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Anke König: Interaktion als didaktisches Prinzip

Cover Anke König: Interaktion als didaktisches Prinzip. Bildungsprozesse bewusst begleiten und gestalten - Fachbuch. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2010. 120 Seiten. ISBN 978-3-427-80025-5. 19,90 EUR.

Ursprünglich veröffentlicht im Bildungsverlag EINS.
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Thema

Dass Kinder im Kindergarten nicht nur gut aufgehoben sein sollen, sondern auch schon eine Menge lernen können, ist weitgehend Konsens. Wie Lernprozesse bei kleinen Kindern unterstützt und angeregt werden können, dazu gibt es viele Wege. Ein wichtiges Element sind Interaktionen zwischen den ErzieherInnen und den Kindern. Wie solche Interaktionen in der Praxis aussehen hat sich Anke König in ihrer hier bereits besprochenen Dissertation (vgl. die Rezension) mit Hilfe von Videoaufzeichnungen untersucht. Dabei ist sie unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass ErzieherInnen zwar in der Regel sehr wertschätzend mit den Kindern umgehen, dass intensive, anregende Interaktionen im Kindergartenalltag aber häufig zu kurz kommen. Für das hier vorliegende Buch hat sie best-practice-Beispiele herausgefiltert um zu zeigen, wie Interaktionen beschaffen sein können, um das Lernen der Kinder anzuregen.

Aufbau und Inhalt

König beginnt ganz grundlegend mit der Frage danach, wie sich junge Kinder bilden. Sie grenzt den Begriff der „Bildung“ von „Erziehung“, „Lernen“ und „Entwicklung“ ab und geht auf die aktuelle Bildungstheorie ein, um dann anhand von Forschungsergebnissen herauszuarbeiten, welche Bedeutung die Interaktion für die Bildung des Kindes hat. Außerdem zeigt sie, welche Rolle Beobachtungen und Dokumentationen als Grundlage für eine gezielte Förderung von Kindern spielen können.

Schließlich wird es konkret und König überlegt, wie Interaktion und Didaktik zueinander stehen und wie sich die Ergebnisse der Interaktionsforschung in der frühkindlichen Bildung umsetzen lassen. Hierbei verwendet sie zahlreiche Beispiele aus ihrem transkribierten Videomaterial. Einzelne Videosequenzen können auch über das Internet mit Hilfe eines im Buch befindlichen Zugangscodes betrachtet werden.

Zuletzt gibt König noch Anregungen über den Einsatz von Videokameras als Reflexionsmittel, für die sie außerdem Auswertungsbögen entwickelt hat.

Diskussion

Mit dem Buch hat sich mein Wunsch aus der Rezension zu Königs Dissertation erfüllt, dass ihre Ergebnisse Eingang in ein Lehrbuch finden. Jetzt ist sogar ein eigenes Buch daraus geworden! Dieses Buch, das nicht ausdrücklich ein Lehrbuch ist, aber einige Kennzeichen aufweise, wie z.B. „Impulse“, wie man sie im Unterricht verwendet, dieses Buch also unterscheidet sich deutlich von anderen Lehrbüchern, die – häufig – von LehrerInnen geschrieben werden. Das hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile überwiegen, aber die Nachteile sollen auch erwähnt werden: Der Schreibstil ist sehr akademisch und durchsetzt mit soziologischen Komplexen wie „sozialkonstruktivistische Perspektive“, die viele LeserInnen möglicherweise die Lust am Lesen verlieren lassen. Die positive Kehrseite des akademischen Stils sind Literaturangaben im Text, wie sie in Lehrbüchern selten verwendet werden, so dass die Studierenden an Fachschulen sich häufig schwer tun solche Gepflogenheiten zu erlernen. Ein weiterer Vorteil ist das lebensechte Material. Bei vielen Lehrbüchern erscheinen die Beispiele sehr konstruiert. Hier sind sie dem Videomaterial entnommen, das König in Kindertagesstätten aufgenommen hat, und haben so einen hohen Wiedererkennungswert für ErzieherInnen. Der Nachteil bei der Auswertung des Materials im Buch ist, dass die Auswertungskategorien zu differenziert sind. Für die Auswertung in der Praxis reichen grobere Raster – sonst bleibt über das Nachgrübeln, ob es sich bei dem Impuls der Erzieherin um eine „Erklärung“, eine „Definition“ oder um einen „komplexen Sachverhalt“ gehandelt hat, wieder keine Zeit für die Kinder.

Der Ansatz an sich ist sehr wertvoll für die Aus- und Fortbildung von ErzieherInnen. Es gelingt Anke König zu zeigen, wie Interaktionen mit kleinen Kindern aussehen müssen, damit sie zum Lernen angeregt werden.

Fazit

Ein Buch das zeigt, wie Interaktionen im Kindergarten aussehen sollten!


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 05.08.2010 zu: Anke König: Interaktion als didaktisches Prinzip. Bildungsprozesse bewusst begleiten und gestalten - Fachbuch. SCHUBI Lernmedien (Braunschweig) 2010. ISBN 978-3-427-80025-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9323.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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