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Christiane Götze, Ronald Lutz u.a. (Hrsg.): Frühe Hilfen in der Praxis

Cover Christiane Götze, Ronald Lutz, Carsten Nöthling (Hrsg.): Frühe Hilfen in der Praxis. Paulo Freire Verlag (Oldenburg) 2009. 129 Seiten. ISBN 978-3-86585-652-4. 22,90 EUR.

Reihe: Erfurter Hefte - Band 02.
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Thema

Im Koalitionsvertrag der damaligen Bundesregierung wurde im Jahre 2005 der Schutz gefährdeter Kinder bekräftigt und daraus folgend das Aktionsprogramm „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ ins Leben gerufen.

Durch ein breit angelegtes Maßnahmenpaket sollen möglichst viele Eltern und Kinder vom vorgeburtlichen Alter bis zum Alter von circa drei Jahren erreicht werden. Durch eine bessere Vernetzung, vor allem von Jugendhilfe- und Gesundheitssystem, sollen auch Familien erreicht werden, deren Lebenssituation durch hohe Belastungen gekennzeichnet ist.

Die Beiträge des Buches basieren auf einer Fachtagung, die Ende Oktober 2008 in Erfurt stattfand.

Aufbau und Inhalt

Nach einer Einführung von Christiane Götze und Carsten Nöthling geht Ronald Lutz auf die Probleme „erschöpfter Familien“ ein. Frühe Hilfen bedürfen einer engen Vernetzung im Sozialraum; die Ausweitung gesundheitsbezogener Früher Hilfen auch auf Folgen familiärer Armut wird gefordert.

Im nächsten Beitrag fordert Hubertus Lauer die Ausformulierung einzelner Grundrechte der Kinder in der Verfassung sowie eine vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls bei allen Maßnahmen privater und öffentlicher Einrichtungen. Er macht deutlich, dass Kindeswohl und Kindeswohlgefährdung über das innerfamiliäre Verhältnis Eltern - Kind hinausgeht.

Alexandra Sann und Reinhild Schäfer führen aus, dass Frühe Hilfen spezifisch auf das Vernachlässigungs- und Misshandlungsrisiko fokussieren, nicht allgemein auf das Risiko von Entwicklungsstörungen. Sie geben einen Überblick über das Aktionsprogramm der Bundesregierung und der Länderprojekte unter dem Dach des Nationalen Zentrum Frühe Hilfen. Dem schließt sich ein Überblick über die Maßnahmen im Bundesland Thüringen an (Klaus Dietrich).

Aus der Praxis berichten die nächsten drei Beiträge: Carsten Bromann stellt die Arbeit der Familienberatungsstellen und deren Angebote unter dem Fokus der Frühen Hilfen dar, G. Walter und M. Weise-Watzek beschreiben den Aufbau eines Frühwarnsystems in einem Landkreis und Tanja Wedel berichtet über Erfahrungen mit dem Familienprogramm „Schritt für Schritt spielend lernen“

Ute Meier-Gräwe thematisiert die Bedeutung von Armutsprävention und arbeitet verschiedene familiäre Typen des Umgangs mit diesen prekären Lebenssituationen heraus, die einen wesentlichen Ansatz für zielgenaue Hilfen bieten.

Meike Hanisch überprüft die Zugangswege zu Frühen Hilfen auf ihre Alltagstauglichkeit. Sie beschreibt relevante Merkmale von Eltern und Kindern und diskutiert für unterschiedliche Module, vom Screening bis zur Erziehungsberatung, deren Niederschwelligkeit, Stigmatisierungsgefahr, Nachhaltigkeit, bis hin zu deren Akzeptanz und dem Beitrag zum Schutz des Kindeswohls.

Diskussion

Die Frühen Hilfen werden in den Bundesländern und den einzelnen Kommunen (mit unterschiedlicher Intensität und unterschiedlicher finanzieller Ausstattung) weiterentwickelt, unterschiedliche Formen der Vernetzung werden gefunden.

Die einzelnen, oft nur kurzen Beiträge, sind informativ und anregend. Obwohl natürlich nur der Stand der Diskussion Ende 2008 wiedergegeben werden kann, sind die Beiträge auch heute meist noch von Interesse.

Eine etablierte Hilfeform, die einen guten Zugang zumindest zu einem (gefährdeten) Teil der Kinder hat, zu der Eltern Vertrauen haben und sich weniger kontrolliert fühlen, und die in der Regel gut in der Region vernetzt ist, wird in der Diskussion dieser Tagung weitgehend ignoriert: die (interdisziplinäre) Frühförderung. Obwohl Frühförderung in der Darstellung von Sann und Schäfer im Netz der Frühen Hilfen zusammen mit Gesundheitssystem, Jugendhilfe und Schwangerenberatung aufgeführt wird, vermisse ich sie z.B. im Überblick bei Hanisch.

Hilfreich wäre ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren, um ihre Herkunft und Verortung besser einschätzen zu können.

Fazit

Ein kleines Büchlein, das zwar den Stand zu einem bestimmten Zeitpunkt widerspiegelt, aber deren einzelnen Beiträge in der Diskussion noch nicht überholt sind.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 23.09.2011 zu: Christiane Götze, Ronald Lutz, Carsten Nöthling (Hrsg.): Frühe Hilfen in der Praxis. Paulo Freire Verlag (Oldenburg) 2009. ISBN 978-3-86585-652-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9722.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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