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Volker Heyse, John Erpenbeck u.a. (Hrsg.): Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen

Rezensiert von Dr. Margot Klinkner, 25.07.2011

Cover Volker Heyse, John Erpenbeck u.a. (Hrsg.): Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen ISBN 978-3-8309-2335-0

Volker Heyse, John Erpenbeck, Stefan Ortmann (Hrsg.): Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen. Praxiserprobte Konzepte und Instrumente. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2010. 317 Seiten. ISBN 978-3-8309-2335-0. 39,00 EUR.
Reihe: Kompetenzmanagement in der Praxis - Band 5
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Thema

Mit dem vorliegenden Band verfolgen die Herausgeber nach eigenen Angaben die folgenden drei Ziele: Zum Einen möchten sie einen umfassenden Überblick zum KODE®-System geben, einem von Volker Heyse und John Erpenbeck entwickelten und in der Praxis erprobten Kompetenzermittlungs- und Kompetenzentwicklungsverfahren. Des Weiteren zielen sie darauf ab, unterschiedliche Untersuchungs- und Beratungserfahrungen zur Kompetenzentwicklung aus diversen Anwendungsbereichen zur Diskussion zu stellen. Drittens und letztens wollen sie mit einer Gegenüberstellung der beiden Leadership- und Kompetenzführungssysteme KODE® und GRID™ die Leistungsfähigkeit beider Systeme praxisorientiert herausarbeiten.

Herausgeber

John Erpenbeck, promovierter Physiker und auf dem Gebiet Erkenntnistheorie und Psychophysik kognitiver Prozesse habilitiert, war in den 1990er Jahren zunächst als Professor am Center for Philosophy of Science in Pittsburgh und später an der Universität Potsdam tätig. Seit 2007 ist Erpenbeck Professor an der Steinbeis University, Berlin - School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) Herrenberg. Er beschäftigt sich unter anderem mit Forschungsarbeiten zur Kompetenzentwicklung und zum Kompetenzmanagement. Seit den neunziger Jahren hat John Erpenbeck zusammen mit Volker Heyse und Horst Max die Kompetenzmessinstrumente KODE® und KODE®X entwickelt.

Volker Heyse, Gründungsrektor der FHM, Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld, fungiert als Geschäftsführer des Trainingszentrums für Personalentwicklung (TfP) ebenso wie für die ACT SkoM GmbH in Regensburg. Beide Institute bilden in gegenseitiger Kooperation KODE® und KODE®X-Lizenztrainer und -Berater aus.

Stefan Ortmann, Diplom-Wirtschaftsinformatiker mit Erfahrungen als Consultant, Produktmanager und Softeware Architekt hat sich unter anderem auf den Aufbau von Expertensystemen im Bereich Kompetenzmanagement und -Diagnostik spezialisiert. Gemeinsam mit John Erpenbeck und Steffen Buhr hat er seit 2003 die digitale Variante der Verfahren KODE® und KODE®X im Projekt Competenzia entwickelt.

Entstehungshintergrund

Aufgrund der starken Nachfrage an praxisorientierten Veröffentlichungen zum Thema Kompetenzmanagement haben die Autoren in Zusammenarbeit mit dem Waxmann Verlag die Buchreihe „Kompetenzmanagement in der Praxis“ gegründet, die mit der vorliegenden Publikation bislang fünf Bände enthält. Das Themenspektrum reicht dabei von Methoden und Verfahrensweisen des Kompetenzmanagements über TalentManagement, RetentionManagement und Kompetenzbasierte Teamentwicklung bis hin zum Thema Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen der vorliegenden Veröffentlichung. Nach Angabe der Autoren sind in dieser Buchreihe in kurzer Folge weitere Bände geplant.

Inhalt

Im Zentrum der vorliegenden Publikation steht das KODE®-System, ein Kompetenzdiagnostik- und Entwicklungsverfahren, welches zur Messung von vier menschlichen Grundkompetenzen herangezogen wird. Hierbei handelt es im Einzelnen um personale, aktivitäts- und handlungsbezogene, fachlich-methodische und sozial-kommunikative Kompetenzen. Ausgehend von einer begrifflichen Klärung des Terminus Kompetenz, welche vom Autor John Erpenbeck im ersten Kapitel in Abgrenzung zu Begriffen wie Charakter, Persönlichkeit, Persönlichkeitseigenschaften, Talente und Potenziale vorgenommen wird, werden im zweiten Kapitel die Qualitätsanforderungen an KODE® abgehandelt. Die beiden Autoren Volker Heyse und John Erpenbeck machen hierbei deutlich, dass es sich bei KODE® nicht um einen psychometrischen Test zum Nachweis kontextfreier Persönlichkeitsaspekte handelt, sondern um ein Verfahren, welches auf einem differenzierten, selbstorganisations-theoretisch untermauerten Kompetenzmodell aufbaut mit dem Ziel, die Kontextabhängigkeit des Handelns besser zu erfassen und die Entwicklung von Kompetenzen zu unterstützen. Daher werden keine psychischen Eigenschaften gemessen, sondern Dispositionen, welche die Güte von kreativem Handeln charakterisieren. Aussagen zur Re-Test Reliabilität und zur Validität haben nach Angaben der Autoren deshalb nur eingeschränkte Gültigkeit. Der Nachweis der mittels KODE® in erster Linie angestrebten Kompetenzverstärkungen oder -veränderungen ist nach Sicht der Autoren hingegen im Rahmen biografischer Prozess-Evaluationsstudien zu erbringen. Vor diesem Hintergrund bewerten die Autoren die klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität für KODE® dennoch als umfassend erfüllt. In Bezug auf die Validität heben sie in diesem Kontext die Erfüllung der sozialen Validität besonders hervor, nach der das Verfahren von den Anwenderinnen und Anwendern im Sinne seiner angestrebten Zielsetzung nachweislich als sinnvoll akzeptiert wird.

Im dritten Kapitel stellt Volker Heyse KODE® als Verfahrenssystem vor und geht auf praktische Anwendungsbereiche ein. Nach Darlegung des dem Verfahrenssystem zugrundeliegenden Kompetenzverständnisses und seiner methodischen Basis, welche im wesentlichen auf die beiden Selbstorganisationstheorien der Synergetik nach Haken und der Autopoiesetheorie nach Maturana und Varela zurückgeht, stellt Heyse KODE® als Diagnoseverfahren vor und geht auf seinen praktischen Nutzen für unterschiedliche Anwendungsgebiete ein. Die Anwendergruppen reichen dabei von Führungskräften und Personalleitungen über Trainer bis hin zu Personal- wie Unternehmensberatern. Der dem System zugrunde liegende Kompetenzatlas wird dabei eingehend vorgestellt. In einem Selektionsverfahren wurden hierfür 120 Kompetenzbegriffe aus gängigen Beurteilungssystemen den vier Grundkompetenzen (personale Kompetenzen, Aktivitäts- und Handlungskompetenzen, Fach- und Methodenkompetenzen sowie sozial-kommunikative Kompetenzen) zugeordnet und in Form verschiedener Kompetenzkombinationen auf insgesamt 64 Begriffe reduziert. In einem Exkurs werden darüber hinaus Möglichkeiten der Ermittlung und Entwicklung von Kompetenzen bei Jugendlichen vorgestellt. Ein ausführlicher Anhang zu Kapitel drei enthält unter anderem Definitionen und Erläuterungen zu allen Kompetenzbegriffen.

Nach einer Abhandlung der Autoren Erich Barthel und Olaf Zawacki-Richter zu Chancen und Möglichkeiten eines integrierten Kompetenzmanagements zur Förderung einer innovationsorientierten Unternehmenskultur folgt in Kapitel fünf eine Gegenüberstellung der beiden Kompetenzführungssysteme KODE® und GRID™ in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit zur Entwicklung von „Führungskompetenzen für Spitzenleistungen“. Im Ergebnis stellen die Autoren eine widerspruchsfreie Kompatibilität beider Systeme fest. Während bei KODE® der Kompetenzen-Atlas eine gezielte Auswahl der für Spitzenleistungen benötigten Kompetenzen ermöglicht, enthält GRID™ implizit eine Art Kompass zur Entwicklung von Führungsexzellenz.

In den nachfolgenden Kapiteln stehen verschiedene Anwendungsbereiche des KODE®-Systems im Focus: von Fallbeispielen in der Personalberatung über Studienwahlkompetenz bei Gymnasiasten bis hin zur Kompetenzentwicklung mit dem Ziel der strukturierten Leistungssteigerung im Unternehmen.

Den Abschluss bildet eine Abhandlung von Stefan Ortmann über die Implementierung eines hybriden Systems für Kompetenz- und Performanz-Management. Hierbei steht die Zusammenführung des Systems KODE®X, bei dem es sich um eine Weiterführung von KODE® in Richtung eines Kompetenzmanagementsystems handelt, mit der Balanced Scorecard im Mittelpunkt. Beide Modelle entsprechen strategieorientierten Systemen, wobei die Balanced Scorecard als übergeordnetes Managementsystem offener und breiter einsatzfähig ist als KODE®X. Mit der Zusammenführung beider Systeme entsteht nach Angaben des Autors ein Mehrwert, der sich in einem optimierten Personalmanagement widerspiegelt. Während die Rahmenvorgaben über die Balanced Scorecard erfolgen, wird die konkrete Kompetenzdefinition, -messung und -weiterentwicklung über das KODE®X-System abgebildet. Auf diese Weise werden Soll- und IST-Vergleiche sowie Kennzahlen zur Personalentwicklung ermöglicht.

Diskussion

Heyse, Erpenbeck und Ortmann haben mit der hier vorgelegten Publikation eine praxisnahe Abhandlung zum Thema Kompetenzermittlung und Kompetenzentwicklung vorgelegt. Im Zentrum des Sammelbandes steht KODE®, das - nach Angaben der Autoren - weltweit erste Analyseverfahren, welches „(…) die vier menschlichen Grundkompetenzen (…) [s.o., Anmerk. d. V.] direkt misst, sich konkret auf die moderne Selbstorganisationstheorie gründet, konkret auf die Kompetenzentwicklung und nicht nur auf die Kompetenzfeststellung ausgerichtet ist (und) [Ergänzung d. V.] Personen, Teams und Unternehmen exakt und unter einem gemeinsamen Blickwinkel zu analysieren gestattet.“ (s.S. 78 der Publikation). Die vier Grundkompetenzen können dabei sowohl unter relativ unkomplizierten Alltagsbedingungen als auch unter schwierigen Bedingungen in Alltags- und Berufssituationen analysiert werden. Mit der differenzierten Betrachtung der vier Ebenen „Handlungsideale“ (Idealvorstellung), „Handlungserwartungen“ (Absicht), „Handlungsvollzüge“ (Verhalten) und „Handlungsresultate“ (Wirkung) wird eine weitergehende Analyse in Aussicht gestellt. Wenn auch die durchgehende Fokussierung auf die beiden Verfahrenssysteme KODE® und KODE®X eine gewisse thematische Eingrenzung mit sich bringt, so wird mit der Darstellung ganz unterschiedlicher Praxisfelder, die von Schule über berufliche Weiterbildung bis hin zur Personal- und Organisationsentwicklung reichen, der unmittelbare Anwendungszusammenhang der hier vorgestellten Analyseverfahren in vielfältiger Weise skizziert und auf diese Weise wiederum auf eine breite Basis gestellt. Anhand einer Gegenüberstellung ähnlicher Verfahren arbeiten die Autoren darüber hinaus die Leistungsfähigkeit des KODE® und KODE®X-Systems detailliert heraus und zeigen perspektivisch den Mehrwert auf, der sich bei der Integration der beiden Systeme in bestehende Verfahren wie beispielsweise GRID™ oder die Balanced Scorecard erzielen lässt.

Fazit

Die von den Autoren im Vorwort definierten Zielsetzungen werden mit der vorliegenden Publikation erfüllt: Das Kompetenzermittlungs- und Kompetenzentwicklungsverfahren KODE® wird eingehend vorgestellt. Mit den im vorliegenden Sammelband enthaltenen Fallbeispielen bieten die Autoren der interessierten Leserschaft darüber hinaus einen differenzierten Einblick in unterschiedliche Aspekte der Kompetenzanalyse und Kompetenzentwicklung. Die Fokussierung auf KODE® und KODE®X wird durch die vergleichende Darstellung unterschiedlicher Verfahren verbunden mit dem Aufzeigen von Integrationsmöglichkeiten bestehender Systeme in die von den Autoren entwickelten Verfahren deutlich relativiert. Unter Berücksichtigung einer nicht einschlägig vorgebildeten Leserschaft sei in einem Punkt allerdings kritisch angemerkt, dass die Auflösung der Begriffsbildung KODE® erst an weit fortgeschrittener Stelle in Kapitel 3 erfolgt. Wesentliche Basisinformationen zu den hier vorgestellten Verfahrenssystemen im Rahmen des Vorwortes oder des einleitenden Kapitels wären im Sinne eines rundum gelungenen Sammelbandes sicher wünschenswert und sollten bei Neuauflage entsprechend berücksichtigt werden.

Rezension von
Dr. Margot Klinkner
Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen - ZFH
Autorin sowie Dozentin im Themenbereich Selbst- und Sozialkompetenz, Lehrbeauftragte für Kommunikation
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Es gibt 6 Rezensionen von Margot Klinkner.

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Zitiervorschlag
Margot Klinkner. Rezension vom 25.07.2011 zu: Volker Heyse, John Erpenbeck, Stefan Ortmann (Hrsg.): Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen. Praxiserprobte Konzepte und Instrumente. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2010. ISBN 978-3-8309-2335-0. Reihe: Kompetenzmanagement in der Praxis - Band 5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9703.php, Datum des Zugriffs 19.05.2022.


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