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Heike Bohnes, Britta Becker: Handbuch Pflegeeinstufung

Cover Heike Bohnes, Britta Becker: Handbuch Pflegeeinstufung. Pflegestufen professionell managen für ambulante und stationäre Altenhilfeeinrichtungen. PPM PRO PflegeManagement Verlag & Akademie (Bonn) 2010. 176 Seiten. ISBN 978-3-8125-0982-4. 79,80 EUR, CH: 132,00 sFr.
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Autorin

Heike Bohnes ist Diplom-Sozialarbeiterin und staatlich anerkannte Altenpflegerin sowie zugelassene Rentenberaterin für das Fachgebiet „Gesetzliche Pflegeversicherung“ am OLG Köln. Als geprüfte und unabhängige Pflegesachverständige leitet sie seit dem Jahre 2005 ein eigenes Sachverständigenbüro.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch basiert auf den Erfahrungen und Inhalten von Seminaren, die die Autorin zum Thema „Gerechte Pflegestufen erreichen“ anbietet. Eines der größten Probleme sei aus der Perspektive von Bohnes, dass trotz eindeutiger Regelungen die Einschätzung des Zeitbedarfs bei der Pflege gutachterabhängig sei. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Einrichtungen in der Lage seien, gegenüber Gutachtern und der Pflegekasse sicher zu argumentieren. Dafür sei es notwendig, dass die Einrichtungen sich mit den Begutachtungsrichtlinien (BRi) gut auskennen. Die Autorin berichtet aus eigener Erfahrung, dass viele Gutachten zur Pflegeeinstufung fehlerhaft oder nicht plausibel bzw. nachvollziehbar seien. Des Weiteren seien viele Regelungen interpretierbar. Die Tipps und Hinweise in diesem Buch sollen die Einrichtungen und Dienste darin unterstützen, die BRi so anzuwenden, dass diese weniger Widersprüche einlegen müssen und angemessene Pflegestufen für ihre Bewohner und Kunden erreichen.

Aufbau und Inhalte

Das Buch ist in 8 Kapitel untergliedert und schließt mit einem Schlusswort ab.

In Kapitel 1 werden die Grundsätze des Pflegeversicherungsgesetzes dargestellt. Es werden die Dienste der Pflegekassen, die Pflegestufen sowie das Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit kurz skizziert. Die Autorin gibt den Tipp, in den Einrichtungen und Diensten Pflegefachfachkräfte als interne Begutachtungsexperten fortzubilden und einzusetzen. Des Weiteren werden die pflegeerschwerenden und pflegeerleichternden Faktoren, die in der Begutachtung berücksichtigt werden müssen, sowie die Pflichten des Gutachters dargestellt. Zu fast allen Themen ergänzen Checklisten die Inhalte. Das Thema Demenzerkrankung und Pflegeeinstufung sowie der Screening-Fragebogen zum § 45 a und die Problematik „aktivierende Pflege“ werden ebenfalls in ihrer Bedeutung für die Pflegeeinstufung kurz skizziert.

In Kapitel 2 geht die Autorin auf die Härtefallregelung für Pflegebedürftige ein und stellt die Voraussetzungen für die Anerkennung dar.

Kapitel 3 widmet sich dem Thema, wie eine gerechte Pflegeeinstufung erreicht werden kann. Es werden die „typischen“ Fehler in der Begutachtung durch die Einrichtungen und Dienste genannt. Sodann werden Tipps und Hinweise in Form von Checklisten und Tabellen angeführt, um eine angemessene Pflegeeinstufung zu erreichen. Auch wird das Pflegetagebuch thematisiert und wie Pflegefachkräfte Kunden und Angehörige dazu anleiten können, diese fachlich angemessen auszufüllen. In einem weiteren Unterkapitel werden Tipps und Hinweise gegeben, wie ambulante Dienste Kunden und Angehörige auf eine Begutachtung vorbereiten können.

In Kapitel 4 werden Informationen zum Verwaltungsrecht gegeben. Wesentlicher Inhalt ist das Widerspruchsverfahren und die einstweilige Anordnung. Des Weiteren wird das Problem der Verweigerung von Bewohnern erörtert, einen Höherstufungsantrag zu stellen und welche Schritte erforderlich sind, um diese auch bei Verweigerung zu erreichen.

Kapitel 5 geht auf häufige Mängel bei MDK-Gutachten und Auswertung von MDK-Gutachten ein. Die Autorin gibt Tipps und Hinweise, wie Lücken und Widersprüche im Gutachten entdeckt werden können.

In Kapitel 6 wird das Pflegestufenmanagement in Einrichtungen und Diensten thematisiert. Die Autorin betont die Bedeutung einer regelmäßigen Überwachung des Pflegeaufwandes und einer Abgleichung mit der aktuellen Pflegestufe. In diesem Zusammenhang stellt sie ein Musterformular zur Erfassung des Pflegeaufwandes vor.

Das Kapitel 7 hat die BRi und die Pflegedokumentation zum Inhalt. Bohnes erläutert, dass die Pflegedokumentation eine wesentliche Basis für eine Argumentation mit Gutachtern zur Begründung einer Pflegestufe darstellt und auch vor diesem Hintergrund von hoher Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang geht sie kurz auf die Grundsätze der Pflegeplanung und Formulierung von Pflegezielen ein. Ein weiteres Unterkapitel bietet Begründungshilfen für die Pflegestufe III.

In Kapitel 8 werden Informationen zu den Zeitkorridoren gegeben. Diese werden tabellarisch dargestellt und Hinweise gegeben, wie die Einrichtungen und Dienste im Vorfeld der Begutachtung damit umgehen sollten.

Das Buch endet mit einem Schlusswort. Im Anhang sind Richtlinien zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches (BRi vom 08.06.2009) sowie ein MDK-Gutachtenformular abgebildet. Eine CD-ROM mit Tabellen, Checklisten und Assessments ergänzen die Inhalte des Buches.

Diskussion

In diesem Buch finden sich alle wesentlichen rechtlichen Grundlagen und Inhalte zur Pflegeeinstufung nach derzeitig gültigen gesetzlichen Regelungen. Vielfach werden die rechtlichen Grundlagen mit Beispielen unterlegt, so dass die Inhalte plastisch dargestellt werden. Die Autorin hat die Form der direkten Anrede in den einzelnen Kapiteln gewählt, so dass der Leser sich sofort angesprochen fühlt. Sie verfügt offenbar über die Fähigkeit, rechtliche Grundlagen für professionelle Pflegekräfte leicht verständlich darzustellen, ohne dass diese verfälscht wieder gegeben werden. Jedes Kapitel enthält Checklisten, die die Pflegeeinstufung und deren Rahmenbedingungen und Inhalte unterstützen und für Einrichtungen und Dienste gut anwendbar sind.

Fazit

Der Autorin ist es gelungen, ein gut strukturiertes und leicht lesbares Buch zum Thema Pflegeeinstufung zu schreiben. Sehr vorteilhaft ist, dass eine CD-ROM Teil der Veröffentlichung ist, in der alle Checklisten und Assessments enthalten sind. Das Buch und die CD-ROM sind für Einrichtungen und Dienste sowie für Pflegefachkräfte gut als Grundlage und Nachschlagewerk für Pflegeeinstufungen von Bewohnern und Klienten verwendbar.


Rezensentin
Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/pws/hasseler/index.html
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Zitiervorschlag
Martina Hasseler. Rezension vom 26.08.2011 zu: Heike Bohnes, Britta Becker: Handbuch Pflegeeinstufung. Pflegestufen professionell managen für ambulante und stationäre Altenhilfeeinrichtungen. PPM PRO PflegeManagement Verlag & Akademie (Bonn) 2010. ISBN 978-3-8125-0982-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9853.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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