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Christian Reutlinger, Annegret Wigger (Hrsg.): Transdisziplinäre Sozialraumarbeit

Cover Christian Reutlinger, Annegret Wigger (Hrsg.): Transdisziplinäre Sozialraumarbeit. Grundlegungen und Perspektiven des St. Galler Modells zur Gestaltung des Sozialraums. Frank & Timme (Berlin) 2010. 155 Seiten. ISBN 978-3-86596-236-2. D: 19,80 EUR, A: 14,80 EUR.

Reihe: Transposition - Ostschweizer Beiträge zu Lehre, Forschung und Entwicklung in der sozialen Arbeit - Band 1.
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Herausgeber und Herausgeberin

Christian Reutlinger und Annegret Wigger sind beide an der FHS St. Gallen tätig und forschen in den Bereichen Transnationale Soziale Arbeit, Sozialgeographie, Sozialraum, Professionsforschung, Heimerziehung und Partizipation.

Thema

Vor dem Hintergrund der stark zunehmenden Bedeutung von sozialraumorientierten Handlungsperspektiven wird ein grober Überblick über die Typologie der Sozialraumorientierung gegeben, wobei die Transdisziplinarität hervorzuheben ist.

Aufbau

Das Buch ist nach der Einleitung in fünf Kapitel aufgeteilt, die von einem fünfköpfigen AutorInnenteam verfasst bzw. zusammengestellt wurden. In der Einleitung wird allgemein über transdisziplinäre Sozialraumarbeit informiert.

Zu Kapitel 1)

Das St. Galler Modell – eine Denkfigur zur Gestaltung des Sozialraumes (Christian Reutlinger, Annegret Wigger). Interdiziplinäre Raumsprache, Sozialraumorientierung, als Ausgangspunkt um das Verhältnis von Raum und Sozialem neu zu fassen sind der Ansatz der beiden AutorInnen. Unter verschiedenen sozialpädagogischen Blickwinkeln werden drei Typen der Sozialraumorientierung beschrieben (Gestaltung von Orten, Gestaltung struktureller Steuerungsprozesse, Arbeit an konkreten Orten).

In einem weiteren Schritt wird die Verortung dieser Typen im Fachdiskurs erläutert um ein Ordnungsmodell zu entwerfen, dass die gegenseitige Bedingtheit bei der Produktion des Sozialraumes aufzeigt.

Zu Kapitel 2)

Caroline Fritsche beschreibt im zweiten Kapitel Maßnahmen gegen Unordnungen im öffentlichen Raum. Hier zeigt sie einen Systematisierungsversuch auf, bei dem es nicht um reine Zuordnungen von Maßnahmen geht, sondern nachzuvollziehen, wie gestalterische Perspektiven öffentliche Räume verändern. In der Zusammenfassung wird das Raumverständnis als relationaler Raum begriffen.

Zu Kapitel 3)

Dario Friedli untersucht vor dem Hintergrund des St. Galler Modells die Gemeindefusion an Hand der Fusion der Volksschule von drei Bündner Gemeinden. Dabei gliedert sich sein Kapitel in vier Teile:

  1. Allgemeine Überlegungen zu Gemeindefusionen
  2. Vorstellung des Projektauftrages vor dem Hintergrund der Datenvielfalt
  3. Kritische Reflexion dieses Prozesses
  4. Ausblick auf den weiteren Fusionsprozess

Hier wird an einem praktischen Beispiel das St. Galler Modell der Sozialraumorientierung begriffen.

Zu Kapitel 4)

Christian Reutlinger betrachtet kritisch Kooperation und Konkurrenz im Sozialraum am Beispiel der Kooperationskonferenzen der Stadt Zürich. Hier wird die Sozialraumdiskussion stark von dem Züricher Sozialraumdiskurs überlagert. Um die gebietsbezogene Kooperation und Vernetzung zu organisieren, werden in Zürich fünf Sozialregionen definiert und die dort Agierenden werden zu Kontraktpartnern. Um Kooperation und Vernetzung zu erklären, werden Definitionen und Rekurs der Netzwerkarbeit geliefert.

Das Kapitel wird mit einer kritischen Bestandsaufnahme beendet.

Zu Kapitel 5)

Christian Reutlinger u. Joachim Schöffel, wollen mit dem Projekt "Bewegungsfreundliche Siedlungsräume" als Ausgangspunkt in der Stadt Chur im konkreten untersuchen, wie hier interdisziplinär bewegungsfreundliche Handlungsräume aus dem Kontext Sozialraum entwickelt werden können. Zentrale Handlungsbereiche sind "Siedlungsraum", "Planungs- u. Steuerungsprozesse" und "Anspruchsgruppen", die hier das Modell Bewegungsraum konkretisieren.

Zielgruppen

Das Buch eignet sich gleichermaßen für Sozialarbeiter, Quartiersarbeiter/manager, Gemeinwesenarbeiter, Jugendarbeiter im Gemeinwesen, Mitarbeiter in Sozial- und Jugendämtern und für Studierende, die sich erst mal einen Überblick über die Thematik, Sozialraum verschaffen wollen.

Fazit

Die Stärke des Buchs ist die Abwechslung zwischen Praxisbezug und theoretischen Grundlagen. Die Detailentwicklung ist allerdings sehr auf schweizerische Verhältnisse zu geschnitten und lässt sich nur bedingt auch auf andere Länder übertragen. Für neue Akteure gibt das Buch einen Überblick über aktuelle Diskussionen, ist aber auch für Erfahrenere etwas mühsam die “Schulen” der Sozialraumdiskussion zu erkennen.

Soziale Phänomene scheinen durch die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse zunehmend räumlich zu werden, oder die tradierten, Halt und Orien­tierung gebenden Einheiten geraten in Bewegung und es findet ein Suchprozess nach neu­en, Handlungssicherheit vermittelnden Einheiten statt - man spricht hier von einer räumli­chen oder geographischen Wende, welche in den vergangenen Jahren auch in der Sozialen Arbeit stattgefunden hat. Die aktuelle Bedeutung der Raumsoziologie kommt allerdings zu kurz.


Rezensent
Dr. Clemens Back
Quartiersarbeiter in Freiburg und Lehrbeauftragter an verschiedenen Freiburger Hochschulen (zu Gemeinwesenarbeit und Sozialraum)
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Zitiervorschlag
Clemens Back. Rezension vom 17.01.2011 zu: Christian Reutlinger, Annegret Wigger (Hrsg.): Transdisziplinäre Sozialraumarbeit. Grundlegungen und Perspektiven des St. Galler Modells zur Gestaltung des Sozialraums. Frank & Timme (Berlin) 2010. ISBN 978-3-86596-236-2. Reihe: Transposition - Ostschweizer Beiträge zu Lehre, Forschung und Entwicklung in der sozialen Arbeit - Band 1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9835.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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