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Pasqualina Perrig-Chiello, François Höpflinger: Gesundheitsbiographien. Variationen und Hintergründe

Rezensiert von Dr. rer. medic. Christine Riesner , 29.07.2003

Cover Pasqualina Perrig-Chiello, François Höpflinger: Gesundheitsbiographien. Variationen und Hintergründe ISBN 978-3-456-83955-4

Pasqualina Perrig-Chiello, François Höpflinger: Gesundheitsbiographien. Variationen und Hintergründe. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2003. 240 Seiten. ISBN 978-3-456-83955-4. 22,95 EUR.
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Vorbemerkungen

In diesem Buch wird den Fragen nachgegangen, welche Faktoren für die Gesundheit verschiedener Bevölkerungsgruppen bedeutsam sind. So wird die Gesundheit der Geschlechter betrachtet, wie auch Gesundheit und Wohlbefinden im höheren Lebensalter. Der familiäre Kontext von Gesundheit wird in den Blick genommen und sozio- und interkulturelle Aspekte der Gesundheit werden besprochen. Ebenso wird den Themen der Gesundheitsförderung Raum gegeben. Damit werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die bezogen auf die Gesundheit bestehen, im fundierten Überblick zur Verfügung gestellt und die Frage der Gesunderhaltung wird insgesamt in den Mittelpunkt der Betrachtungen gerückt. Damit gibt das Buch Einblick in heute wesentliche gesundheitspolitische Fragen, denn nicht mehr die Frage: "was ist und wie entsteht Krankheit" allein kann zukunftsweisend sein, sondern gerade die Frage: "wie wird Gesundheit erhalten" ermöglicht sinnvolle Interventionen. Die Autoren belegen mit ihren Ausführungen den eigenständigen Wert der Gesundheit, dessen Erhaltung und Wiederherstellung eine multiprofessionelle Aufgabe sein muss.

Gerade weil hier ein breiter Einblick in wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesen Themen gegeben wird, soll im Folgenden auf jeden Artikel kurz eingegangen werden.

Die Autoren

In diesem Buch sind Beiträge folgender Autoren veröffentlicht:

  • Abel, Thomas, Prof. Dr. Dr., Abteilung für Gesundheitsforschung am ISPM Bern
  • Berna, Chantal, Cand.med.
  • Duetz-Schmucki, Margreet, Dr. med., Abteilung für Gesundheitsforschung am ISPM Bern
  • Höpfinger, Francois, Prof. Dr., Soziologisches Institut der Universität Zürich
  • Jagdfeld, Frank, Klinik für Psychosomatik der RWTH Aachen
  • Kalbermatter, Elsbeth, lic. phil., Psychogeriatrischer Dienst, Psychiatriezentrum Oberwallis
  • Kuhlmey, Adelheid, Prof. Dr. phil., Freie Universität Berlin, Institut für Medizinische Soziologie
  • Luban-Plozza, Boris, Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult.
  • Moser, Rupert, Prof. Dr. phil., Collegium generale, Universität Bern
  • Perren, Sonja, Dr. phil., Psychologisches Institut der Universität Zürich
  • Perrig- Chiello, Pasqualina, Prof. Dr. phil., Institut Universitaire Kurt Bösch
  • Petzold, Ernst R., Prof. Dr. med., Klinik für Psychosomatik der RWTH Aachen
  • Petzold, Ursula, Dr. med.
  • Schnyder, Walter, lic. phil., Kantonale Dienststelle für die Jugend, Sitten
  • Settertobulte, Wolfgang, Dr. Public Health, Dipl.-psych., Universität Bielefeld, WHO Collaborating Centre
  • Steck, Barbara, PD Dr. med., Kinder- und Jugendpsychiatrische Universitätsklinik und- poliklinik Basel
  • Sturzenegger, Matthias, lic. phil.

Aufbau und Inhalte

Die multiplen Facetten von Gesundheitsbiographien (Perrig- Chiello). Eine Einleitung in das Thema Gesundheit, Gesundheitsbiographien und Prävention, in der die politische Bedeutung dargelegt wird und in das Buch eingeführt wird.

Intra- und individuelle Aspekte
  • Gesundheitsbiographien im Geschlechtervergleich (Kuhlmey). Hier wird dargestellt, welche Zusammenhänge es zwischen der unterschiedlichen Lebenserwartung von Männern und Frauen gibt und wie deren Gesundheitsverhalten sich anhand verschiedener Aspekte unterscheidet. Der Beitrag fasst den aktuellen Wissensstand zusammen.
  • Wohlbefinden, Gesundheit und Ressourcennutzung im mittleren und höheren Lebensalter (Perrig-Chiello; Sturzenegger). Hier werden die Ergebnisse einer umfangreichen Studie dargelegt, wobei diese jeweils im Geschlechterunterschied betrachtet werden. Ein markantes Resultat ist, dass trotz sich objektiv verschlechternder Ressourcen im höheren Lebensalter die subjektive Beurteilung dieser Verschlechterung vergleichsweise optimistisch ausfällt.
  • Gesunde und autonome Lebensjahre- Zur Entwicklung der behinderungsfreien Lebenserwartung (Höpfinger). Hier wird die gegenwärtige Erkenntnislage anhand verschiedener Forschungsergebnisse zur Lebenserwartung bezogen auf behinderungsfreie Jahre besprochen. Die Diskussion bezieht sich auf die Entwicklungen in der Schweiz und ihrer Nachbarländer.
Familiäre und intergenerationelle Aspekte
  • Stress und Familie - Risiken und Chancen (Luban-Plozza). Der Autor entwirft eine Problembeschreibung familiärer Konflikte und gibt Hinweise für psychosomatische Therapieansatze. Dabei wird auch ein Zusammenhang zu Balintgruppen und Monte-Veritˆ Gruppen hergestellt.
  • Gesundheitsbiographien im familiären Kontext - eine Mehrgenerationenperspektive (Petzold; Berna; Jagdfeld; Petzold). Dieser Beitrag befasst sich mit dem Kontinuum von Gesundheit und Krankheit. Dabei wird auch anhand von Beispielen die familiale Mehrgenerationenperspektive besprochen, die eine wesentliche Komponente in der subjektiven Wirklichkeit der Patienten bildet.
  • Kinder kranker Eltern - Psychosoziale Situation und Krankheitsverarbeitung in Familien mit einem an Multipler Sklerose erkrankten Elternteil (Steck). Auf einer Studie von 52 Familien aufbauend, werden die familialen Dimensionen einer bisher unheilbaren chronischen Erkrankung eines Elternteils besprochen. Dabei werden geschlechtsspezifische Unterschiede in der Verarbeitung und in den Reaktionen aller Beteiligten herausgearbeitet und aufgrund der Ergebnisse eine grundsätzliche psychotherapeutische Begleitung der Familien angeregt.
  • Das Erleben von Krankheit und Tod im mittleren Erwachsenenalter (Perren; Perrig-Chiello). Die Autoren gehen der Frage nach, wie sich die Pflegebedürftigkeit und der Tod der Eltern auf die Befindlichkeit der Angehörigen im mittleren Erwachsenenalter auswirken. Hierzu wurde eine Longitudinalstudie durchgeführt, die im Beitrag ausgewertet wird. Die Ergebnisse werden in ihren geschlechtsspezifischen Differenzierungen besprochen.
Sozio- und interkulturelle Aspekte
  • Gesundheitskonzepte im intra- nationalen Vergleich: empirische Explorationen zwischen West- und Deutschschweiz (Duetz-Schmucki; Abel). Anhand von Daten der UNIVOX-Befragung 1999 werden die Gesundheitskonzepte von zwei kulturell und sprachlich unterschiedlichen Regionen der Schweiz untersucht und diskutiert.
  • Vorstellungen, Einstellungen und Praktiken traditioneller afrikanischer Kulturen bezogen auf Gesundheit und Krankheit, Alter und Tod (Moser). Dieser Beitrag gibt einen Überblick in die afrikanische Sicht, ohne eine weitere kulturelle Differenzierung vorzunehmen. Dargestellt werden die verschiedenen Gründe, die zu einer Erkrankung führen, die eine kausale (biomedizinische) und eine finale (transzendentale) Ursache haben können. Beide Ursachen werden im Zusammenhang verstanden, so dass eine biomedizinische Krankheitsursache transzendente Hintergründe haben kann und umgekehrt. Ebenfalls wird die Bedeutung der abfolgenden Lebensphasen bezogen auf Gesundheit und Krankheit erläutert.

Divergenzen und Differenzen als Herausforderung - Implikationen für die Gesundheitsförderung

  • Gesundheitsstörungen von jungen und älteren Menschen im Vergleich und Implikationen für die Versorgung und Gesundheitsförderung (Settertobulte). Der Autor widmet sich dem komplexen Geschehen der Gesundheit in verschiedenen Generationen. Der Lebensstil von Generationen wird durch kulturelle, politische und ökologische Faktoren geprägt, verschiedene Generationen machen hier unterschiedliche Erfahrungen, was sich auch in der generationenspezifischen Häufigkeitsverteilung für bestimmte Krankheiten zeigt.
  • Prävention im Kindes- und Jugendalter: Überlegungen aus der Praxis (Schnyder). Der Autor gibt einen Überblick über die bisherige Entwicklung der Kinder- und Jugendprävention bezogen auf Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung. Der politische Rahmen für Kinder- und Jugendprävention wird dargestellt und auf häufig noch unkoordiniertes Vorgehen in Schulen wird Bezug genommen. Dann entwickelt der Autor anhand der dargestellten Schwachstellen einen Strukturplan für nachhaltige Prävention, die Schule, Eltern und Aus- und Fortbildung/Forschung einbezieht.

Prävention - Wohlbefindensförderung in der dritten Lebensphase (Kalbermatter). Der Beitrag beginnt mit der Darstellung der theoretischen Konzepte zur Gesundheit im Alter und Wohlbefinden, beschreibt dann Prämissen für psychogeriatrische Arbeit und geht im Anschluss auf die praktischen Erfahrungen mit psychogeriatrischer Arbeit in Oberwallis, Schweiz ein.

Ausblick und Forschungsperspektiven (Höpfinger). Hier werden die dargestellten Inhalte resümiert und diskutiert.

Fazit

Die Autoren belegen nachhaltig die Bedeutung der Gesundheit und beleuchten verschiedene individuelle Aspekte des Gesundseins und der Gesunderhaltung. Gesundheit ist damit mehr als die Abwesenheit von Krankheit, beide stehen in einem Kontinuum und schließen sich nicht aus.

Das Buch gibt einen wertvollen Einblick für alle Professionen, die sich mit Gesundheitserziehung, Psychologie, Pflege, Medizin u.a. befassen. Das Buch ist als ein wissenschaftlicher Beitrag zu verstehen, dessen Aussagen hauptsächlich empirisch begründet werden und die Erkenntnisse aus der Literatur zusammenführen. Durch die Vielfalt der Beiträge und die fundierten Zusammenfassungen der einzelnen Beiträge wird ein umfassender Überblick gegeben, der durch die in jedem Beitrag angefügte Literaturübersicht individuell leicht erweiterbar ist.

Das Preis-Leistungsverhältnis ist deutlich positiv zu bewerten.

Rezension von
Dr. rer. medic. Christine Riesner
Leiterin des Referats "Grundsatzfragen der Pflegewissenschaft- und pädagogik / Modellstudiengänge" Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
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Es gibt 14 Rezensionen von Christine Riesner .

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Zitiervorschlag
Christine Riesner . Rezension vom 29.07.2003 zu: Pasqualina Perrig-Chiello, François Höpflinger: Gesundheitsbiographien. Variationen und Hintergründe. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2003. ISBN 978-3-456-83955-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/982.php, Datum des Zugriffs 19.05.2022.


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