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Thomas Meyer: Soziale Demokratie

Rezensiert von Andreas Ploog, 23.09.2010

Cover Thomas Meyer: Soziale Demokratie ISBN 978-3-531-16814-2

Thomas Meyer: Soziale Demokratie. Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. 308 Seiten. ISBN 978-3-531-16814-2. 24,90 EUR.
Reihe: Lehrbuch
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Thema

Wie können Menschen zusammen leben und Gesellschaft gestalten? Eine der zentralen Fragen menschlichen Daseins bildet den Mittelpunkt des vorliegenden Werkes. Praxisnah und theoretisch fundiert bietet das vorliegende Lehrbuch einen guten Einstieg in diese komplexe Thematik. Gleichzeitig ist es eine Alternative zu neoliberalen Politikentwürfen und Versuchen.

Autor

Der Autor ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft der Universität Dortmund. Er ist Mitglied der SPD und bringt sich aktiv in der Grundsatzkommission der Partei ein. Er ist u.a. Mitherausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte.

Aufbau und Inhalt

Das politikwissenschaftliche Lehrbuch gliedert sich in sechs Kapitel, nebst Einleitung und ausführlichem Literaturverzeichnis.

In der Einleitung wird zunächst der Theorierahmen abgesteckt. Die komplexen Zusammenhänge zwischen demokratischer Legitimation, Stabilität und Qualität moderner Demokratien werden im vorliegenden Band dargestellt, erörtert und diskutiert. Aus dieser Diskussion heraus sollen schon bestehende Handlungsstrategien verstanden werden und neue Ideen für zukünftige Politiken herausgearbeitet werden. Es sollen Antworten präsentiert werden auf die Kernfrage „welche Institutionen, Foren, Politiken, Beteiligungschancen und Rechte muss eine Demokratie ausbilden, die die universellen Grundrechte aller ihrer Bürgerinnen und Bürger gegen alle strukturellen Risiken der modernen Ökonomie und Gesellschaft in einem angemessenen Maß zu sichern vermögen.“.

Den Leser erwartet eine Darstellung der Demokratie aus Sicht kapitalistisch verfasster Demokratien und zeigt sodann die Handlungsmöglichkeiten und Handlungsforderungen auf. Die folgenden sechs Kapitel widmen sich aus unterschiedlicher Perspektive dem Thema (soziale) Demokratie.

Zunächst liefert der Autor im ersten Teil eine Analyse aus Perspektive der politischen Philosophie. Beginnend mit John Locke und der liberalen Dilemmata gelangt Meyer über Isaiah Berlin zu dem britischen Philosophen John Gray.

Im zweiten Kapitel folgt eine Verortung aus Sicht der politischen Theorie. Hervorzuheben ist hier die Unterscheidung und Darstellung der sechs Grundmodelle der gesellschaftlichen Demokratisierung. (S. 104 ff.)

Im Kapitel drei werden die ökonomische Perspektive und die Auswirkungen der sogenannten Globalisierung, der aufgrund der herausragenden Bedeutung mit Teil vier ein eigenes Kapitel gewidmet ist, dargestellt und analysiert. Insbesondere der zunehmende Druck durch die immer weiter fortschreitende Flexibilisierung der Finanzmärkte bildet einen Schwerpunkt der Analyse.

Im fünften Kapitel bilden kulturspezifische Besonderheiten den Mittelpunkt mit einer gut strukturierten Darstellung der politischen Akteure sozialer Demokratie sowie einer Strukturanalyse von 23 Ländern. Neben den europäischen Staaten sind Japan, Neuseeland, Australien und die USA berücksichtigt.

Im letzten Kapitel wird die soziale Demokratie in der Praxis analysiert und in einem Ranking, dem sozialen Demokratie-Index, eingeordnet. Am Ende kommt Meyer zu dem Schluss, dass das Modell der sozialen Demokratie eine aus den universellen Grundrechten resultierende Verpflichtung ist und gleichzeitig eine Bedingung stabiler demokratischer Strukturen. „Soziale Demokratie erweist sich als Schlüsselbedingung gleichermaßen für demokratische Legitimität und Stabilität.“ (S. 294) Soziale Demokratie ist mithin für viele Menschen bereits erlebbar geworden und somit nicht nur ein theoretisches Konstrukt, sondern vielmehr – wenn auch mit Anstrengungen verbunden – ein realisierbares Modell.

Zielgruppe

Wie für ein Lehrbuch üblich wendet sich dieses Werk in erster Linie an Studierende. Dem Buch wäre es darüber hinaus zu wünschen, dass es auch Leser in der praktischen Politik findet.

Fazit

Meyers Lehrbuch ist für jeden, der sich einen Überblick über die Theorie und Praxis der Sozialen Demokratie verschaffen will ein gutes, fundiertes und übersichtliches Lehrbuch. Es wird schnell klar, dass die neoliberalen Politikentwürfe nicht die einzigen sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass soziale Demokratie kein Selbstgänger ist, sondern vielmehr einer gelebten Praxis bedarf. Das Buch ist jedoch nicht immer leicht und verständlich geschrieben, für den interessierten Studierenden jedoch fallen wertvolle Daten ab und ein aktuelles Literaturverzeichnis, das ein vertiefendes Studium ermöglicht.

Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Es gibt 29 Rezensionen von Andreas Ploog.

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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 23.09.2010 zu: Thomas Meyer: Soziale Demokratie. Eine Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2009. ISBN 978-3-531-16814-2. Reihe: Lehrbuch. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9468.php, Datum des Zugriffs 18.08.2022.


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