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Peter Klös, Stefan Höfer: Beruf Planung

Cover Peter Klös, Stefan Höfer: Beruf Planung. Zwischen Engagement und Auftrag. Paulo Freire Verlag (Oldenburg) 2009. 121 Seiten. ISBN 978-3-86585-803-0. 22,90 EUR.

Reihe: Lebenswelten - Band 3.
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Thema

Planer und Architekten trauen sich gegenseitig nicht immer. Der Architekt ist eigentlich der Künstler - so versteht er sich und der Planer ist einer der ausführt. Es gab eine Zeit, in der sich jede Stadt, die auf sich hielt, auch einen Planer hielt - sogar einen Sozialplaner. Planung zum Beruf zu machen und dazu noch zu einem engagierten Beruf, in dem Akzente von Stadt(entwicklungs-)planung gesetzt werden, wird zwar immer wichtiger, aber die Bedeutung der Planung für die Stadt wird dem Status der Planer nicht immer gerecht. Vor diesem Hintergrund reflektieren die Autoren ihren eigenen Berufstand, der zunehmend auch mit Anforderungen konfrontiert ist, die Planungsprozesse zu Moderations- und Aushandlungsprozessen werden lassen, weil aus der Sicht der Planer vielleicht doch zuviel mitmischen.

Herausgeber und Autorinnen / Autoren

Der Herausgeber des Bandes Peter Klös ist Kulturanthropologe, Stefan Höfer ist Stadtplaner in Bad Vilbel.

Die Autorinnen und Autoren sind zum großen Teil Stadtplaner und -planerinnen, einige kommen aus anderen Bereichen wie der Wohnungswirtschaft und anderen Handlungsfeldern der Wirtschaft. Michael Peterek, der gesondert mit einem Beitrag auftritt, ist Architekt und Stadtplaner und seit 2000 Professor für Städtebau und Entwerfen an der Fachhochschule Frankfurt/M.

Entstehungshintergrund

Peter Klös und Stefan Höfer haben sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Restriktionen und Auflagen für die Planung und vor dem Hintergrund von Finanzkrise, Auftraggeber im öffentlichen Raum und ihre Ansprüche gefragt, mit welchen Dispositionen und Einstellungen, Motiven und Engagement man heute noch Planung betreiben kann. Sie haben dies 60 Kolleginnen und Kollegen gefragt, sechs von ihnen haben geantwortet und ihre Antworten wurden in diesen kleinen Sammelband zusammengestellt.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Einleitung und dem eher grundsätzlich gehaltenen Beitrag von M. Peterek folgen vier Beiträge der befragten Stadtplaner und -planerinnen.

In ihrer Einleitung setzen sich die beiden Herausgeber des Bandes mit der Stadt - auch im Unterschied zum ländlichen Raum - auseinander. Sie versuchen eine historisch-soziologische Verortung der Stadt als Wohnstandort im Zeichen des gesellschaftlichen Wandels, der entgrenzend wirkt, mobiler macht, andere kulturelle Muster hervorbringt als die traditionelle Gemeinschaftsform des Dorfes oder der Kleinstadt.

Sie erläutern dann noch die Funktionen der Stadt (Charta von Athen) und die gesetzlichen und strukturellen Vorgaben heutiger Planungsprozesse.

M. Petereck reflektiert in seinem Beitrag alte und neue Aufgaben der Stadtplanung. Er sieht eine Renaissance der Stadt(entwicklungs)planung, setzt sich mit der beschleunigten weltweiten Urbanisierung auseinander, die sich kulturell ausdifferenziert und nicht immer das mit sich bringt, was wir mit Urbanität der europäischen Stadt verbinden. Dies gilt vor allem für die Metropolen des Südens, in denen informelle Stadtbildungsprozesse sich verstärkt ausbilden und eine neue Form urbaner Armut erzeugt wird. Es entstehen neue Muter und Typologien der Stadt, Metropolregionen und andere Siedlungsformen.

Diese ganze Entwicklung schreit geradezu förmlich nach interdisziplinärer Vernetzung sozial- und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Ansätze mit denen der Planung. Und verantwortliche Planung hat auch dafür zu sorgen, dass lokale Vernetzung möglich ist. Man ist nicht überall zu Hause; kleinräumige Strukturen werden immer wichtiger für die Frage, wie Menschen sich sozial verorten können, ihren Alltag im Vertrauen auf ihre Umgebung bewältigen, Anerkennung erfahren und sich zugehörig fühlen.

Es folgen nun vier Portraits von Planerinnen und Planern, die sich "über den Plan hinaus" Gedanken um ihre Profession und ihre Funktion gemacht haben:

  • Ian Shaw (Frankfurt) nennt sein Portrait "Die Gedanken betreten können".
  • Frank Uwe Pfuhl (Niddatal) reflektiert über Ökologie zwischen Landschafsplanung, Stadtmarketing und Solarchafé.
  • Birgit Diesing und Irmgard Lehn (Darmstadt) fragen sich, wie man "Zusammen den richtigen Ton treffen" kann.
  • Rüdiger Wichers und Dieter Peters (Bad Vilbel) nennen ihr Portrait "Praxis und Erfahrung oder: Der Appetit kommt beim Essen".

Allen Portraits gemeinsam ist die reflektierte Mischung persönlicher Erfahrungen, biographischer Stadien und der Profession des Planers/der Planerin. Dabei geraten die Reflexionen oft auch ins Philosophische; manchmal werden biographische Ereignisse auch auf einer eher tragisch-komischen Art mit der Profession bzw. dem professionellen Handeln verbunden.

Das Buch schließt mit einer Literaturliste ab, die dem Titel durchaus gerecht wird: Etwas Literatur.

Diskussion

Dieses Buch ist zweigeteilt: Der Beitrag von Peterek und die Portraits. Der Beitrag von M. Petereck hebt sich deutlich in seiner analytischen Zugangsweise zum Thema ab von den Portraits.

In den Portraits werden eher Erkenntnisse vermittelt, die nur selten zu einem Aufhorchen anregen. Manchmal fragt man sich auch "Wer hätte jetzt das gedacht?"

Auch die anschließende Reflexion des Ganzen unter dem Titel "Was bleibt?" bleibt hinter den Erwartungen zurück. Hier hätte die Chance bestanden, der Beruf des Planers und der Planerin in einen wissenschaftstheoretischen Kontext einzubetten - etwa in der Frage: Wo steht die Planung heute im wissenschaftstheoretischen Diskus und liegt es möglicherweise auch diesen Diskursen, die Interdisziplinarität verhindern, zumindest aber nicht befördern. Wie ernst nehmen wir in Planungs- und Ingenieurwissenschaften sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und dürfen wir uns angesichts der Antwort auf diese Frage noch wundern, wenn Planung dann in dem stecken bleibt, was in den Portraits dann öfters auch bedauert wird?

Fazit

Ein Buch, das - abgesehen vom ersten Beitrag - in seiner feuilletonistischen Art lesenswert ist und vielleicht auch einige Gedanken zum Weiterdenken anregen mag.


Rezension von
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 09.07.2010 zu: Peter Klös, Stefan Höfer: Beruf Planung. Zwischen Engagement und Auftrag. Paulo Freire Verlag (Oldenburg) 2009. ISBN 978-3-86585-803-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9723.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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