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Filip Caby, Andrea Caby: Die kleine psychotherapeutische Schatzkiste

Rezensiert von Vicki Richter, 18.11.2010

Cover Filip Caby, Andrea Caby: Die kleine psychotherapeutische Schatzkiste ISBN 978-3-938187-47-0

Filip Caby, Andrea Caby: Die kleine psychotherapeutische Schatzkiste. Tipps und Tricks für kleine und große Probleme vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2009. 173 Seiten. ISBN 978-3-938187-47-0. 19,95 EUR. CH: 32,30 sFr.

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Thema

Hier handelt es sich um ein Praxishandbuch für die psychotherapeutische Arbeit in der Praxis, Beratung, Klinik und Jugendhilfe auf Basis des systemisch-lösungs- und ressourcenorientierten Ansatzes.

Autoren

Dr. Philip Caby, Facharzt für Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, ist seit 1994 Chefarzt der Abteilung für Kinder und Jugendpsychiatrie am Marienkrankenhaus Papenburg-Aschendorf. Er hat eine Ausbildung in systemische Familien- sowie analytischer Gruppentherapie und ist Lehrtherapeut und Supervisor. Er ist außerdem Vorsitzender des Arbeitskreises Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Dr. Andrea Caby ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als Fachärztin arbeitet sie in eigener Praxis sowie im Jugendärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes. Verschiedene berufsbegleitende psychotherapeutische Ausbildungen, unter anderem in kreativer Kindertherapie sowie psychiatrische Weiterbildung mit den Schwerpunkten Störungen der frühen Kindheit, Entwicklungsdiagnostik und ADHS. Seit 2007 ist sie Professorin für Sozialpädiatrie.

Entstehungshintergrund

Bei der Beratung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kommt der Therapeut nicht selten in eine Situation, in der es plötzlich nicht weitergeht. Das Gespräch dreht sich im Kreise, die Beteiligten sind stur, beharren auf ihren Aussagen, machen Vorwürfe, lassen sich nicht bewegen. Der Therapeut sucht nach einem Ausweg und gräbt in seiner Erinnerung: irgendwann hatte eine bestimmte Technik oder Frage in einer ähnlichen Situation zum Erfolg geführt. Aber was war es nur? Das Ehepaar Caby hat viele dieser kleinen Tipps und Tricks gesammelt und zusammengefasst, manche altbekannt, manche erfrischend neu und überzeugend. Das Buch will dabei sicher nicht den Wert etablierter Therapieverfahren schmälern und Ausbildung und Lehrbücher ersetzen, aber hier stehen praktische Anregungen und Hilfen in verständlicher und nachvollziehbarer Form zur Verfügung, die im Alltag willkommen sind. Wenn man lernt, im rechten Moment die richtigen Fragen zu stellen, sind viele Situationen besser zu bewältigen und ein therapeutischer Fortschritt zu erreichen.

Aufbau

In diesem Praxishandbuch werden im ersten Teil allgemeine Tipps und Tricks für die Gesprächsführung, spezielle Fragetechniken und ungewöhnliche Lösungen für alltägliche und weniger alltägliche psychische Probleme und/oder Verhaltensauffälligkeiten vermittelt. Im zweiten Teil tragen die Autoren Indikationen für die obigen Interventionen zusammen, so dass therapeutische Entscheidungen sowohl interventionsspezifisch als auch indikationsabhängig getroffen werden können.

Kapitel 1: Allgemeines

(Seite 15 – 33) Das erste Kapitel des Buches enthält neben einer kurzen theoretischen Einführung eine Übersicht über grundsätzliche Fragetechniken und wesentliche Hinweise zur Gesprächsführung. Zum theoretischen Hintergrund werden die Begriffe des systemischen, lösungsorientierten, ressourcenorientierten und konstruktivistischen Denkens erläutert. Anschließend werden verschiedenste Fragetechniken anschaulich erläutert und von zahlreichen Beispielen illustriert. Schließlich gibt es noch einige hilfreiche Anmerkungen für therapeutische Gesprächssituationen bzw. Strategien im Allgemeinen.

Kapitel 2: Die Interventionen

(Seite 35 – 119) Im zweiten, dem umfangreichsten Kapitel folgt die Darstellung allgemeiner sowie spezieller Interventionstechniken. Es werden die einzelnen Interventionen dargestellt und im Hinblick auf ihren Sinn und ihre Anwendbarkeit erläutert. Dabei handelt es sich im Sinne der Autoren um Anregungen und Ideen, die vom Benutzer aufgegriffen und an die Bedürfnisse des jeweiligen Systems adaptiert werden können. Die allgemeinen und speziellen Interventionen werden eingeteilt in Interventionen, die direkt in der Gesprächssituation zur Anwendung kommen, und solche, die sich für den Einsatz zuhause empfehlen.

Die einzelnen Interventionen werden alle nach dem folgenden Schema vorgestellt:

  • die Idee
  • die Methode (praktische Durchführung)
  • besondere Tipps
  • die Indikation
  • die Kontraindikation
  • das geeignete Setting (Familien-, Einzel-, Gruppen- oder Paartherapie).

Kapitel 3: Indikationen – oder: Was hilft wann am besten?

(Seite 121 – 159) Das dritte Kapitel des Buches befasst sich mit den speziellen Indikationen. Es werden häufige Symptome und Krankheitsbilder aufgelistet wie aggressives Verhalten, Angststörungen, Autistisches Verhalten, Bauchschmerzen, Daumenlutschen, Depressionen, Einkoten, Einnässen, Ess- und Fütterstörungen, Geschwisterrivalität, Kopfschmerzen und Migräne, Lügen, Medienkonsum/-sucht, Mutismus, Nägelkauen, Schlafstörungen, Schulprobleme, Selbstwertprobleme, Trauer und Abschied, Zwänge und Ticks.

In diesem Teil des Buches kann man nachschlagen, welche Intervention bei einer bestimmten Symptomatik hilfreich sein kann. Diese Techniken werden dann aufgelistet, zum Teil mit einem kurzen Beispiel bzw. Erläuterung und – besonders hilfreich – mit der Angabe, auf welcher Seite die Technik erklärt wird.

Kapitel 4: Scheinbar aussichtslos oder: Das Meistern besonders kniffliger Situationen

Das vierte Kapitel ist der kürzeste Teil, es geht es um Tipps für das Meistern besonders kniffliger Situationen. Hier haben die Autoren vierzehn schwierige Gesprächssituationen aus dem Alltag zusammengetragen, die jedem Leser in der einen oder anderen Form sicher schon einmal begegnet sein dürften. Zu jeder Situation sind ein paar Anregungen aufgelistet, meist in Form mehreren möglichen Fragen, mit Hilfe derer man das Gespräch trotz einer vermeintlich aussichtslosen Situation wieder in eine gute Richtung bringen kann. Im Anschluss an das dreiseitige Literaturverzeichnis gibt es noch einige freie Seiten für eigene Notizen.

Diskussion

Hier haben die Autoren mit dem handlichen Buch im Din A5-Format mit seinen knapp 170 Seiten und einer praktischen Spiralbindung wahrlich ein Praxishandbuch vorgelegt.

Als erfahrener Therapeut kennt man zwar sicher schon einige der vorgestellten Techniken, hat sie aber womöglich noch nicht aus dem systemisch-lösungsorientierten Blickwinkel betrachtet oder kann sich beispielsweise besonders hilfreiche Techniken für eine bestimmte Indikation heraussuchen. Für Anfänger in der therapeutischen Arbeit bietet das Buch nach einer knappen, aber effizienten Einführung in den systemisch-lösungsorientierten Ansatz viele gut erklärte Handlungsbeispiele um in das lösungsorientierte Arbeiten zu kommen.

Das Buch ist gut lesbar, so dass man auch einmal viele Seiten am Stück lesen kann, wenngleich es sicherlich nicht als „Lesebuch“ konzipiert ist, sondern als Fundgrube systemisch-lösungsorientierter Interventionstechniken, in dem man immer wieder gerne blättert. Auch entsprechen Stil und Aufbau durchweg dem systemisch-lösungs- und ressourcenorientierten Ansatz. Die Aufteilung in die einzelnen Kapitel und die Gliederung derselben machen das Buch übersichtlich, das Layout ist gelungen, so sind beispielsweise in Kapitel 3 die einzelnen Techniken durch Rahmen hervorgehoben. Schließlich ermöglicht das ausführliche Inhaltsverzeichnis – auch ohne Stichwortregister - das rasche Auffinden bestimmter Techniken und Indikationen.

Fazit

In jeder Hinsicht ist dieses Büchlein ein praktischer Helfer im Alltag der psychotherapeutischen Arbeit, das man sicher immer wieder gerne zur Hand nehmen wird. Das einzig negative ist, dass man gerne mehr davon hätte. Wie gut, dass im Sommer 2011 ein zweiter Band erscheinen soll.

Rezension von
Vicki Richter
Oberärztin
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Psychiatrische Klinik Lüneburg gGmbH
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
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Es gibt 6 Rezensionen von Vicki Richter.

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ISSN 2190-9245