Arthur Brühlmeier (Hrsg.): Menschen bilden
Rezensiert von Dr. phil. Leonhard Jost, 06.04.2010
Arthur Brühlmeier (Hrsg.): Menschen bilden. 27 Mosaiksteine. Baden-Verlag (Baden) 2007. 231 Seiten. ISBN 978-3-85545-147-0. CH: 29,00 sFr.
Autor
Arthur Brühlmeier
(*1934) ist heute einer der besten Kenner Pestalozzis;
er hat 1977/79 eine Studienausgabe mit Werken Pestalozzis
ediert und kommentiert, einige seiner Schriften sind in fremde
Sprachen übersetzt worden, so 1994/96 eine zweibändige
Auswahl von Pestalozzzi-Texten für die Volksrepublik China.
(Vgl. seine Homepage)
Brühlmeier kennt die
helvetische Schulwirklichkeit: Nach dem Lehrer-Seminar in Wettingen
führte er 17 Jahre eine achtklassige Gesamtschule in einem
kleinen Bauerndorf im aargauischen Freiamt; dann folgte ein
intensives Studium in Pädagogik und Psychologie an der
Universität Zürich (Dissertation über “Wandlungen
im Denken Pestalozzis"); anschliessend unterrichtete er rund 20
Jahre am Lehrerseminar St. Michael in Zug Pädagogik, Psychologie
und Didaktik; im Kanton Aargau hat er mehrere
Erziehungsberatungsstellen sowie für rund 50 Gemeinden den
Schulpsychologischen Dienst aufgebaut und während 18 Jahren
geleitet.
Pestalozzi im 21. Jahrhundert? - Ein notwendiges Buch
„Der Mensch in
seinem Wesen – was ist er?“- dies fragte vor 230
Jahren Johann Heinrich Pestalozzi in der „Abendstunde
eines Einsiedlers“; vor ihm und nach ihm haben sich Eltern und
Lehrkräfte immer wieder dieser Frage gestellt. Alle haben ihre
Erfahrungen, haben Einsichten gewonnen, auch Antworten und Lösungen
gefunden und versucht, sie in der Praxis umzusetzen.
Wer
Orientierung und Klärung sucht, findet in Arthur Brühlmeiers
Buch „Menschen bilden“
Antworten und Impulse „zur
Gestaltung des Bildungswesens nach den Grundsätzen von Johann
Heinrich Pestalozzi“.
Pestalozzi
und kein Ende? Ist dieser Pädagoge und Sozialreformer,
Verfechter eines "ganzheitlichen" Menschenbildes, noch
„zeitgemäss“? Durchaus, aber er muss uns in
heutiger Sprache an-sprechen!
In dem graphisch aufwendig
gestalteten Buch wird Pestalozzi jeweils nur zu Beginn jeder
Einheit mit einer dem Thema entsprechenden Kernaussage (gekürzt,
in moderner Schriftweise) zitiert; die originale Leistung des
Verfassers ist seine auf 27 „Mosaiksteine“ verteilte
Darstellung, wie erzieherische Grundanliegen Pestalozzis in die
heutige pädagogische Wirklichkeit umgesetzt werden können.
Dabei geht es nicht um Rezepte, sondern um Impulse, um Begeisterung,
um beispielhaftes Erfassen der Qualitäten des pädagogischen
Einsatzes. Zur Sprache kommen u. a.
- die Idee der harmonischen Bildung und kind-gemässen Entfaltung der Kräfte von „Kopf/Herz/Hand“,
- das Prinzip der Anschauung und der Naturgemässheit,
- die Bedeutung der Sprachbildung,
- die modernen didaktischen Probleme wie Stoffdruck,
- das Üben¸
- Gehorsam,
- Autorität,
- Gefahren der exzessiven Nutzung elektronischer Apparate,
- Rolle und Bedeutung des Lehrers.
Fazit
Diese biographisch außergewöhnlich intensive Verbindung von Praxis und Theorie macht Brühlmeiers klar formulierte Aussagen glaubwürdig. Sein Werk „Menschen bilden“ist mit „Kopf, Herz und Hand“ geschrieben, ohne hochtrabende Fachausdrücke; es ist ein engagierter Weckruf, im Geiste Pestalozzis, aber in heutige Sprache gefasst; es zeigt überzeugend Ideen und Wege einer zeitgemässen ganzheitlichen Bildung.
Rezension von
Dr. phil. Leonhard Jost
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