In Kapitel 8 geht die Autorin detailliert auf die Zusammensetzung des Fragebogens ein und beschreibt und deutet die Ergebnisse der Stichprobe.

Kapitel 9 stellt die Ergebnisse der aufeinander aufbauenden Analyseschritte vor, die in Form von Forschungsfragen und Hypothesen im Kapitel 7 entwickelt wurden und nun in diesem Abschnitt empirisch überprüft werden.

Das Abschlusskapitel 10 fasst noch einmal die gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse und Ergebnisse der Studie und der Untersuchung genau zusammen und gibt Anhaltspunkte und Lösungsvorschläge für weiterführende Diskussionen.

Fazit

Diese hoch spannende Lektüre ist theoretisch gut aufbereitet und empirisch untermauert. Mit den umfassend beschriebenen interdisziplinären theoretischen Modellen und der durchgeführten zweistufigen Panelstudie bietet dieses Buch sowohl in theoretischer als auch empirischer Hinsicht eine Bereicherung zur Medienkonkurrenzforschung, zumal dieses Feld der Print- und Online-Zeitungen bisher noch nicht umfassend behandelt wurde, wie es hier geschehen ist. Das empfehlenswerte Buch bietet eine fachliche Vertiefung der Thematik sowie interessante weitere Hinweise zur Entwicklung des Zeitungsmarkts.

Rezension von
Mag. Diana Wieden-Bischof
Kommunikationswissenschaftlerin und wissenschaftliche Projektmitarbeiterin. Tätigkeit im Bereich Innovationsforschung, Wissenschaft und Bildung
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Es gibt 17 Rezensionen von Diana Wieden-Bischof.

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Zitiervorschlag
Diana Wieden-Bischof. Rezension vom 28.06.2010 zu: Ursina Mögerle: Substitution oder Komplementarität? Die Nutzung von Online- und Print-Zeitungen im Wandel. UVK Verlagsgesellschaft mbH (Konstanz) 2009. ISBN 978-3-86764-174-6. Reihe: Kommunikationswissenschaft. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9261.php, Datum des Zugriffs 31.01.2023.


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