socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Marcus Flachmeyer, Ortrud Harhues u.a. (Hrsg.): Wissen, was ich kann (Erfassung von Kompetenzen)

Cover Marcus Flachmeyer, Ortrud Harhues, Heike Honauer, Andreas Schulte Hemming (Hrsg.): Wissen, was ich kann. Verfahren und Instrumente der Erfassung und Bewertung informell erworbener Kompetenzen. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2010. 116 Seiten. ISBN 978-3-8309-2349-7. 19,90 EUR.

Unter Mitarbeit von Asja-Berenike Schüller, Lilia Suppes.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Im Fokus des Buches steht das Thema „Kompetenzerwerb“. Der Band ist konzipiert als Handreichung für Bildungseinrichtungen, die interessierte BürgerInnen in Bezug auf Kompetenzanalysen beraten.

Autorinnen und Autoren

Die AutorInnnen des Buches haben überwiegend Erfahrungen als LeiterInnen von Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Entstehungshintergrund

Im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projektes „Indentifizierung, Bewertung und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen“ (IBAK) wurden Verfahren und Instrumente der Identifizierung und Bewertung von informell erworbenen Kompetenzen zusammengetragen und in Synopsen abgebildet. Diese über 50 „Steckbriefe“ bilden den inhaltlichen Kern des kleinen Bandes (110 Seiten), der als erweiterte Projektveröffentlichung gewertet werden kann.

Aufbau und Inhalt

Der Inhalt des Buches ist in acht kurze Beiträge der HerausgeberInnen gegliedert, die sich mit verschiedenen Facetten der Kompetenzerfassung beschäftigen. Abgerundet wird der Inhalt in einem neunten Kapitel mit einem kleinen Glossar, in dem die gängigen Begriffe kurz und prägnant definiert werden.

Im ersten Kapitel nimmt Markus Flachmeyer eine Einordnung des Themas in Bezug auf die deutsche und europäische Bildungsforschung und –politik vor.

Das zweite Kapitel geht auf die Initiativen und Ansätze der Kompetenzerfassung in Deutschland ein.

Markus Flachmeyer und Lilia Suppes konstatieren im dritten Kapitel: „nach einer jahrzehntelangen Fokussierung auf institutionelle Lehr- und Lernprozesse dehnte sich das Interesse nun auf die Lernprozesse aus, die in Settings jenseits der Bildungsinstitutionen zu beobachten waren“ (S. 14). Systematisierungsversuche der Verfahren des Kompetenzerwerbs werden im dritten Kapitel von Andreas Schulte Hemming und Lilia Suppes vorgestellt.

Das vierte Kapitel –verfasst von Andreas Schulte Hemming und Asja-Berenike Schüller – stellt die Zielsetzung des IBAK-Projektes vor. Neben der Inventarisierung, sollen die Verfahren und Instrumente zur Erfassung von informell erworbenen Kompetenzen einer breiten Öffentlichkeit mit Hilfe einer Datenbank zur Verfügung gestellt werden. Des Weiteren soll interessiertes Fachpublikum durch die Ergebnisse des Projektes neue Impulse und die Möglichkeit zur Kooperation erhalten.

Andreas Schulte Hemming und Asja-Berenike Schüller stellen im fünften Kapitel die 51 Synopsen vor, die das Kernstück des Bandes bilden. Die Synopsen sind in die Kategorien: Zielgruppe der Kompetenzerfassung , Beschreibung des Kompetenztests, Methoden/Instrumente, Ziele/Ergebnisse, Zeitbedarf, Lizenzvergabe, Kosten, Anbieter, Entwickler unterteilt und dadurch sehr gut vergleichbar.

Im Anschluss nehmen Ortrud Harhues und Heike Honauer im sechsten Beitrag ein bislang eher randständiges Thema in den Blick, nämlich Kompetenzerwerb im Bereich des freiwilligen Engagements. Zum einen erwerben Engagierte Kompetenzen innerhalb ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zum anderen werden Kompetenzen aus einem Lebensbereich in einen anderen übertragen. In einigen Engagementfeldern bieten Träger Kurse zum Erwerb von Kompetenzen an; hier werden im Folgenden beispielhaft zwei Projekte beschrieben. Bezogen auf Kompetenznachweise, die für freiwilliges Engagement erstellt werden, unterscheiden die Autorinnen in

  • Verfahren, die Jugendliche als Zielgruppe haben;
  • Verfahren, die eigenständig ohne Beratung/Begleitung zu absolvieren sind und in
  • Verfahren, die auf die Einholung von Zertifikaten setzen (vgl. S 88).

Träger und Engagierte verbinden mit Kompetenznachweisen unterschiedliche Ziele. Den Trägern geht es vorrangig um Anerkennung des Einsatzes, den Engagierten häufig auch um die Hoffnung den (Wieder-)Einstieg in das Erwerbsleben mit Kompetenznachweisen leichter zu bewältigen. Allerdings so die Autorinnen, sind die Unternehmen häufig schlecht über institutionalisierte Kompetenznachweise informiert. Auf Trägerseite schwingt beim Thema Kompetenznachweis die Sorge mit, dass durch das Ausstellen von Kompetenznachweisen, das Ehrenamt nur zu diesem Zwecke aufgenommen werden könnte. Insgesamt stellen die Autorinnen im Bereich des Kompetenzerwerbs im Bezug auf freiwilliges Engagement ein Forschungsdesiderat fest.

Im siebten Kapitel beleuchtet Andreas Schulte Hemming die Rolle der psychometrischen Verfahren im Bereich der Kompetenznachweise. Psychometrische Verfahren sind objektive Messverfahren und werden von Nutzern ambivalent bewertet. Mittlerweile werden diese Tests häufig durch qualitativ ausgerichtete Verfahren und Instrumente ergänzt, so dass weitere Kompetenzen in den Blick genommen werden können und die Akzeptanz durch die Beurteilten erhöht wird.

Im abschließenden Beitrag stellen Ortrud Harhues und Heike Honauer „einige kritische Anfragen zur Kompetenzfeststellung in Deutschland“ (S. 99) und stellen fest, dass Kompetenzfeststellungen in Deutschland überwiegend in Bezug auf berufliche Qualifikation vorgenommen werden und Kompetenzidentifikation und Kompetenzorientierung ansonsten kaum eine Rolle spielt. „Hier bildet sich (…) die für Deutschland klassische inhaltliche und institutionelle Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung ab.“(S. 100). Einen neuen Weg beschreiten hier die Bildungseinrichtungen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Es werden in Anlehnung an Oskar Negt sechs sogenannte gesellschaftliche Kompetenzen benannt (z. B. ökologische Kompetenz, historische Kompetenz, Gerechtigkeits- und Solidaritätskompetenz). Diese Kompetenzen werden mit den Selbstorganisationsdispositionen nach Erpenbeck in Beziehung gesetzt und dem Bildungsansatz innerhalb der Organisation zugrunde gelegt. Erreicht werden soll damit ein “Kompetenztransfer zwischen verschiedenen Lebensbereichen“ (S. 102).

Diskussion

Das Projekt, das dieser Veröffentlichung zugrunde liegt, hat u. a. das Ziel Verfahren und Instrumente zur Erfassung von informell erworbenen Kompetenzen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das vorliegende Buch trägt zur Zielerfüllung bei. Insbesondere der Kern des Buches, die 50 Synopsen zur Kompetenzermittlung, die hier zusammengetragen wurden, sind für alle, die sich mit dem Thema Kompetenzanalyse beschäftigen, eine wertvolle Information. Um diesen inhaltlichen Kern herum, wurden – eher deskriptiv und in der Themenauswahl etwas eklektisch - verschiedene Bezüge zum Thema in sehr kurzen schlaglichtartigen Beiträgen vorgenommen, die die Basis für weitere Recherchen und Forschungen darstellen könnten.

Fazit

Für LeserInnen, die sich mit dem Thema „Kompetenzerwerb“ aus verschiedener Perspektive beschäftigen, bietet diese kleine Einführung einen guten Einstieg. Das Thema „Kompetenzerfassung“ wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln in sehr kurzen Beiträgen beleuchtet. Insbesondere die über 50 Synopsen, die einen sehr guten Überblick zu den unterschiedlichsten Testverfahren zur Kompetenzanalyse verschiedenster Zielgruppen (z. B. Schülerinnen, Arbeitnehmervertretungen, Studierende) geben, machen das Büchlein zu einem interessanten Überblickswerk.


Rezension von
Prof. Dr. Andrea Helmer-Denzel
Studiengang „Senioren/Sozial-gesundheitliche Dienste-Bürgerschaftliches Engagement“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg - Heidenheim
E-Mail Mailformular


Alle 7 Rezensionen von Andrea Helmer-Denzel anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Andrea Helmer-Denzel. Rezension vom 21.12.2010 zu: Marcus Flachmeyer, Ortrud Harhues, Heike Honauer, Andreas Schulte Hemming (Hrsg.): Wissen, was ich kann. Verfahren und Instrumente der Erfassung und Bewertung informell erworbener Kompetenzen. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2010. ISBN 978-3-8309-2349-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9767.php, Datum des Zugriffs 23.09.2021.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht