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Johann R. Krauss: Der Abenteuerspielplatz

Cover Johann R. Krauss: Der Abenteuerspielplatz. Planung, Gründung und pädagogische Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2003. 131 Seiten. ISBN 978-3-497-01652-5. 9,90 EUR.

Kinder sind Kinder, Band 24.
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Einführung in das Thema

Abenteuerspielplätze in Deutschland entstanden erstmals Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Sie sollten damals die durch die Funktionsbauweise nach dem Krieg entstandenen Defizite in der Lebensumwelt der Kinder auszugleichen helfen und einen neuen (natürlichen) Lebensraum schaffen, wo sich Kinder frei entfalten konnten; als Vorbild bzw. Idee für die Abenteuerspielplätze diente das ländliche Leben in kleinen Dörfern und auf Bauernhöfen, wo Kinder den nötigen Platz hatten, ihre Umwelt direkt zu erfahren und mitzugestalten.

Diese Aufgabe ist in der heutigen Zeit mindestens so wichtig wie damals. Das Buch von Krauss "Der Abenteuerspielplatz" zeigt die Dringlichkeit solcher Einrichtungen gerade in unseren heutigen Großstädten und Ballungsgebieten und gibt Hinweise und Ratschläge, wie ein solcher Platz heute gegründet und zum Leben erweckt werden kann, das Buch kann aber ebenso gut auch als rein theoretisches Informationsbuch dienen, um zu verstehen was ein Abenteuerspielplatz überhaupt ist.

Entstehungshintergrund und Autor

Die Entstehung des Buches hat viel mit der Biografie seines Autors zu tun:

Johann R. Krauss wurde 1964 in Rumänien geboren und wuchs bis zum Alter von 13 Jahren in einem Dorf in Siebenbürgen auf, wo er eine "Bilderbuchkindheit" verbringen konnte: Da es kaum Verkehr und nur eine asphaltierte Straße gab, war das ganze Dorf ein riesiger Spielplatz für die Kinder, für die es dort die in deutschen Großstädten herrschenden Tabus (Gefahren auf der Straße, Größe der Stadt und Abhängigkeit von den Erwachsenen um zum Spielort zu kommen oder andere Kinder zu treffen) einfach nicht gab. Mit 13 Jahren siedelte Krauss mit seiner Familie nach Deutschland über, wo Kinder die bisher gekannten Freiheiten einfach nicht hatten. Erst während seines Studiums der Pädagogik entdeckte er einen Ort, der vergleichbare Bedingungen für Kinder schuf wie er sie aus seiner eigenen Kindheit kannte: der Abenteuerspielplatz in Feiburg-Weingarten. Die Abenteuerspielplatzpädagogik ließ ihn fortan nicht mehr los, da er hier die Möglichkeit sah, die schönen Erinnerungen und Erlebnisse seiner Kindheit in die Gegenwart zu übertragen und einer Vielzahl von Kindern in völlig anderen Lebensumwelten zugänglich zu machen und sie so elementare Kindheitserfahrungen machen zu lassen, die für eine harmonische Entwicklung eines Kindes so wichtig sind, die aber in deutschen Städten sonst nicht möglich sind. Mit diesem Buch wird die Idee der Abenteuerspielplätze einem großen Publikum zugänglich und so trägt es vielleicht dazu bei, diese Einrichtung noch weiter zu verbreiten.

Kapitel 1: Spiel und Spieltheorien

Was Spiel wirklich ist und bedeutet, versteht jeder Mensch auf individuelle Weis, abhängig von seinen Erfahrungen in Erziehung, Bildung, Sozialisation und selektiver Wahrnehmung.

Es gibt viele Spieltheorien, die alle je einen Teilaspekt der Realität beleuchten. Die Kenntnis verschiedener Spieltheorien ermöglicht ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und das Verhalten von Kindern.

Das Spiel der Tiere

Tiere spielen ihren Instinkten folgend. Dabei ist Spiel bei Jungtieren meist dem Einüben von Verhaltensweisen erwachsener Tiere gewidmet, d.h. Spiele der Jungtiere dienen vorwiegend dem Überleben und sichern die Erhaltung der Art. Aber auch erwachsene Tiere spielen, entweder zur Vervollkommnung ihrer Instinkte oder aus Übermut. Dabei zeigen die Art und die Häufigkeit des Spiels auch den Grad der Intelligenz. Tiere spielen altersgemischt und sogar mit anderen Tierarten. Sie spielen aber nur, wenn sie durch ihre Sinne eine reiche Umweltbeziehung haben, wenn ihre Arterhaltung im Lebensraum gesichert ist und wenn sie in einer sozialen Gruppe sicher aufgehoben sind.

Das Spiel des Menschen

Im Unterschied zum instinktgeleiteten Tier ist das Spiel des Menschen phantasiegeleitet, d.h. die Wunschvorstellund von der Wirklichkeit wird im Spiel zur tatsächlichen Realität; die Phantasie ist der Antrieb zum Spielen. Das Spiel kann daher einen Menschen so stark fesseln, dass die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit so sehr verschwimmen, dass ein Spiel sogar gefährlich werden kann. Menschliches Spielen hat daher immer einen Doppelcharakter: Einerseits ist Spiel geprägt von Freude, Glück und Freiheit, andererseits von Zwang, Zerstörung und im Extremfall sogar Tod. Zugleich ist Spiel aber auch der Ursprung menschlicher Kultur, die sich im Spiel entfaltet und entwickelt Der Charakter des Spiels verändert sich ebenso wie sein Inhalt entsprechend des Lebensalters des Menschen:

Während Kinder regelrecht im Spiel versinken, wissen Erwachsene, dass sie spielen. Kinder bevorzugen Übungs- und Symbolspiele, während Erwachsene meist nach Regeln spielen. Kinder wechseln relativ rasch von einem Spiel zum nächsten, Erwachsene dagegen spielen über längere Zeit das Gleiche. Außerdem sind Erwachsene in der Gestaltung der Spiele freier, wohingegen Kinder von ihrer Umwelt stärker abhängig sind (Wahl des Spielortes und -partners ist viel beschränkter).

Gemeinsam dagegen ist dem Kind wie dem Erwachsenen im Spiel die Zweckfreiheit, die Suche nach einem ausgeglichenen Verhältnis von Spannung und Lösung der persönlichen Fähigkeiten, die Auseinandersetzung mit der Umwelt, die undifferenzierte Zielformulierung und die "Ersatz-Realität".

Der Ernst im Spiel des Kindes

Ein Spiel kann nur mit dem echten Wunsch zum "Gelingen" des Spiels funktionieren und dazu sind Regeln wie auch deren Einhaltung und Hingabe an das Spiel nötig, also eine "ernsthafte" Einstellung zu Inhalt und Ziel des Spiels. Für Kinder ist dieser Ernst noch wichtiger als für Erwachsene, da für ein Kind ein Spiel/ eine Vorstellung gleichzusetzen ist mit der Wirklichkeit (ein Spiel ist "echt").

Spielen, bilden, lernen

Während Lernen sowohl beim Spielen wie auch beim Bilden stattfindet, besteht ein Unterschied zwischen Spielen und Bilden: Das Spiel ist (zufälliges, unbewusstes) "Kinderwerk", das Bilden dagegen (bewusste, absichtlich herbeigeführte) "Kinderführung". Der Grad des Lernens hängt dabei in beiden Fällen von persönlichen Voraussetzungen ab; dabei findet Lernen immer statt, egal, ob der Lernende selbst, der Lehrende einer oder keiner von beiden sich dessen bewusst sind.

Ausgewählte Spieltheorien

Dieser Abschnitt soll einen Eindruck über die Vielfältigkeit der Spieltheorien geben, er ist jedoch nicht vollständig!

  • Die Kraftüberschusstheorie besagt, dass im Spiel organische Kräfte abgebaut werden.
  • Die Erholungstheorie besagt, dass das Spiel ein Abschalten vom Alltag, von körperlicher und geistiger Anspannung ist.
  • Die Einübungsteorie hält Spiel bei Kindern für eine Vorbereitung auf das Leben als Erwachsener, Spiel bei Erwachsenen für "Nach-Üben" um das Verhalten zu verbessern.
  • Die Katharsistheorie schreibt dem Spiel eine Spannungsreduktion und Verarbeitung von Frustrationen zu, indem reale Leidenssituationen in die Spielsituation übertragen werden und dort beeinflusst werden können.
  • Die Begegnungstheorie hat ihre Wurzeln in der Existenzphilosophie, die jedes Gegenüber als potentielle Bedrohung für den Menschen sieht. Im Spiel sucht ein Kind nach Grenzerfahrungen, an denen es sich ausprobieren und seine Existenz erleben kann.
  • Die Motivationstheorie besagt, dass im Spiel nach einem mittleren Spannungszustand gesucht wird.
  • Die tiefenpsychologische Theorie sieht das Spiel als Grundvoraussetzung einer normalen Entwicklung, da hier die Auseinandersetzung mit der Umwelt stattfindet.
  • Die Lerntheorie betrachtet alles Verhalten als erlernt; jedoch kann die Selbstmotivation in einem guten Spiel so stark werden, dass Kinder zu ihrem eigenen Lehrer werden.

Echte Gegensätze zum Spiel sind Nervosität, Sorgen, Eile Pflicht und Spielerei.

Kapitel 2: Der Abenteuerspielplatz/ die Jugendfarm

Der städteplanerische Aspekt

Auf Grund der Notwendigkeit nach dem zweiten Weltkrieg, Städte rasch wieder aufzubauen und Wohnraum zu schaffen, die Städte wieder "funktionsfähig" zu bekommen, entstanden in kurzer Zeit reine Industrie- oder Wohnviertel. Die sog. Trabantenstädte deckten zwar den aktuellen Bedarf, gingen aber zu Lasten der Wohn- und Lebensqualität besonders der dort lebenden Kinder. Zugleich veränderte sich der Wandel der Straße: War die Straße vor der Industrialisierung Hauptlebensraum und -ader, so wurde sie seither in zunehmendem Maß funktionalisiert und als Lebensraum untauglich. Besonders die Kinder wurden so eingeschränkt auf den Platz direkt vor der Haustür oder die eigene Wohnung. Mehr TV Konsum und soziale Isolation sind einige der Folgen. Als Gegenbewegung dazu wurden seit Mitte der 60er Jahre Spielplätze in der konventionellen Form Schaukel, Rutsche, Wippe, Klettergerüst geschaffen. Dennoch blieben Kinder in Großstädten körperlich, geistig und seelisch unterfordert, da sie sich nicht im notwendigen Maß erfahren und ihre Umwelt gestalten konnten - dies gilt häufig bis zum heutigen Tag.

Der pädagogische Aspekt

Ein Abenteuerspielplatz (ASP) dagegen ist immer pädagogisch betreut und kann prinzipiell zwei Schwerpunkte haben: den Bau von Holzhütten ("Bauspielplatz") und den Umgang zwischen Mensch und Tier ("Jugendfarm"). Alle diese Begriffe können jedoch synonym gebraucht werden. Die Idee der ASPs geht auf den Kopenhagener Stadtarchitekten Prof. Christian Th. Sorensen zurück. Er gründete "Krempelspielplätze", wo die Kinder mit ausrangiertem Hausrat spielen konnten. 1943 wurde der erste pädagogische ASP in Kopenhagen gegründet, von dort trat er seine Reise über England und die Schweiz an weiter in die BRD (erste Gründung 1962 im Elsental bei Stuttgart) und von dort weiter bis Japan.

Ein Kritikpunkt ist häufig der Inselcharakter eines ASPs. Leider ist es auf Grund von Einbrüchen, Zerstörungen und Tierquälerei nötig, die Plätze zu umzäunen. Dennoch ist ein solcher Platz zu den Öffnungszeiten für jedermann zugänglich - und trotz der Umzäunung werden die ASPs stark frequentiert.

Kinder auf dem ASP können selbst entscheiden, ob und wie lange sie kommen, ob und wie lange sie mit wem spielen wollen und was. Dazu ist es aber nötig, dass die Kinder sich und die Erwachsenen respektieren, ihre Bedürfnisse kennen und ausdrücken können. Dies ist ein Lernprozess, der beim Betreten des Platzes in Gang gesetzt wird, der aber nur stattfinden kann, wenn die Rahmenbedingungen es ermöglichen. Diese werden von den Platzregeln geschaffen, welche zusammen mit den Kindern erarbeitet werden. Bei Regelverstößen werden entsprechende Sanktionen verhängt, die zumeist eine weitere Teilnahme am Platzgeschehen dennoch zulassen. So erfolgt mit der Zeit eine Anpassung der Kinder an die Regeln des Platzes und eine entsprechende Verhaltensänderung aus eigenem Antrieb.

Kapitel 3: Einen Abenteuerspielplatz oder eine Jugendfarm gründen

Hier werden die nötigen Schritte vorgestellt, die unternommen werden müssen, um einen solchen Platz ins Leben zu rufen; diese sind in Kürze:

Informationen sammeln und Verbündete suchen

Zu allererst sollte man genaue Kenntnisse sowohl über die Kritiker wie auch über die Interessen der Befürworter haben. Unterstützung bekommt man aus der Bevölkerung (besonders junge Familien), bei sozialen Einrichtungen und allen im sozialen Bereich engagierten. Mögliche Widerstände können von den Gemeinden wegen der Finanzierung kommen oder von Nachbarn des Grundstücks, auf dem der ASP entstehen soll. Widerstände können überwunden werden, wenn man auch in den Kritikern die Sehnsucht wecken kann, eine solche Möglichkeit in ihrer Kindheit gehabt zu haben. Weiterhin ist es sinnvoll, statistisch den Bedarf eines solchen Platzes zu ermitteln, dann müssen ein Grundstück und Kooperationspartner gefunden werden, eine Initiative und eine grobe Zielformulierung erarbeitet werden. Zu allen wichtigen Treffen sollten von Anfang an die Lokalpolitiker und ranghohe Verwaltungsangestellte eingeladen werden; weiterhin sollte über alle wichtigen Vorgänge Protokoll geführt und allen beteiligten Personen ausgehändigt werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Lebenswichtig für ASPs sind die Beziehungen und die positive Werbung der Lokalpresse. Daneben müssen wichtige Ereignisse per Anschlag auch in Schulen und Kindergärten publik gemacht werden. Eine ordentliche äußere Form ist dabei ebenso wichtig und überzeugend wie die Argumente als solche.

Die Kinder und Jugendlichen von Anfang an einbeziehen

Auch sollten die Kinder und Jugendlichen ihre Ideen von Anfang an einbringen können, z.B. in Form von Ausstellungen, Plastiken, Zeichenwettbewerben etc.

Die Finanzierung sicherstellen

Neben öffentlichen Zuschüssen und Fördergeldern von Bund, Ländern und Gemeinden lassen sich oft auch Sponsoren für bestimmte Projekte oder ein Fahrzeug finden. Personal kann z.B. über ABM-Maßnahmen finanziert werden, daneben muss auf das Engagement von Ehrenamtlichen, Praktikanten und Zivildienstleistenden gebaut werden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen umsetzen

Eine direkte Verankerung von ASPs in der Rechtsprechung gibt es nicht, jedoch werden einige §§ des KJHG und des SGB herangezogen auf deren Basis Argumente für die Notwendigkeit eines ASPs gefunden werden können.

Einen Trägerverein gründen

Ein Verein mit ordentlicher Satzung hat rechtlich mehr Gewicht als eine bloße Initiative.

Den Platz in Besitz nehmen

Der Platz muss eingezäunt und mit den nötigen Gebäuden und Aufteilungen versehen werden.

Den Spielbetrieb eröffnen

Mit einem Tag der offenen Tür sollte der Platz eröffnet und vorgestellt werden, zugleich sollten die Öffnungszeiten und das Programm bekannt gegeben werden und die Mitarbeiter Gelegenheit zur Kontaktaufnahme bekommen. Daneben müssen die Routinearbeiten geplant werden, Aufgaben verteilt und die pädagogischen Aufgaben festgelegt werden.

Kapitel 4: Konzeption für einen Abenteuerspielplatz

  • Adresse des Spielplatzes und Anschrift des Trägers. Ein hoher Bekanntheitsgrad und Erreichbarkeit sind Voraussetzungen für einen ASP.
  • Sozialdaten aus dem Stadtteil. Ein erfolgreiches Arbeiten setzt die genaue Kenntnis der sozialen Struktur und der damit verbundenen Bedürfnisse voraus.
  • Was ist ein Abenteuerspielplatz? Die wichtigsten Merkmale eines ASPs, die gewährleistet sein müssen, sind Offenheit, Veränderbarkeit, die pädagogische Betreuung, seine Vielseitigkeit und sein erholender Charakter.
  • Räume auf dem Abenteuerspielplatz. Je nach individueller Ausgestaltung gibt es eine Vielzahl verschiedener Bereiche auf einem ASP; zu den häufigsten gehören: der Tierbereich, der Hüttenbaubereich, eine Küche, ein Garten, die sanitären Anlagen, das Büro, ein Garten, ein offener Bereich. Daneben können Stallungen treten, eine Reitbahn, ein Biotop, ein Theater etc.
  • Die Mitarbeiter auf dem Spielplatz. Die Mitarbeiter sollten nach Möglichkeit im Verhältnis 1:1 mit Frauen und Männern besetzt werden; ausgebildetes Fachpersonal für die Festangestellten ist notwendig; daneben soll ein ASP Ausbildungsort und Zivildienststelle sein, außerdem gehören zu den Mitarbeitern auch die ehrenamtlich Tätigen.
  • Pädagogische Ziele und Methoden. Jeder Platz erarbeitet ein individuelles pädagogisches Konzept; die gemeinsamen Grundlagen pädagogischer Arbeit sind der Rückgriff auf die vier Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft, der Gedanke, Kinder als Gesellschaft zu verstehen und als kompetent zu betrachten, die Freiheit und Ganzheitlichkeit. Außerdem wird Wert gelegt auf die Teamarbeit, methodisches Vorgehen, freies Spiel, eine angemessene Verpflegung, Gleichberechtigung auf dem Platz und je nach Situation geplante Sonderaktionen.
  • Elternarbeit. Eine gute Elternarbeit stützt das Platzgeschehen und gibt den Eltern die Möglichkeit in entsprechenden Gremien (Stammtischen, Elternabenden, Elternversammlungen), das Geschehen auf dem Platz mit zu beeinflussen.
  • Zusammenarbeit mit Institutionen. Für die ASPs ist eine Zusammenarbeit mit anderen lokalen Institutionen (Vernetzung) unerlässlich.
  • Öffentlichkeitsarbeit. Regelmäßige und positive Berichte in der Lokalpresse, Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen und Präsenz in der Öffentlichkeit verschaffen dem ASP die nötige Lobby.
  • Öffnungszeiten des Abenteuerspielplatzes. Wichtig sind allgemein bekannte, regelmäßige und zuverlässige Öffnungszeiten.

Kapitel 5: Abenteuerspielplatzpädagogik

Die Abenteuerspielplatzpädagogik enthält Teile der Sozial-, Erlebnis-, Natur- und Spielpädagogik, sie greift auch auf die emanzipatorische und kompensatorische Pädagogik zurück und beinhaltet auch Gemeinwesenarbeit. Da ein ASP offen ist, können dazu je nach Situation noch weitere Bereiche und Pädagogiken treten (Behinderten- oder Gesundheitspädagogik etc.).

Erwartungen an den Abenteuerspielplatzpädagogen. Entsprechend der Vielschichtigkeit des Arbeitsfeldes muss der Abenteuerspielplatzpädagoge eine Vielzahl von Voraussetzungen erfüllen. Er verkörpert das Bindeglied zwischen den Träger, den Eltern, den Nachbarn und den Kindern und muss daher all diese Interessen berücksichtigen und vertreten, dabei nach Möglichkeit allen gerecht werden. Daneben repräsentiert er auch den Platz nach außen.

Garanten für erfolgreiches pädagogisches Arbeiten. Ein sorgfältiges Arbeiten im planenden und reflektierenden Bereich ist unerlässlich für eine qualitativ gute Arbeit. Die fundierte Reflexion der eigenen Einstellung und Zielsetzung sowie die tägliche Reflexion nach Kontrollfragen helfen, einen "roten Faden" in die Arbeit auf dem Platz zu bringen und garantieren zugleich die Umsetzung des pädagogischen Konzeptes. Daneben stehen eine Vielzahl von Bedingungen, wie die Grundeinstellung zum Beruf, die Arbeit im Team, der Umgang mit Routinearbeiten etc., die wesentlich zum Gelingen beitragen und die in diesem Kapitel detailliert dargestellt werden.

Der fruchtbare Moment im Bildungsprozess. Im Idealfall greifen alle die o.g. Faktoren so ineinander, dass den Kindern ein Raum geschaffen wird, der sie fördert und ihre Selbstmotivation so steigert, dass sie selbständig versuchen, ihre Fragen zu lösen und sich mit Problemen auseinandersetzen.

Kapitel 6: Ein Jahr auf dem Abenteuerspielplatz

Dieses Kapitel beschreibt exemplarisch den Jahreslauf auf einem ASP mit dem Wechsel der Jahreszeiten, den dazugehörenden Festen und Feiern und einigen Sonderaktionen, die neben den täglichen Arbeiten, Spielen und Angeboten ihren Platz finden.

7. Anhang

  • Konventionelle Spielplätze und Aktivspielplätze - ein Kostenvergleich
  • Sicherheits- und Hygienevorschriften (Auszug aus den Vorschriften des Bundes der Jugendfarmen und Aktivspielplätze)
  • Eine Vereinssatzung als Beispiel
  • Adressen Abenteuerspielplätzen und Jugendfarmen
  • Literatur

Zielgruppen und Anwendungsmöglichkeiten

Das Buch "Der Abenteuerspielplatz" richtet sich in seinem Vorwort ausdrücklich an alle Interessierten, die selbst einen ASP gründen wollen und dabei Hilfe benötigen; es dient somit als eine Art Leitfaden bei der Gründung eines solchen Platzes. Daneben ist es aber auch als Fachlektüre für Berufspädagogen außerhalb von ASPs und als Informationsquelle für interessierte Laien durchaus brauchbar, die nicht selbst einen Platz gründen wollen sondern lediglich eine Vorstellung von der Arbeit in einer solchen Einrichtung bekommen wollen. Das gesamte Buch ist - mit Ausnahme des ersten Kapitels - stark praxisorientiert und zeugt davon, dass der Autor auf Grund seiner Ausbildung und seiner eigenen Erfahrungen in der Arbeit auf dem ASP und der Gründung eines solchen sehr genau weiß, was dabei wichtig ist, und welche Schwierigkeiten mit einkalkuliert und überwunden werden müssen. Nicht nur das Vorgehen bei der Gründung und Inbetriebnahme eines solchen Platzes wird schrittweise und höchst anschaulich beschrieben, auch die darauf folgenden routinemäßige Arbeit wird beschrieben und wertvolle Hinweise gegeben, wie die Qualität der Arbeit auf schon bestehenden Plätzen verbessert werden kann.

Diskussion

Das erste Kapitel ist quasi als theoretische Hintergrundinformation vorgeschaltet, um ein Verständnis für die Bedeutung des Spiels der Kinder zu wecken. Hier allerdings gelingt es leider nicht, in den weiteren Kapiteln den Bezug dazu zu knüpfen und die Theorie in die praktische Arbeit einzuflechten; außerdem ist der Bereich der Spieltheorien äußerst umfangreich, so dass hier kaum die Theorie entsprechend dargestellt werden kann. So bleiben viele Ideen im Ansatz stecken und das Kapitel scheint oftmals nur eine Aneinanderreihung von Erkenntnissen, denen der Zusammenhang nicht mehr eindeutig zu entnehmen ist. Weiterhin setzt dieses Kapitel eine derartig fundierte Kenntnis der Pädagogik als Wissenschaft voraus, wie sie gründungswillige Leser wohl nur in Ausnahmefällen mitbringen. So könnte das erste Kapitel u. U. eher abschreckend wirken. Dies wird jedoch in allen folgenden Kapiteln, die sich mit den Voraussetzung für die Gründung eines ASPs und der praktischen Umsetzung befassen (Kapitel zwei bis fünf) mehr als ausgeglichen. Diese Kapitel sind nicht nur leicht und unterhaltsam zu lesen und spiegeln fast bei jedem Wort die Überzeugung und Freude des Autors an seiner Arbeit wieder, sie geben dies auch weiter und leiten interessierte Profis wie Laien zuverlässig durch den manchmal durchaus chaotisch anmutenden Alltag bei Gründung und Unterhaltung eines solchen Platzes. Auch für schon länger bestehende Plätze kann das Buch als Grundlage dienen, die Qualität der eigenen Arbeit zu überprüfen und ggf. an Hand der Erfahrungsberichte und herausgearbeiteten theoretischen Strukturen zu korrigieren. Dem Autor gelingt es hier, auf sehr knappem Raum ein vollständiges und umsetzbares Bild der Arbeit auf den Abenteuerspielplätzen zu geben. Das letzte Kapitel ist eine Art Steckbrief eines Jahres auf einem ASP, welches die Arbeit beschreibt und das Miteinander auf einem ASP veranschaulicht, so dass die theoretische Vorarbeit des Lesers hier belohnt wird, indem ihm ein sehr liebevolles und zugleich realistisches Bild der Arbeit gezeigt wird, was jeder, der einen solchen Platz gründet tatsächlich erreichen kann.

Fazit

Das Buch kann als gelungenes Aufklärungs- und Werbeinstrument angesehen werden, wenn es um die Steigerung der Bekanntheit solcher Plätze geht bzw. darum, von ihrer Notwendigkeit zu überzeugen und zu belegen, wie sinnvoll diese Einrichtungen gerade heute sind.


Rezensentin
Dipl. Pädagogin Lorena Rautenberg
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Zitiervorschlag
Lorena Rautenberg. Rezension vom 30.09.2003 zu: Johann R. Krauss: Der Abenteuerspielplatz. Planung, Gründung und pädagogische Arbeit. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2003. ISBN 978-3-497-01652-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/966.php, Datum des Zugriffs 14.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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