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Harald Hampel, Frank Padberg u.a. (Hrsg.): Alzheimer-Demenz [...]

Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 21.10.2003

Cover Harald Hampel, Frank Padberg u.a. (Hrsg.): Alzheimer-Demenz [...] ISBN 978-3-8047-1928-6

Harald Hampel, Frank Padberg, Hans-Jürgen Möller (Hrsg.): Alzheimer-Demenz: klinische Verläufe, diagnostische Möglichkeiten, moderne Therapiestrategien. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Stuttgart) 2003. 500 Seiten. ISBN 978-3-8047-1928-6. 39,00 EUR.

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Zur Thematik und Vorgeschichte des Buches

Die Alzheimer-Demenz erlangt in einer alternden Gesellschaft eine immer größer werdende Bedeutung. Mittlerweile sind allein in Deutschland ca. 1 Millionen Menschen, meist Höchstbetagte, an diesem Leiden erkrankt. Die Alzheimer-Demenz (AD) entwickelt sich in diesem demografischen Prozess zusehends zum Synonym für das vierte Lebensalter, die Phase der Gebrechlichkeit, Hilflosigkeit und völligen Abhängigkeit.

Da diese Erkrankung mit immensen Kosten verbunden ist, die Jahr für Jahr bedingt durch die fortschreitende gesellschaftliche Alterung weiter anwachsen werden, sind bereits vielfältige Anstrengungen in verschiedenen Bereichen der Forschung unternommen worden, diesem chronischen Altersleiden Herr zu werden.

Die vorliegende Veröffentlichung kann als ein Dokument dieser Bemühungen aufgefasst werden, diese Demenzform zu erkennen und zu verstehen und darauf aufbauend, entsprechende Formen der Behandlung zu entwickeln.

Autoren

Die Autoren sind überwiegend Ärzte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Ohne Nennung des Dienstranges und des akademischen Grades haben an diesem Lehrbuch mitgearbeitet: Katharina Bürger, Rolf Engel, Frank Faltraco, Thomas Fuchsberger, Harald Hampel, Ulrich Hegerl, Hanns Hippius, Thomas Malzer, Hans-Jürgen Möller, Gabriele Neundörfer, Frank Padberg, Oliver Pogarell, Jens Pruessner, Susanne Stübner, Stefan Teipel und Jenny Wagner.

Aus anderen Kliniken und Einrichtungen sind folgende Ärzte und Psychologen als Autoren zu nennen: Stefanie Auer, Benjamin Bereznai, Horst Bickel, Thomas Boetsch, Thorsten Ehrhardt, Martin Haupt, Gerd Juckel, Andre Karger, Hans-Ulrich Kötter, Manuela Neumann, Anita Plattner, Wolfgang Satzger, Jens Wiltfang und Jürgen Unger.

Zielgruppe

Das vorliegende Lehrbuch wendet sich vorrangig an Neurologen, Geriater und Psychiater, aber auch an andere Fachärzte, die Patienten mit kognitiven Störungen und Demenzen behandeln. Auch Psychologen und Sozialarbeitern, die in der Betreuung und Behandlung Demenzkranker und ihrer Angehörigen involviert sind, sollen nach Aussage der Herausgeber Nutzen aus einigen Kapiteln für ihre Arbeit ziehen können.

Inhalt

Das Buch besteht aus 22 abgeschlossenen Beiträgen, die in 11 Kapiteln gegliedert sind.

Die ersten beiden Kapitel befassen sich mit dem historischen Hintergrund der Erkrankung: Das Leben und die Leistungen von Alois Alzheimer und der Bedeutungswandel des Begriffes Alzheimer-Demenz in der Psychiatrie der letzten Jahrzehnte.

Kapitel 3 befasst sich mit der Epidemiologie der AD: u. a. Prävalenz, Inzidenz, Prognose und die verschiedenen Risikofaktoren. Der herausragende Hauptrisikofaktor besteht im Lebensalter, die AD ist somit eine klassische Alterskrankheit. Sind von den 65jährigen und älteren in Deutschland ca. 1 Millionen demenzkrank, so sind es bei den Altersgruppen bis zum Alter 65 Jahre nur ca. 10.000 Personen, die an der präsenilen Form der AD leiden.

Kapitel 4 hat die Ätiologie und Pathogenese zum Inhalt: Genetik und Histopathologie, Veränderungen der neuralen Funktionen, Hypothesen zur Pathogenese der AD und Perspektiven der Forschung. Obwohl die Forschung bereits viele Zusammenhänge im Bereich der Neurobiologie erklären kann, sind die grundlegenden Krankheitsursachen bisher noch nicht ermittelt worden. So ist z. B. die Frage, ob es sich bei der AD um ein multifaktoriell bedingtes Syndrom oder eine homogene Erkrankung handelt, noch nicht eindeutig geklärt worden. Auch der Mechanismus des Zellunterganges konnte ebenfalls bisher noch nicht gefunden werden.

Kapitel 5 befasst sich mit dem klinischen Bild, Verlauf und Prognose der AD: die Krankheitssymptome im kognitiven und nicht-kognitiven Bereich, die verschiedenen Stadien der AD in Anlehnung an Reisberg und zwei ausführliche Fallbeispiele stehen hierbei im Mittelpunkt.

Im 6. Kapitel wird die Diagnose der AD in sieben abgeschlossenen Beiträgen dargestellt: Operationalisierte Demenzdiagnostik (u. a. ICD-10 und DSM-IV), die einzelnen Diagnose-Schritte bei der AD, psychometrische Untersuchungen (u. a. Screeningverfahren wie der Mini-Mental-State und spezifische Testbatterien), Erfassung von Verhaltensstörungen (Erläuterung verschiedener Erfassungsskalen für die Ermittlung der Verhaltensstörungen), labortechnische Untersuchungen, neurophysiologische Diagnostik (u. a. EEG) und bildgebende Verfahren (u. a. CT, PET, MRT).

Kapitel 7 enthält drei Beiträge zur Differenzialdiagnose mit Fallbeispielen: Neurodegenerative Demenzen, vaskuläre Demenz und Demenz und Depression.

In diesen Beiträgen werden verschiedene Demenzerkrankungen (neurodegenerative Demenzen wie u. a. Demenz mit Lewy-Körperchen, Demenz bei Parkinson Krankheit und Pick-Komplex / frontotemporale Lobärdegeneration, vaskulären Demenzformen wie u. a. Morbus Binswanger und Multiinfarkt-Demenz) mit zahlreichen Abbildungen und Kasuistik und eingehend die Probleme der diagnostischen Abgrenzung der Demenz von der Depression dargestellt.

Kapitel 8 befasst sich in fünf Beiträgen mit den verschiedenen Formen der Therapie:

Grundlagen und Entwicklung der Demenztherapie, Pharmakotherapie I: Behandlung mit Anitdementiva, Pharmakotherapie II: Behandlung nicht-kognitiver Symptome, nicht-pharmakologische Interventionen und Psychotherapie und Aktivitätenaufbau.

Es wird u. a. anhand verschiedener Pharmaka der Fortschritt in der medikamentösen Behandlung aufgezeigt, der aber bei der AD im Vergleich zu anderen Krankheiten noch äußerst bescheiden ausfällt.

Kapitel 9 beinhaltet die Angehörigen- und Sozialbetreuung bei AD-Patienten: Belastungen pflegender Angehöriger und edukative und psychotherapeutische Interventionsformen werden vorgestellt. Es wird u. a. aufgezeigt, dass durch eine eingehende Schulung der Angehörigen hinsichtlich der Erkrankung, des Umganges mit den AD-Patienten und auch hinsichtlich der verschiedenen Formen der Stressbewältigung sichtbare Effekte erzielt werden können, die deutlich zu Stabilisierung der häuslichen Pflegesituation beitragen.

Im Kapitel 10 werden die Perspektiven für Frühdiagnose, Verlaufs- und Therapiebeobachtung in zwei Beiträgen vorgestellt: Entwicklung von Positivkriterien zur Diagnose der AD mittels bildgebender Verfahren und biologischer Marker und bildgebende Verfahren bei der Frühdiagnose und der Verlaufs- und Therapieevaluation. Es wird gezeigt, dass es bereits eine Reihe von Markern für die Frühdiagnose der AD gibt, die teils schon recht spezifisch auf diese Erkrankung hindeuten: u. a. die Hippokampusatrophie in CT, kortikaler Hypometabolismus und erhöhtes phosphoryliertes Tau-Protein im Nervenwasser.

Das abschließende Kapitel 11 enthält auf wenigen Seiten praktische Hinweise - weiterführende Informationen, Patientenratgeber und Adressen.

Kritische Würdigung und Fazit

Das vorliegende Lehrbuch erfüllt nach Auffassung des Rezensenten alle Kriterien eines ausgewogenen wissenschaftlichen Werkes: es enthält den Stand der Forschung, zeigt die noch nicht erforschten Themenbereiche und bisher ungeklärten Fragestellungen auf, weist auf die noch vorrangig zu bearbeitenden Themen in den verschiedenen Bereichen der Forschung (Grundlagenforschung, Pharmakotherapie und Frühdiagnose) hin und gibt wertvolle Hinweise für die klinische Praxis (Kasuistik, Differenzialdiagnosen u. a.). Kritisch anzumerken gilt nur, dass die nicht-medizinischen Themenbereiche wie nicht-pharmakologische Interventionen, Psychotherapie - Aktivitätenaufbau und Angehörigen- und Sozialbetreuung weder qualitativ noch quantitativ das Niveau der anderen Beiträge erreichen. Trotzdem kann das Fazit gezogen werden, dass diese Veröffentlichung allen in der Demenz-Behandlung involvierten Ärzten, aber auch Psychologen zur Lektüre empfohlen werden kann.

Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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Es gibt 220 Rezensionen von Sven Lind.

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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 21.10.2003 zu: Harald Hampel, Frank Padberg, Hans-Jürgen Möller (Hrsg.): Alzheimer-Demenz: klinische Verläufe, diagnostische Möglichkeiten, moderne Therapiestrategien. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Stuttgart) 2003. ISBN 978-3-8047-1928-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/948.php, Datum des Zugriffs 03.12.2022.


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