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Hans E. Gerr: [...] Seniorenarbeit in den Kommunen

Cover Hans E. Gerr: Aspekte zur Entwicklung einer gerontagogischen Konzeption für eine Seniorenarbeit in den Kommunen. Grin Verlag (München) 2010. 30 Seiten. ISBN 978-3-640-58086-6. 9,99 EUR.
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Autor

Hans E. Gerr, Jahrgang 1937, Dr. phil., ist Diplompädagoge, Bankkaufmann, Lehrer an Grund- und Hauptschulen, Sonderschullehrer und Dozent am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik der Universität Würzburg.

Aufbau und Inhalt

Im Vorwort skizziert Hans E. Gerr die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und plädiert für „eine verstärkte Seniorenarbeit in den Kommunen“ (S. 4). Ziel seiner Abhandlung ist es daher, „wesentliche Gesichtspunkte zur Entwicklung einer bedarfsgerechten gerantagogischen Konzeption, die als Handlungsmodell für die Umsetzung einer Seniorenarbeit in Gemeinden und Städten dienen kann, aufzuzeigen“ (ebda.).

Diese Gesichtspunkte gewinnt er unter Bezug auf reformpädagogische Prinzipien. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Erziehungsgrundsätze von Lord Robert Baden-Powell of Gilwell, dem Gründer der pfadfinderischen Erziehungsbewegung, Maria Montessori , John Dewey und Peter Petersen. In Kap 3 werden dazu die folgenden reformpädagogischen Grundsätze in ein paar Sätzen kurz genannt, um sie dann in zwei bis drei Sätzen jeweils auf die Seniorenarbeit zu übertragen:

  • Bedürfnisorientierung
  • Lernen durch Handeln und durch Erfahrung
  • Gruppenarbeit
  • Orientierung an Werten und Regeln
  • Erlebnis und Abenteuer
  • Naturverbundenheit und gesundes Leben.

In Kap. 4 (Aspekte zur Entwicklung einer gerantagogischen Konzeption) werden diese Grundsätze zum großen Teil noch einmal wiederholt.

Diskussion und Fazit

Die kleine Skizze von Gerr zeichnet sich durch die völlige Abwesenheit von einschlägiger Fachliteratur aus: Von den 15 Titeln im Literaturverzeichnis beschäftigen sich allein sechs mit der Pfadfinderpädagogik, die restlichen Titel mit allgemeinen Fragen der Reformpädagogik. Das entspricht wohl auch dem fachlichen Profil des Autors. Warum sich dieser aber berufen fühlt, eine Schrift zur Seniorenarbeit vor zulegen, bleibt völlig unklar. Ein Blick in gerontologische Fachdiskurse, aber auch in Standardwerke der Sozialen Arbeit (etwa zur Lebensweltorientierung oder zum Empowerment) hätten dem Autor gezeigt, dass er hier Erkenntnisse vorträgt, die seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Grundbestand von Seniorenarbeit gehört.


Rezensent
Prof. Dr. Heinz Bartjes
Hochschule Esslingen, Fakultät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Arbeitsschwerpunkte: Soziale Altenarbeit; Männer- und Geschlechterforschung; Theater und Soziale Arbeit, Bürgerschaftliches Engagement.
Homepage www.hs-esslingen.de/mitarbeiter/Heinz.Bartjes
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Am 5. Februar 2011 (korrigiert am 7.2.) wurde ein Kommentar des Autors des rezensierten Buchs, Dr. phil. Hans E. Gerr, der Rezension angefügt.

Kommentar des Verfassers zur Rezension

Die alterspädagogische Abhandlung wird vom Rezensenten zur Sozialpädagogik zugeordnet, um sie dann im Hinblick auf den wissenschaftlichen Beitrag zur Sozialarbeit zu beurteilen.

Man sollte diese Darstellung als das sehen, was sie ist: eine nicht wissenschaftliche Arbeit des Verfassers, die auf seinen langjährigen Erfahrungen in der pfadfinderischen Jugendarbeit und Erwachsenenbildung beruht. Die Ausführungen lehnen sich bewusst an die Konzeption pfadfinderischer Selbsterziehung an. Mehrfach angeregt zur Anfertigung dieser Schrift wurde der Verfasser von einem ehemaligen Bundestagsabgeordneten, der in der Enquete-Kommission „Demographischer Wandel“ mitgearbeitet hat. Mit dieser Darstellung sollen Anregungen für eine ehrenamtliche praktische Seniorenarbeit in den Kommunen gegeben werden. So kann beispielsweise das pfadfinderische Kleingruppensystem (Arbeit in Kleingruppen und Zusammenarbeit mehrerer Kleingruppen bei größeren Projekten) in organisatorischer Hinsicht Impulse für die ehrenamtliche Seniorenarbeit in größeren Städten oder in Landkreisen vermitteln.

Die Kritik, relevante Fachliteratur (aus dem Bereich der Sozialarbeit) nicht berücksichtigt zu haben, ist deshalb unberechtigt. Bei genauerer Analyse der Schrift hätte der Rezensent selbst feststellen können, dass der Verfasser seine Anregungen zur Entwicklung einer alterspädagogischen Konzeption bewusst von den Interventionsformen professioneller Sozialarbeit abgrenzt (vgl. S. 4 und S. 26!). Ehrenamtliche Seniorenarbeit ist nicht mit einer professionellen Sozialarbeit in sozialen Brennpunkten vergleichbar, und sie setzt auch nicht primär da an, wo soziale Probleme entstanden sind.

Auch die Kritik bezüglich einer Wiederholung reformpädagogischer Grundsätze ist nicht berechtigt. Nach einer knappen Darstellung reformpädagogischer Prinzipien in Kap. 3 mussten diese in Kap. 4 ausführlicher dargestellt werden, da – wie bei jedem pädagogischen Handlungsmodell – auch bei der Entwicklung einer alterspädagogischen Konzeption nicht nur Ziele und Inhalte/Programme thematisiert, sondern auch pädagogische Grundsätze (die Methode) beschrieben werden müssen.

Es ist verständlich, dass es einem Hochschullehrer für Soziale Arbeit schwer fällt, auch bei der Rezension von Büchern aus anderen Fachbereichen eine sozialpädagogische Betrachtungsweise zurückzustellen. Im Hinblick auf eine sachgerechte Rezension wäre aber ein Perspektivenwechsel nötig gewesen.


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Zitiervorschlag
Heinz Bartjes. Rezension vom 10.08.2010 zu: Hans E. Gerr: Aspekte zur Entwicklung einer gerontagogischen Konzeption für eine Seniorenarbeit in den Kommunen. Grin Verlag (München) 2010. ISBN 978-3-640-58086-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9886.php, Datum des Zugriffs 18.10.2018.


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