Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.): Messverfahren und Benchmarks in der Weiterbildung
Rezensiert von Dr. Sandra Schaffert, Diplom-Pädagoge Martin Schön, 20.07.2010
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (Hrsg.): Messverfahren und Benchmarks in der Weiterbildung.
W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG
(Bielefeld) 2009.
92 Seiten.
ISBN 978-3-7639-1968-0.
14,90 EUR.
CH: 29,00 sFr.
Reihe: Report - Jg. 32,3.
Thema
„Wie lassen sich Lernergebnisse messen? Was sind Kompetenzen, insbesondere wie lassen sich nonformal und informell erworbene Kompetenzen erfassen? Welchen Einfluss sollen internationale Benchmarks auf die nationale Bildungspolitik haben?“ - Dies sind Fragestellungen, mit denen das Editorial von Prof. Dr. Christiane Schiersmann in dieser Ausgabe des REPORT beginnt. Beim Titel des Schwerpunkts „Messverfahren und Benchmarks“ erwarten wir Lösungsansätze.
Hintergrund
Der REPORT ist die Zeitschrift für Weiterbildungsforschung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (Bonn). Sie erscheint regelmäßig viermal im Jahr.
Aufbau und Inhalt
Zum Schwerpunktthema enthält die Zeitschrift vier Beiträge:
- im ersten Beitrag von Patrick Werquin (OECD) werden die Ergebnisse von OECD-Studien zusammengefasst, die 2009 abgeschlossen wurden und worin das non-formale und informelle Lernen aufgewertet wurde, also solche Lernformen, die selbst gesteuert oder auch beiläufig außerhalb des systematischen Unterrichts in Bildungseinrichtungen vonstatten gehen. Es werden Ergebnisse einer Analyse von 22 Ländern aus 5 Kontinenten in Englisch besprochen. Es wird die Bedeutung von Assessment gegenüber Zeugnissen hervorgehoben und es werden Schwierigkeiten (Kosten, Prüferqualifikation, viele nicht ersichtliche, nicht offenbare Kompetenzbereiche v.a. bei Geringqualifizierten) beschrieben. Werquin weist darauf hin, dass Abschlüsse im formalen System oft nur auf einer Prüfung mit einer kleinen Aufgabenauswahl und der Konstatierung der Kursteilnahme und -dauer beruhen. Werquin sieht zunächst vor allem für die Gruppen einen Bedarf, die aus formalen Bildungssystemen herausfielen.
- Einen einführenden Artikel zur beruflichen Kompetenzerfassung und -entwicklung trägt Alexander Wick (Universität Heidelberg) bei. Er stellt dabei u.a. Definitionen von Kompetenz sowie daraus Konsequenzen für die Messung sowie systematisch Messverfahren vor. Er unterscheidet summative Kompetenzerfassung von einer auf weitere Förderung abzielenden, formativen Konzeption. Er problematisiert, wie die Ergebnisse beeinflusst werden durch den wissenschaftlichen Anspruch, die unterschiedlichen Messzwecke und unterschiedlichen Erhebungsmethoden, die jedoch konkurrieren mit den Intentionen der Handelnden und deren Akzeptanz der Verfahren.
- Einen zusammenfassenden Blick wirft Eckart Severing (f-bb) auf eine umfangreichere Studie zu den „Rahmenbedingungen einer Zertifizierung informellen Lernens in Deutschland“ (Abschluss: 2008). Literaturstudien und Experteninterviews ergaben demnach, dass Zertifizierungsinstrumente folgende Leistungen erbringen müssen: „Systematisierung von Lerninhalten; Feststellung, Bewertung und Anerkennung individueller Kompetenzen (…), Motivierung und Orientierung der Lernenden durch Erhöhung der Transparenz der Lernerfolge“ (S. 40). Er stellt ausführlich den Widerspruch dar zwischen der konkreten Bedeutung des informellen Lernens für die Produktivität der Volkswirtschaft und zwischen den Interessen der etablierten Weiterbildungseinrichtungen an der Aufrechterhaltung ihres Lehrgangs- und Prüfungsgeschäftes.
- In einem Modellprojekt wurde ein Instrument entwickelt, das versucht die Niveaus von Lerneinheiten aus kaufmännischen beruflichen Fortbildungen und wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Studiengängen zu vergleichen. Der Beitrag von Wolfgang Müskens und Willi B. Gierke beschreibt die Skalen des Instruments sowie die differenzierenden Ergebnisse der ersten Untersuchung.
Neben den Beiträgen zum Schwerpunkt enthält das Heft noch einen längeren Beitrag zur „Lernberatung als empirische Leerstelle“ (Lea Kollewe, Wolfgang Seitter), in dem Ergebnisse der Analyse der Weiterbildungsangebote an Weiterbildungseinrichtungen zur Lernberatung vorgestellt werden. Schließlich enthält das Heft eine längere Sammelrezension zur Bildungs- und Berufsberatung sowie neun Einzelrezensionen von aktuellen Beiträgen.
Diskussion
Das Thema des Bandes, vor allem der Hinweis auf „Benchmarks“ hatte uns angesprochen und motiviert, das Heft für socialnet.de genauer unter die Lupe zunehmen. Beim Durchblättern waren wir enttäuscht: „Benchmark“ taucht nur einmal kurz im Editorial auf. Das ist schade.
Fazit
Abgesehen von der vorgebrachten Kritik ist das Heft eine gelungene Ausgabe zur Kompetenzerfassung.
Rezension von
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Diplom-Pädagoge Martin Schön
Geschäftsführer des bims e.V.
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