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Johann Weigert: Der Weg zum leistungsstarken Qualitätsmanagement

Cover Johann Weigert: Der Weg zum leistungsstarken Qualitätsmanagement. Ein praktischer Leitfaden für die ambulante, teil- und vollstationäre Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2008. 2., aktualisierte Auflage. 308 Seiten. ISBN 978-3-89993-206-5. D: 39,90 EUR, A: 40,30 EUR.
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Autor

Johann Weigert, Lehrer für Alten- und Krankenpflegeschulen, Heimleiter, TQM-Auditor für den Bereich Sozial- und Gesundheitswesen, seit 2002 Leiter des zentralen Qualitätsmanagements bei der DANA-Gesundheitseinrichtungen GmbH in Hannover.

Entstehungshintergrund

Der Autor hat aufgrund seiner vielfältigen praktischen Erfahrungen, durch eigene Tätigkeit, durch Lehre und Beratung erkennen können, welche typischen Fragen und Schwachstellen die Pflege begleiten. Nach einer reflektierten Auswertung seiner Erfahrungen veröffentlichte er mehrere Leitfäden und Hilfestellungen, an denen sich Pflegende orientieren können. Als Folgerung all dieser Arbeiten ist nun ein praktischer Leitfaden zum Aufbau eines Qualitätsmanagements für Pflegeeinrichtungen entstanden, überarbeitet und aktualisiert worden.

Aufbau

Das Buch umfasst zwei Teile und einen Anhang

Teil A: Bekenntnis und Auftrag zur Qualität

Auf den ersten Blick ist Qualitätsmanagement ganz einfach: Man muss wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist, und das sollte man auch nachweisen können. Doch bereits im Einleitungskapitel lässt der Autor keinen Zweifel daran, dass Qualitätsmanagement bei der Beachtung aller gesetzlichen, fachlichen und kundenbezogenen Anforderungen die Führung und die organisatorische Entwicklung der gesamten Pflegeeinrichtung betrifft. In dieser Einleitung werden dem Leser die unterschiedlichen Aufgaben, die sich mit Qualitätsmanagement verbinden, vor Augen geführt. Jenseits aller technischen Finessen steht und fällt der Erfolg des Qualitätsmanagements mit den Motivationen, den Einstellungen und den Fähigkeiten aller Mitarbeiter/innen sowie der Selbstverpflichtung der Führungskräfte: "Qualität ist abhängig von dem Können, Wollen, Dürfen" (S. 43).

Obgleich sich der Autor bei seinen Ausführungen überwiegend an der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff. (vgl. International Organization for Standardization) orientiert, verschweigt er nicht, dass Pflegeeinrichtungen, die nach diesem System zertifiziert sind, auch schlechte Bewertungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung erhalten können, sofern diese Pflegeeinrichtungen ihr Qualitätsmanagement nicht fachlich unterfüttert und kontinuierlich weiterentwickelt haben. Er plädiert dafür, die Leitlinien der ISO-Normen inhaltlich mit fachlichem Wissen, bezogen auf die gesetzlichen Anforderungen anzureichern. Dieses sei Aufgabe aller Beteiligten. Auf dem Weg zu einem leistungsstarken Qualitätsmanagement erhalten die Mitarbeiter/innen Anstöße, bestehende Strukturen, Abläufe und Arbeitsbeziehungen neu zu bewerten und bei Bedarf zu verbessern.

Schritt für Schritt erläutert der Autor, welche Qualitätsanforderungen zu beachten, umzusetzen und zu dokumentieren sind. Dabei werden sowohl aktuelle Vorschriften nach dem Pflegeversicherungsgesetz, Expertenstandards wie auch neue Entwürfe der ISO-Normen berücksichtigt und aufeinander bezogen.

Am Beispiel eines fiktiven Projektplans werden die einzelnen Schritte zur Implementierung eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagements dargestellt. Ferner wird beschrieben, welche Fachkräfte und Teams dafür verantwortlich sind und wie viel Zeit die Umsetzung in Anspruch nehmen könnte. Des weiteren werden die Vor- und Nachteile branchenunspezifischer und –spezifischer Zertifizierungen erörtert. Nach Meinung des Autors dürfe sich eine Integration verschiedener Systemanforderungen am besten dazu eignen, sowohl von den Mitarbeitern verstanden als auch externen Anforderungen gerecht zu werden.

Teil B: Darlegung und Umsetzung der Normanforderungen der ISO-Norm

Da die ISO-Norm lediglich eine Richtschnur dafür liefert, was zu beachten ist, muss das Wie der Umsetzung durch die Mitarbeiter/innen der Pflegeeinrichtung erarbeitet werden. Hierfür leistet der Autor eine beeindruckende Übersetzungsarbeit. Anhand zahlreicher Beispiele werden die einzelnen Schritte bis ins Detail gehend veranschaulicht. Es wird erläutert, wie Prozesse zu strukturieren und einander zuzuordnen sind. Ausführlich wird die Bedeutung der folgenden Normabschnitte für Pflegeinrichtungen erläutert:

  • Qualitätsmanagementsystem
  • Verantwortung der Leitung
  • Management von Ressourcen
  • Produktrealisierung
  • Messung, Analyse und Verbesserung

Des weiteren gibt es gute Hinweise zur Fehleranalyse und zum Risikomanagement. Arbeitsschutz-Managementsysteme und Hygienevorschriften können in das Handbuch zum Qualitätsmanagement integriert werden.

Abschließend gibt es Information zu weiteren Qualitätsmanagement-Systemen.

Der Anhang enthält ausführlichen Begriffserklärungen und viele Beispiele zur Gestaltung der Prozessbeschreibungen.

Diskussion

Einerseits finden wir hier einen hervorragenden Leitfaden für den Aufbau eines umfassenden Qualitätsmanagements in Pflegeeinrichtungen. Andererseits könnte sich ein Anfänger in Sachen Qualitätsmanagement entmutigt fühlen, angesichts der Fülle von zu bewältigenden Aufgaben und des sperrigen Sprachkorsetts der ISO-Normen. Doch auch hier hilft der Autor bei genauerem Lesen: Er empfiehlt, das Qualitätsmanagement an den spezifischen Bedürfnissen und Abläufen der jeweiligen Einrichtung zu orientieren. Auch sollen der Dokumentationsaufwand und der Bearbeitungsumfang allein von der Pflegeeinrichtung bestimmt werden. Außerdem erleichtern Strukturierungs- und Moderationsbeispiele den Einstieg. Aber – so die Meinung des Autors – es bedarf eines stabilen Durchhaltevermögens.

Fazit

Das Buch liefert eine materialreiche Arbeitsgrundlage für alle im Bereich der Pflege Tätigen wie auch für Lehrende und Studierende in Studiengängen zum Gesundheitswesen. Darüber hinaus erfahren auch Qualitätsbeauftragte und Führungskräfte, die bereits ein Qualitätsmanagement für ihre Einrichtungen geschaffen haben, wie sie das bisher Erarbeitete verbessern und weiterentwickeln können.

Bei der Frage, ob der geforderte Aufwand den Ertrag rechtfertigt, wird zukünftig zu erkunden sein, auf welche Weise sich das System vereinfachen und verdichten ließe.


Rezensentin
Prof. Dr. Marianne Meinhold
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Zitiervorschlag
Marianne Meinhold. Rezension vom 28.01.2009 zu: Johann Weigert: Der Weg zum leistungsstarken Qualitätsmanagement. Ein praktischer Leitfaden für die ambulante, teil- und vollstationäre Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2008. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-89993-206-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/971.php, Datum des Zugriffs 18.11.2018.


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