socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Wolfgang Böttcher, Joachim Merchel: Einführung in das Bildungs- und Sozialmanagement

Cover Wolfgang Böttcher, Joachim Merchel: Einführung in das Bildungs- und Sozialmanagement. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2010. 220 Seiten. ISBN 978-3-8252-8435-0. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 33,90 sFr.

Reihe: Einführungstexte Erziehungswissenschaft - 15. UTB L (Large-Format) - 8435.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Böttcher und Merchel legen mit diesem Band eine umfassende Einführung in die Aufgabenstellung und Problembereiche des „Managements von Einrichtungen im Bildungs- und Sozialbereich“ vor. Gleich zu Beginn weisen sie darauf hin, dass eine durch diesen Titel möglicherweise suggerierte Einheitlichkeit des Gegenstandsbereichs dieser beiden Felder nicht unbedingt so zutrifft. Trotz mancher Gemeinsamkeiten unterscheiden sie sich auch hinsichtlich vieler Merkmale wie der finanziellen Sicherung, unterschiedlicher Rechtsverhältnisse, der Zugehörigkeit zum Feld der NPO Organisationen, unterschiedlicher Trägerschaften. Es sind jedoch nicht nur diese Differenzen zwischen dem Bildungs- und Sozialbereich, die ein gemeinsames Verständnis von Managementhandeln erschweren, die je spezifische Heterogenität der beiden Handlungsfelder macht das Ganze noch viel komplexer, „Konglomerate“ im Begriff der Autoren. Man darf also gespannt sein, wie sie diese anspruchsvolle Aufgabe lösen.

Aufbau

Da Buch ist so aufgebaut, dass im 1. Kapitel diese spezifischen Konglomerate im Sozial- und Bildungsbereich beschrieben werden, im 2. Kapitel wird „die Bedeutung des Regierens für das Management“ erläutert, im 3. Kapitel, dem Kern dieses Buches, werden die Handlungsbereiche des Managements nach organisationsbezogener, betriebswirtschaftlicher und fachlicher Steuerung unterschieden und dargestellt sowie Themen des Personalmanagement, des Marketing und der Gestaltung der Beziehungen der Organisationen zu ihrer Umwelt angesprochen. Mit dem abschliessenden 4. Kapitel wird der Frage nachgegangen, ob die Organisationen des Bildungs- und Sozialbereich leisten können, was von ihnen erwartet wird. Ein Glossar mit wichtigen Grundbegriffen für das Management in diesen Feldern schliesst das Buch ab.

Inhalt

Im 1. Kapitel wird einerseits eine Differenzierung nach dem Primärzweck der Organisation eingeführt: Einerseits Organisationen, bei denen die Ziele und Aufgaben den Primärzweck der Organisation bilden und andererseits Soziale Arbeit in Organisationen, die andere Primärzwecke verfolgen, z.B. Betriebssozialarbeit, Schulsozialarbeit. Definitorisch wird festgelegt, dass „Management in der Sozialen Arbeit“ diese erste Variante meint. Als weitere Unterteilung für Organisationen mit dem „Primärzweck Soziale Arbeit“ wird dann eine bekannte Unterscheidung nach den Trägern vorgenommen:

  1. Öffentliche Träger,
  2. Gemeinnützige Träger und
  3. Gewerbliche Träger.

Aus diesen „Heterogenitäten“ des Bereichs Soziale Arbeit wird auf die Komplexität des Managementhandelns verwiesen.
Im Bildungsbereich sieht es nach Meinung der Autoren nicht homogener aus, im Gegenteil, das Teilsystem Schule erweist sich als viel komplexer als oberflächlich betrachtet. So muss von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Hochschule und der Weiterbildung ein breites Spektrum umfasst werden. Auch hier ist eine Trägervielfalt festzustellen und die normativen Vorgaben und Wertevorstellungen scheinen sehr unterschiedlich zu sein. Ein erstes Fazit wird gezogen: Die Heterogenität zwischen und innerhalb der beiden Bereiche führt dazu, dass im Folgenden „die Schwerpunkte“ auf bestimmte Organisationstypen gelegt werden. Gleichzeitig leiten die Autoren aus dieser Heterogenität ab, dass die Managementprobleme im Sozial- und Bildungsbereich noch bedeutender sind als in Wirtschaftsunternehmen.

Im kurzen 2. Kapitel werden drei analytische Handlungsebenen des Management eingeführt, wobei Management als „planvolles, systematisches, gestaltendes und interessengeleitetes Handeln“ definiert wird. Diese Ebenen werden eher als Thesen formuliert.

  1. Ohne Management wird die Interaktion zwischen der Fachkraft und dem Adressaten vermutlich nicht gelingen.
  2. Wenn im Alltag von Management die Rede ist, denkt man weniger an Interaktion sondern vielmehr an Organisation.
  3. Unternehmen agieren in einem Umfeld, das durch die Politik wesentlich gestaltet wird.

Diese drei Gestaltungsebenen – Interaktion, Organisation, Institution - haben nach den Autoren dementsprechend auch drei Handlungsfelder: Pädagogik, Management, Regierung und lassen sich auch unterschiedlichen Disziplinen zuordnen (Erziehungswissenschaft, Betriebswissenschaft und Organisationssoziologie/Politikwissenschaft). Diese Ebenen sind miteinander verbunden, und um nicht den Eindruck zu erwecken, dass sich Management bloss auf die Organisation und die Interaktion darin bezieht, wird explizit auf die Notwendigkeit der Steuerung im politischen System verwiesen. Deshalb vermutlich auch der der etwas ungewohnte Titel dieses Kapitels : Die Bedeutung des Regierens für das Management von Bildung und Sozialer Arbeit. In diesem Zusammenhang werden auch Probleme bei der Umsetzung der „Neuen Steuerung“ kurz aufgezeigt und es wird darauf verwiesen, dass die beiden wesentliche Merkmale dieses Paradigmenwechsels zur stärkeren Betonung der Ergebnisorientierung aber auch zur Dezentralisierung der Leistungserbringung geführt haben.

Das 3. Kapitel bildet den Kern des Buches. Ausgehend von der Definition, Management „ganz allgemein die Beeinflussung und Gestaltung der Arbeitsabläufe in einer Organisation unter der Bedingung kostbarer und begrenzter Ressourcen und mit Blick und Bezug auf das Umfeld einer Organisation(S.37) zu verstehen“ wird vorgeschlagen, dieses so verstandene Management in folgende Handlungsbereiche aufzugliedern:

  • organisationsbezogene Steuerung
  • betriebswirtschaftliche Steuerung
  • fachliche Steuerung
  • personen- und gruppenbezogene Steuerung
  • Reflexion und Gestaltung der Beziehungen der Organisation zu ihrer Umwelt.

Da der Begriff Steuerung hier immer wieder verwendet wird, wird er auch erläutert: Da es ich bei Organisationen um soziale Systeme handelt, lassen sich Interventionen nicht technisch kalkulieren. Mit Steuerung soll dementsprechend ein „Managementhandeln angesprochen sein, bei dem Personen versuchen, aus der Beobachtung von Vorgängen in einer Organisation und deren Umfeld auf eine reflektierte und systematische Weise Gestaltungs- und Veränderungsimpulse in die Organisation hineinzutragen, die Auswirkungen dieser Impulse zu beobachten und zu reflektieren und aus dieser Reflexion neue Impulse zu setzen“. Mit diesem reflexiven Verständnis von Steuerung sollen die einzelnen Aufgaben angegangen werden.
Die Behandlung der Themen zu den einzelnen Handlungsbereichen hat den Charakter eines Lehrbuches. Sehr umfassend und systematisch werden die einzelnen Themen behandelt und mit Konzepten und Modellen verschiedener Autoren angereichert. Als Beispiel seien die Themen der organisationsbezogenen Steuerung erwähnt: Organisationstheorien, Organisationsgestaltung, Leitung, Zentrale und dezentrale Organisationsformen, OE und lernende Organisation, Change, Projektmanagement. Dazwischen werden sehr passende Beispiele aus dem Bildungs- und Sozialbereich eingestreut, wie zum Beispiel die Schwierigkeit der Zielformulierung oder die oben bereits erwähnte Dezentralisierung. In weiteren Unterkapiteln werden dann Themen der Personalrekrutierung und der Personalentwicklung behandelt, wobei hier fast wie in einem Handbuch für HR Fachleute sehr detailliert einzelne Aufgaben und Abläufe beschrieben werden, was über eine Einführung in Management hinaus geht. Wichtig für diesen Managementbereich hingegen ist das Kapitel über die Gestaltung der Beziehungen der Organisationen zu ihrer Umwelt – ein Thema, das in vielen Managementbüchern, auch des Sozialbereichs oft zu kurz kommt. Die spezifischen Probleme im erweiterten fachlichen Kontext der Versorgungssysteme und der Politik und der Umgang mit den verschiedenen Anspruchsgruppen wird hier auf 9 Seiten behandelt und erscheint - im Vergleich zur oben erwähnten Personalentwicklung mit fast 30 Seiten -, eher etwas knapp, gerade auch weil dieses Thema, wie in Kapitel 1 erwähnt, eine zentrale Handlungsebene sein soll. Im letzten Unterkapitel werden dann noch die Spannungsfelder im Sozial und Bildungsmarketing aufgezeigt.

Im abschliessenden 4. Kapitel geht es um die Frage, ob die Organisationen das leisten können, was von ihnen erwartet wird, bzw. um das Spannungsfeld zwischen Organisation und Profession, das die Autoren als eine „problematische Beziehung“ bezeichnen. Leider werden diese wichtigen Fragen, einerseits nur sehr knapp behandelt und andererseits wird weitgehend nur auf den Bildungsbereich Bezug genommen. Das zeigt sich zum Beispiel am Konzept der lernenden Organisation, auf das referenziert wird aber in dieser Kürze eher etwas Verwirrung stiftet.

Fazit

Es ist verdienstvoll, dass sich die Autoren bemühen, das Managementhandeln im Sozial- und Bildungsbereich zu systematisieren und zu beschreiben, im Bewusstsein, dass es sich dabei um ein anspruchsvolles Ziel handelt angesichts der erwähnten Komplexität dieser Arbeitsfelder. Herausgekommen ist eine Art Lehrbuch, das systematisch viele Ebenen dieses Handelns erfasst, mit einzelnen Beispielen illustriert, konkretisiert und umsetzbar macht. Man würde sich noch mehr und konsequenter Praxisbeispiele aus dem Bildungs- und Sozialbereich wünschen um dadurch das „Typische“ dieses Feldes zu illustrieren. Das Buch ist für die Aus- und Weiterbildung zum Management im Sozial- und Bildungsbereich zu empfehlen.
Etwas vermisst wird auf einer Metaebene die Modellierung und Konzeptualisierung von Management im Sozial- und Bildungsbereich - hier haben denn auch die Autoren, mindestens was den Sozialbereich betrifft, wenig Bezug genommen zu bestehenden Modellen, wie sie in der Sozialen Arbeit unter dem Thema Sozialmanagement und Sozialwirtschaft entwickelt wurden (so findet man denn auch keinerlei Bezüge zu den entsprechenden Autoren). Schade, dass hier eine Gelegenheit für einen konstruktiven Diskurs auf dieser Ebene verpasst wurde.


Rezension von
Prof. Dr. Herbert Bürgisser
Prorektor an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und Leiter des Bereichs Weiterbildung, Dienstleistungen sowie Forschung & Entwicklung. Thematische Schwerpunkt: Sozialmanagement.
Homepage www.hslu.ch
E-Mail Mailformular


Alle 2 Rezensionen von Herbert Bürgisser anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Herbert Bürgisser. Rezension vom 01.06.2011 zu: Wolfgang Böttcher, Joachim Merchel: Einführung in das Bildungs- und Sozialmanagement. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2010. ISBN 978-3-8252-8435-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9414.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung