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Werner Reiners-Kröncke, Sindy Röhrig u.a.: Burnout in der sozialen Arbeit

Cover Werner Reiners-Kröncke, Sindy Röhrig, Hanna Specht: Burnout in der sozialen Arbeit. Mit Seminarkonzept zur Prävention: Grenzen wahrnehmen - Ressourcen nachspüren. ZIEL Verlag (Augsburg) 2010. 2., stark überarbeitete und erweiterte Auflage. 217 Seiten. ISBN 978-3-940562-38-8.

Reihe: Hochschulschriften.
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Thema

Bereits vor 7 Jahren haben Werner Reiners-Kröncke und Sindy Röhrig einen grundlegenden Band zum Burnout in der Sozialen Arbeit herausgebracht (vgl. dazu die Rezension). Dieser Band wurde gemeinsam mit der Co-Autorin Hanna Specht aktualisiert, ergänzt und um ein umfangreiches Seminarkonzept zur Burnout-Prävention erweitert.

Autor und Autorinnen

  • Werner Reiners-Kröncke lehrt seit 1982 an der FH Coburg Soziale Arbeit und Gesundheit.
  • Die Sozialpädagogin Sindy Röhrig hat an der FH Coburg studiert und ist heute als gerichtlich bestellte Betreuerin tätig.
  • Hanna Specht ist ebenfalls Sozialpädagogin (auch Studium an der FH Coburg) arbeitet in der Berufsschulsozialarbeit und leitet als freie Dozentin Seminare zum Burnout.

Aufbau und Inhalt

In den ersten Kapiteln „Was ist Burnout“, „Instrumente zum Erfassen von Burnout“ und „Erklärungsmodelle von Burnout“ erläutern die AutorInnen Grundsätzliches zum Thema Burnout. Sie nennen die wichtigsten Definitionen im Rahmen der Begriffsgeschichte, erläutern Symptome des Burnout anhand der klassischen Symptomliste von Burisch und stellen klassische und neuere Tests zum Burnout vor. Sie stellen die wichtigsten Erklärungsansätze und Phasenmodelle zum Burnout vor und präsentieren sie noch einmal zusammenfassend in einem Rastermodell.

Im Kapitel „Benachbarte Forschungsgebiete“ zeigen sie Gemeinsamkeiten und Differenzen zur Stresstheorie und zur Arbeitszufriedenheitsforschung auf.

Das Kapitel „Der ‚unmögliche‘ Beruf“ führt in die Sozialpädagogik ein und erläutern, wie Geschichte, gesellschaftliche Stellung und Aufgaben im Berufsalltag den Beruf anfällig für Burnout machen.

Das Kapitel „Befragungen“ geht anhand von 9 themenzentrierten Interviews mit Sozialpädagoginnen aus unterschiedlichen Berufsfeldern anhand eines qualitativen Leitfadens der Frage nach, welche Belastungen sich für die Befragten in ihrem Beruf ergeben und welche Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen bzw. welche Bewältigungsressourcen zusätzlich erwünscht werden. Da in der Literatur zum HelferInnen-Burnout immer wieder auf die Frage der (u.U. gefährdenden) Motivation zur Berufswahl eingegangen wird, wird in den Interviews auch danach gefragt. Im Ergebnis zeigt die Befragung, dass Freude am Helfen in der Tat das Hauptmotiv für die Berufswahl war und dass für die Mehrzahl der Befragten mangelnde Entlohnung, mangelnde Würdigung von außen und schwieriger / uninformierter Berufseinstieg Belastungsfaktoren sind und waren.

Einfallsreich und gut informiert äußern sich die Befragten zu tatsächlichen bzw. erwünschten Präventionsmöglichkeiten.

Sie selbst pflegen als Ausgleich entspannende und selbstbelohnende Beschäftigungen und Hobbies.

Von ihren Arbeitsstellen wünschen sich die Befragten mehr Entscheidungsspielraum, geringere Fallzahlen und weniger Zeitdruck. Selbstevaluation, Supervision und kollegialer Austausch sowie Fort- und Weiterbildung finden in den Praxiseinrichtungen der Befragten vergleichsweise selten statt.

Im Kapitel „Motivation und Berufswahl“ stellen die AutorInnen Ansätze vor, die sich mit den gefährdenden Aspekten der Motivation zum helfenden Beruf beschäftigen. Hier stellen sie den klassischen Ansatz von Schmidbauer („Helfersyndrom“) vor, der in der Tat in seiner Radikalität immer noch besticht.

Großen Raum nimmt schließlich das Kapitel zu „Bewältigungsstrategien“ ein. Hier referieren und ordnen die AutorInnen Interventions- und Bewältigungsvorschläge der verschiedenen Burnout-AutorInnen, die vielfältig sind und je nach Erklärungsansatz (Gründe für das Burnout liegen in der Person bzw. in der Institution oder Gesellschaft) unterschiedlich ausfallen.

Danach stellen die AutorInnen in übersichtlicher Anordnung Bewältigungsstrategien aus folgenden Bereichen vor:

  • Interventionen auf Team- und Institutionsebene
  • Supervision
  • Gesellschaft und Selbstevaluation
  • Soziale Unterstützung
  • Rolle der Ausbildung
  • Fort- und Weiterbildung
  • Entspannung und weitere Möglichkeiten zur Prävention von Burnout

Eine entscheidende Erweiterung und Bereicherung stellt der große Seminarteil des Buches dar. Hier wird ein mehrtägiges (15 Seminarstunden an insgesamt 3 Tagen) Seminar zum Burnout für Studierende und PraktikerInnen der Sozialen Arbeit entwickelt und samt Seminar-Handouts detailliert dargestellt.

Theoretisch gründet das Seminarmodell auf Konzepten aus der Gestalttherapie und Musiktherapie, die in rhythmischen Einheiten zum Einsatz kommt. Beide Grundlagen werden in eigenen Kapiteln kurz umrissen und in ihrer Relevanz für das Seminarkonzept begründet.

Das Seminar ist als Präventionsseminar ausgelegt und beleuchtet und bearbeitet in einem abwechslungsreichen Methodenmix das „dreifache Mandat“ der Sozialen Arbeit: „Gesellschaft, Klienten, eigene Veranlagung“ (177). Theorie-Input, Selbsterfahrung und kollegialer Austausch, schließlich auch Seminarevaluation setzen wichtige Präventionsstrategien aus der Praxis direkt im Seminar um. Zahlreiche Raster und Tabellen zeigen der interessierten Leserin, wie das Konzept konkret umgesetzt werden kann.

Ein umfangreicher Anhang enthält neben den Literaturhinweisen viele Tests zum Burnout und Handout-Vorlagen für Seminareinheiten.

Fazit und Zielgruppe

Das Buch bietet eine gute Einführung in das Thema Burnout. Die Mischung aus prägnant und zusammenfassend präsentierten Theorien, Phasenmodellen und Erklärungsansätzen einerseits und persönlichen Schilderungen von Betroffenen andererseits macht es sowohl zu einer Fundgrube für wissenschaftlich Interessierte wie auch selbst Betroffene. Wer gefährdet ist, kann sich anhand der vielen Tests, aber auch anhand einzelner Seminarübungen informieren und anregen lassen sich Hilfe zu suchen.

Wer selbst Burnout in Lehre oder Erwachsenenbildung behandeln möchte, findet hier ein überzeugend ausgearbeitetes Seminarkonzept. Da die wenigsten Erwachsenenbildner über eine Doppelqualifikation in Musiktherapie oder Gestalt verfügen, ist eher wahrscheinlich, Bausteine aus dem Seminar in eigene Modelle zu übernehmen.

Kurz: Interessant und anschaffenmswert für

  • (potentiell) Betroffene
  • theoretisch Interessierte
  • Studierende der Sozialen Arbeit
  • SeminarleiterInnen zum Thema Burnout

Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
ILBB – Institut für lösungsorientierte Beratung Brühl
Ethnologin und Dipl. Sozialpädagogin
ehem. Hochschule Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.gutberaten.cologne
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 03.08.2010 zu: Werner Reiners-Kröncke, Sindy Röhrig, Hanna Specht: Burnout in der sozialen Arbeit. Mit Seminarkonzept zur Prävention: Grenzen wahrnehmen - Ressourcen nachspüren. ZIEL Verlag (Augsburg) 2010. 2., stark überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-940562-38-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9687.php, Datum des Zugriffs 03.12.2021.


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