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Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.): Nord-Süd-Beziehungen im Umbruch

Cover Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.): Nord-Süd-Beziehungen im Umbruch. Neue Perspektiven auf Staat und Demokratie in der Weltpolitik. Campus Verlag (Frankfurt) 2009. 336 Seiten. ISBN 978-3-593-39016-1. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 56,90 sFr.
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Thema

Ohne Zweifel hat sich die politische Szenerie zwischen den bisher sogenannten Industrie- und Entwicklungsländern in einem Maße verändert, wie es noch vor einem Jahrzehnt kaum vorstellbar war. Veranstaltungen wie die UN-Biodiversitätskonferenz 2008 in Bonn oder der Klimagipfel in Kopenhagen 2009 zeigen deutlich, dass zur Lösung globaler Probleme eine Reflexion der Nord-Süd-Beziehungen dringend erforderlich ist. Sie zeigen auch, dass innerhalb der OECD-Welt noch zu wenig bekannt ist, wie sich politische Prozesse aus der Perspektive der Außenwelt heraus darstellen. Westliches Denken und entsprechende Erfahrungen werden dort nur teilweise akzeptiert, Interessen naturgemäß anders gewichtet. Das hier vorliegende Buch hat den Anspruch, die damit angedeutete Lücke zu schließen und leistet einen aktuellen Beitrag zur Weiterentwicklung von Entwicklungspolitik und Entwicklungstheorie.

Aufbau und Inhalt

Der Herausgeber, Leiter des Fachgebietes „Internationale und intergesellschaftliche Beziehungen“ an der Universität Kassel, eröffnet zunächst neue Perspektiven auf Staat und Demokratie in den Nord-Süd-Beziehungen. Er weckt deutlich ambitionierte Erwartungen, indem er in dem Band nicht nur den Forschungstand zusammengefasst sieht, sondern mit ihm auch die Debatten zu den Nord-Süd-Beziehungen vorantreiben will.

Entsprechend groß ist der Bogen, den die in zwei Teilen dargebotenen zehn Beiträge schlagen. Diese thematisieren unter den Perspektiven „Staat und Demokratie“ und „Weltpolitik“ Kategorien, Ansätze und Methoden, die ein den neuen Gegebenheiten der Weltpolitik angemessenes Verständnis von Staat und Demokratie ermöglichen sollen. Gleich mehrere Beiträge gehen dabei von der Governance-Theorie aus. So überlegen Brozus und Risse, unter Zugrundelegung eines modifizierten Governance-Konzeptes, wie im Rahmen nur wenig entwickelter Staatlichkeit Staatsaufgaben erfüllt werden können. Lendvai und Stubbs diskutieren Voraussetzungen und Grenzen von Governance in transnationalen Räumen am Beispiel einer global ausgerichteten Sozialpolitik. Mayntz nimmt den Faden der Nachhaltigkeitspolitik auf und widmet sich damit einem Feld, das durchaus als Extrembeispiel für ein Bündel von Zielen zu sehen ist, die nur durch einen langfristig angelegten, höchst komplexen Politikansatz zu erreichen sind. Dietz schließt hier an und befasst sich mit der komplexen Beziehungsstruktur innerhalb der weltweiten Klimadebatte und ihrer Akteure. Es zeigt sich hier durchaus auch die Gefahr, dass Governance Hierarchien in den Beziehungen zwischen der Nord- und der Südhemisphäre eher verstärkt, als abbaut.

Mit anderen wichtigen Aspekten „peripherer Staatlichkeit“ setzen sich weitere Aufsätze auseinander, etwa der von Burchardt der Fragen von Demokratie und Herrschaft außerhalb der OECD diskutiert oder der von Jessop, der sich mit dem strategisch-relationalem Ansatz der Staatstheorie beschäftigt. Wichtige neue Einsichten liefern auch Gerstenberger, die die Situation subsaharischer Failing States betrachtet, Koch und Rehbeim, die soziale Strukturen im globalen Kontext aus verschiedenen Perspektiven diskutieren und Wolff, der sich mit der externen Förderung von Demokratie und Good Governance auseinandersetzt.

Fazit

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Band seinen selbstgesetzten Ansprüchen gerecht wird, indem zu den neuen Konstellationen von Demokratie und Herrschaft in Ländern außerhalb der OECD durchweg substantiell neue Beiträge geliefert werden. Dass diese je spezifisch unterschiedlich ausfallen liegt in der Natur eines Bandes, der Kontroversen nicht ausklammert.


Rezensent
Prof. Dr. Bernd Overwien


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Zitiervorschlag
Bernd Overwien. Rezension vom 11.05.2010 zu: Hans-Jürgen Burchardt (Hrsg.): Nord-Süd-Beziehungen im Umbruch. Neue Perspektiven auf Staat und Demokratie in der Weltpolitik. Campus Verlag (Frankfurt) 2009. ISBN 978-3-593-39016-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9264.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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