Mieke Janssens: Humor als Intervention, die Betreuung verändert
Rezensiert von Prof. (em) Dr. Herbert Effinger, 07.07.2010
Mieke Janssens: Humor als Intervention, die Betreuung verändert. Spaß mit Menschen, die mit einer geistigen Behinderung leben. dgvt-Verlag (Tübingen) 2010. 144 Seiten. ISBN 978-3-87159-115-0. 14,80 EUR.
Thema
Der Einsatz von Humor in der Betreuung von Menschen, die mit einer geistigen Behinderung leben.
Autorin und Entstehungshintergrund
Mieke Janssens, Autorin, Trainerin und Supervisorin, begann ihre Arbeit mit Humor als stellvertretende Leiterin einer Rotterdamer Stiftung. Dort arbeitet sie mit verhaltensauffälligen und geistig behinderten Menschen. 1996 baute sie eine sozialpsychiatrische Wohngruppe auf und eröffnete 2000 ein Beratungs- und Trainingsinstitut, in dem sie auch die im Buch beschriebenen Interventionsmethoden anbietet. Ihre Methoden setzt sie auch als Coach von Führungskräften ein. Das Buch erschien erstmals 2003 in den Niederlanden.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist nach didaktischen Gesichtspunkten aufgebaut und richtet sich vor allem an Praktiker.
In einen theoretischen Grundlagenteil vermittelt die Autorin zunächst ihr Humorverständnis auf der Basis philosophischer, soziologischer und kommunikationstheoretischer Bezüge.
In einem weiteren, recht umfangreichen Kapitel stellt sie das jeweilige Entwicklungsniveau von Menschen mit geistiger Behinderung ins Verhältnis zu verschiedenen Humorformen und problematisiert, welche Humorformen auf welchem Entwicklungsniveau verstanden und konstruktiv eingesetzt werden können. Diese entwicklungsspezifischen Betrachtungen vertieft sie vor dem Hintergrund von Problemen, die im Kontext spezifischer Lebensphasen, spezifischer Betreuungskonzepte und Alltagsprobleme auftauchen und entwickelt hieraus konkrete Lösungsstrategien.
In jedem ihrer Kapitel, auch in den theoretischen, illustriert sie die zentralen Aussagen mit konkreten Fallbeschreibungen aus ihrer eigenen Praxis.
Im Anhang findet der Leser noch weitere Beispiele zur Erleichterung bzw. Anregung in der beruflichen Praxis mit dieser Adressatengruppe.
Diskussion
Der Autorin ist es sehr gut gelungen die zentralen Aspekte des Humors als eine relativierende Methode im Umgang mit den Geschicken und Missgeschicken von geistig behinderten (und nicht behinderten) Menschen prägnant auf den Punkt zu bringen. Es ist ihr Verdienst die Möglichkeiten des Mediums Humor gerade in einem Handlungsfeld aufzuzeigen, wo es bisher kaum Literatur und Forschung gibt und viele der Autoren, die sich mit Humor als Medium in der sozialen und therapeutischen Arbeit befassen, sich eher skeptisch äußern, ob sich dieses Medium auch mit dieser Zielgruppe umsetzen lässt.
Unglücklich scheint mir die deutsche Übersetzung des Titels zu sein. Humor als relativierende Begleitungsmethode, so wie es im niederländischen heißt, ist etwas anderes, als „Spaß“ zu haben.
Das Buch ist gut gegliedert und es erlaubt dem Leser, die vielen Fallgeschichten zum besseren Verständnis der zentralen Aussagen zu nutzen oder einfach im Lesen voranzuschreiten.
So gut sich die Autorin auch auf die wissenschaftliche Literatur bezieht, so wenig hat sie dies allerdings im Text selbst kenntlich gemacht. Leser, die an bestimmten Stellen mehr wissen möchten, sind auf ein recht allgemeines Literaturverzeichnis verwiesen, wo nicht ganz klar ist, an welchen Stellen die genannten Quellen im Text herangezogen werden. Die genannten Quellen sind z.T. jünger als das Ersterscheinungsdatum des Buches in den Niederlanden. So viel Mühe sollte man sich auch in einem Text machen, der für „Praktiker“ geschrieben ist, denn auch die möchten es hier oder dort vielleicht einmal etwas genauer wissen.
Fazit
Für professionelle Helfer in diesem Handlungsfeld, die nach Wegen zum besseren Umgang mit vertrackten und verzwickten Situationen suchen, liefert dieses Buch viele Anregungen. Dem eher wissenschaftlich Interessierten liefert das Buch reichliche Anknüpfungspunkte, welche für empirische Forschungsvorhaben genutzt werden könnten.
Rezension von
Prof. (em) Dr. Herbert Effinger
Diplomsozialpädagoge (DBSH, Supervisor (DGSv), Case Management Ausbilder (DGCC), Professor für Sozialarbeitswissenschaft/Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Dresden
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