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Mechthild Sternberg: Alter(n) in ländlichen Räumen und demographischer Wandel

Cover Mechthild Sternberg: Alter(n) in ländlichen Räumen und demographischer Wandel. Eine Analyse in vier deutschen Gemeinden. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2010. 454 Seiten. ISBN 978-3-8300-4810-7. 98,00 EUR.

Schriftenreihe Studien zur Demographie und Bevölkerungsentwicklung - Band 3.
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Thema

Die vorliegende Publikation bietet für den Leser einen überaus interessanten Einblick in ein bisher wenig beachtetes Arbeitsgebiet ländlicher Raumforschung- und planung. Sie vermittelt eine zusammenschauende Bündelung interdisziplinärer Perspektivstränge, die für die Vertreter vieler Fachdisziplinen interessant sein können. Für die Regionalentwicklung und die Raumplanung ebenso wie für die Soziale Arbeit, aber auch für Landkreise, Kommunen, Kirche und freie Träger mit ihren Service-Einrichtungen für Menschen in ländlichen Räumen.

Die Handlungsfelder Identifikation, Wohnen, Soziale Netze, Versorgungslage, ländliche Gemeinschaft und soziales Engagement entfalten das Interesse der Autorin. Es geht ihr um Strategien zur Sicherung der Lebenszufriedenheit im Allgemeinen und um Handlungsempfehlungen für Gemeinden in ländlichen Räumen in besonderer Weise.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in folgende Kapitel gegliedert.

1. Problemstellung und Zielsetzung. „Wie leben die älteren Menschen in unterschiedlichen Regionen Deutschlands“ ist kurz und knapp die Zielsetzung der Publikation. Die Untersuchungsgemeinden liegen in vier unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Die Auswahl trägt den Unterschieden ländlicher Räume in Deutschland Rechnung. Zugleich wird das Altern in ländlichen Räumen ganz gezielt in den Kontext der demografischen Entwicklung gestellt.

In Kapitel 2 wird eine ausführliche theoretische Einordnung vorgenommen. Die Ressourcen der Zielgruppe und ihres sozialen Lebensraumes werden dabei ebenso geklärt wie die Begrifflichkeiten dargestellt und abgegrenzt werden, etwa Wohnen, Altern, Ländliche Räume, das Dorf, der demografische Wandel und die Veränderungen sozialer Beziehungen.

Dem folgt in Kapitel 3 die Darstellung der Erhebungsmethode mit der Beschreibung der ausgewählten Untersuchungsorte und in Kapitel 4 Darstellung und Auswertung der empirischen Ergebnisse.

Kapitel 5 ist der Entfaltung der befragten Handlungsfelder Identifikation, Wohnen, Soziale Netze, Versorgungslage, ländliche Gemeinschaft und soziales Engagement gewidmet.

In Kapitel 6 werden Strategien zur Sicherung der Lebenszufriedenheit aufgezeigt und ortsspezifische Handlungsempfehlungen gegeben. Die Wahrnehmung ortsspezifischer Einrichtungen und Initiativen werden beispielhaft für das je vorhandene Entwicklungspotential herangezogen.

In Kapitel 7 formuliert die Autorin schließlich übergeordnete Handlungsempfehlungen für Gemeinden in ländlichen Räumen. Die Autorin verdichtet folgerichtig die Ergebnisse ihrer Untersuchung zur Frage nach der Identifikation mit dem Lebensraum, dem Wohnen älterer Menschen und der Ländlichen Gemeinschaft. Die Verknüpfung eines regionalen Vergleichs mit einer sozialräumlich angelegten empirischen Analyse stellt dabei einen völlig neuen Zugang dar.

Diskussion

Die vorgenommene theoretische Einordnung fordert geradezu eine multiperspektivische Weitung der Betrachtung. Spannend wäre tatsächlich eine interdisziplinäre Weiterbearbeitung beginnend in den untersuchten Kommunen. Dabei ist mir immer wieder ein Begriff in den Sinn gekommen, der eine Zusammenfassung der erhobenen Interessen und Ziele sein könnte. Er ist nicht explizit erwähnt und doch durchzieht er für mich die Fragen, Antworten und die Darstellung der empirischen Erhebung. Es ist der Begriff der Beheimatung. Damit meine ich die Sehnsucht, das Interesse und die Bedürfnisse von Menschen ganz allgemein. Ganz besonders gilt das für Menschen, die sich mit dem Altern wissenschaftlich oder auch mit dem eigenen Altern auseinandersetzen.

Interesse und Neugier stehen für mich am Ende der Lektüre. Wie stellt sich die beschriebene Situation in meinem Heimatort, in meiner Heimatregion dar. Dazu kommt die Frage: Lassen sich die erhobenen Daten und Erkenntnisse auf die unterschiedlichen ländlichen Räume in Deutschland übertragen. Ich bin motiviert, die eigene Gemeinde in den Blick zu nehmen und kann gar nicht anders, als die Fragenbereiche mit den Menschen in meinem Umfeld zu diskutieren.

Fazit

Die Arbeit von Mechthild Sternberg ist für viele Fachdisziplinen interessant. Das Thema ist und bleibt aktuell und es ist wünschenswert, dass die Ergebnisse als Anregung und Grundlage weitere wissenschaftliche Arbeiten nach sich zieht. „Alter(n) in ländlichen Räumen und demographischer Wandel verdient neben einem breiten wissenschaftlichen Diskurs die Wahrnehmung und Umsetzung von „good-practice“ - Beispielen“. Dafür liefert die Arbeit wichtige Anregungen.


Rezensent
Harmut Schneider
Geschäftsführer Familie&Betrieb der Evangelischen Kirche von Kurhesen-Waldeck Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Familie und Betrieb Präsident von Rural Solidarity in Europe – Counselling Network for Family Enterprises
Homepage www.landwirtschaftliche-familienberatung.de
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Zitiervorschlag
Harmut Schneider. Rezension vom 27.09.2010 zu: Mechthild Sternberg: Alter(n) in ländlichen Räumen und demographischer Wandel. Eine Analyse in vier deutschen Gemeinden. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2010. ISBN 978-3-8300-4810-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9537.php, Datum des Zugriffs 10.12.2019.


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