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Petra Walter: Der Eintritt ins Pflegeheim

Cover Petra Walter: Der Eintritt ins Pflegeheim. Hintergründe zu sozialpolitischen Problem- und Fragestellungen bei der vollstationären Versorgung, zur Finanzierung, zur Suche und zum Leben im Heim, zusammengefasst auf einen Blick - sowie zu Forderungen nach M. Logos Verlag (Berlin) 2010. 288 Seiten. ISBN 978-3-8325-2431-9. D: 34,00 EUR, A: 35,00 EUR, CH: 60,50 sFr.
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Thema

Zu den großen Problemen in der sozialen und pflegerischen Arbeit mit Alten Menschen gehört die Gestaltung des Übergangs in die vollstationäre Pflege. An sich schon hochgradig krisenhaft findet dieser Übergang oft überstürzt, wenig vorbereitet und unzureichend informiert statt. Die Autorin wendet sich diesem Fragekomplex umfassend zu. Dabei nimmt sie eine kritische Bestandsaufnahme der Finanzierungs- und Kostenproblematik vor, nimmt Fragen der Qualitätssicherung in den Blick und gibt konkrete Entscheidungshilfen für Betroffene bzw. deren Angehörige. Abschließend werden Möglichkeiten der Qualitätskontrolle eingehend erörtert. In allen Bereichen geht es dabei um Klärung der Rechte hilfebedürftiger Betroffener und um die Wahrung ihrer Würde.

Autorin

Petra Walter ist Verwaltungsjuristin in St.Augustin. Sie ist ehrenamtlich in der Arbeit mit älteren Menschen und an Demenz Erkrankten des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche im Rheinland engagiert.

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält fünf Kapitel und einen Einleitungsteil (S. 1-6), der auch einen auf das Mitentscheidungs- und Mitwirkungsrecht von Heimbewohnern bezogenen Forderungskatalog enthält.

Kap. 1: Blick auf die Pflegeversicherung (S. 7-39) geht zunächst auf das Problem der Altersarmut und die damit verbundenen Problematiken der Unterdeckung von Pflegekosten ein. Nach einem geschichtlichen Rückblick wird die finanzielle Lage der Pflegeversicherung ausführlich dargestellt. Der unzureichenden gesetzlichen Bestimmung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit wird ein eigener Vorschlag gegenübergestellt, der auch die daraus resultierenden Aspekte der Finanzierung mit einschließt. Des Weiteren wird das Finanzierungskonzept "ambulant vor stationär" aus der Sicht der Betroffenen problematisiert und schließlich die Frage nach der Rekrutierung des Pflegefachpersonals im Blick auf die demografische Entwicklung in den Blick genommen.

Kap. 2: Heimkosten (S. 41-145) stellt zunächst in einer Grafik die komplexe Zusammensetzung der Heimkosten und deren "Zahler" dar. - Dann wird die rechtliche Entwicklung des Heimvertrags und die Frage der Angemessenheit der Entgelte erörtert. Ausführlich geht die Autorin dann auf vier finanzielle Komplexe ein: 1. Leistungen der Pflegeversicherung im Pflegeheim und Finanzierung der Pflegekosten für den Heimträger sowie Festsetzung der Höhe der Pflegekosten. 2. Finanzierung der Heimträgerkosten für Unterkunft und Verpflegung (sog. Hotelkosten). 3. Finanzierung von betriebsnotwendigen Investitionskosten des Heimträgers. 4. Finanzierung von Zusatzleistungen des Heimträgers (sog. Komfort- und Luxuskosten). - Es folgt eine Zusammenfassung der wesentlichen Faktoren für die Preisgestaltung der Heimkosten. Ein Exkurs zu den Auswirkungen der Heimkosten auf Frauen in Pflegeheimen schließt das Kapitel ab.

Kap. 3: Warum ist es so schwierig, das geeignete Heim zu finden? (S. 147-203) bezieht sich auf konkrete Entscheidungssituationen Betroffener bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit. Zunächst geht es um die schleichende und deshalb oft zu spät wahrgenommene Entwicklung der Pflegebedürftigkeit, die damit verbundene emotionale Überforderung und den Mangel an Hilfestellungen bei der Wahl eines Heimes. Dann geht es um die Brauchbarkeit von Prüfergebnissen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) sowie der Heimaufsichtsbehörden. Die Bedeutung der medizinischen und pflegerischen Standards der Pflegequalität und ihrer rechtlichen Verbindlichkeit wird in einem weiteren Abschnitt erörtert. Schließlich werden ausführlich Beratungslücken benannt und auf die jeweiligen institutionellen Schnittstellen bezogen. Dabei wird auch auf die nach der Pflegerechtsreform vorgesehene Funktion der Pflegeberater kritisch eingegangen.

Kap. 4: Wie finde ich das richtige Pflegeheim? (S. 205-279) enthält aufgrund der vorangegangenen Erörterungen eine beratende Wegbeschreibung für die Wahl eines der jeweiligen Situation möglichst optimal entsprechenden Heimes. In einer Vorüberlegung geht es zunächst um die Frage der richtigen Heimform und des Auswahlkriteriums der Trägerschaft. Im Weiteren werden Kriterien und Möglichkeiten der Beschaffung von Informationen beschrieben, wobei der Aspekt der Zertifizierungen und der Qualitätsprüfungen eine besondere Rolle spielt. Weitere Punkte sind die die persönliche Besichtigung von Pflegeheimen sowie prophylaktische Maßnahmen (Frühzeitige Überlegungen, Vollmachten). Ein Erfahrungsbericht, der die gelungene Heimsuche eine 80-jährigen Frau beschreibt sowie eine Checkliste schließen das Kapitel ab.

Kap. 5: Kontrolle und ihre Wirksamkeit (S. 241-279) unterscheidet zwischen externen Kontrollformen durch Behörden, Medizinische Dienste und Agenturen im Rahmen des SGB XI sowie internen Kontrollformen durch Mitbestimmung der Bewohner, Beteiligung von Vertretungsorganen, Standardentwicklungen durch externe Schulungen und andere Formen der Selbstkontrolle. Dass allerdings formale Kontrollen nur bedingt zur Qualitätssicherung ausreichen und Aspekte der menschlichen Wärme, der Spontaneität und der echten Beteiligung der Heimbewohner ein unverzichtbarer Faktor der Qualitätssicherung sind, betont die Autorin abschließend.

Ein Anhang enthält die "Artikel der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen" sowie einen Ländervergleich der Personalrichtwerte in Pflegeheimen (Stand 06.2007).

In den laufenden Text sind fünf gesonderte Informationstafeln eingeschoben zu den Themen:

  1. Wann liegt Pflegebedürftigkeit vor? -
  2. Die Begriffe: Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. -
  3. Der Begriff: Gleichwertigkeit von Qualitätsprüfungen. -
  4. Die Begriffe: Regel-, Anlass- und Wiederholungsprüfung. -
  5. Die ordnungsrechtlichen Maßnahmen nach dem BHeimG bzw. nach den künftigen Landesheimgesetzen.

Eine Reihe von Grafiken und Tabellen im Text veranschaulichen die Ausführungen der Autorin sinnvoll.

Zielgruppe

Das Buch eignet sich hervorragend für alle Personen, die selbst in der Beratung von Betroffenen und ihren Angehörigen beim Eintritt von Pflegebedürftigkeit tätig sind. Auch für Angehörige von entsprechenden Behörden, medizinischen Diensten, Qualitätsagenturen und pflegerischen Institutionen ist es ein wertvoller Beitrag zur Weiterentwicklung der Qualitätsdiskussion und -gestaltung. Ebenso kann es in der Aus-, Fort- und Weiterbildung Sozialer, Diakonischer und Pflegerischer Berufe eine hilfreiche informative Hilfe sein, soweit es um die Frage nach Entscheidungskriterien in der Übergangsphase zur vollstationären Heimunterbringung geht. Für Betroffene selbst und ihre Angehörigen ist es dann eine wirkliche Hilfe, wenn die Bewältigung der sehr differenzierten und komplexen inhaltlichen Gestaltung vorausgesetzt werden kann.

Diskussion

Die Frage nach dem "Wie" des Übergangs in die vollstationäre Pflege gehört zu den bedrängendsten Themen der sozialen und pflegerischen Arbeit mit Alten Menschen. Bei den Betroffenen selbst sind Angst und Unwissenheit oft groß. Für die beruflich in diesem Bereich Tätigen ist das rechtliche und institutionelle Dickicht bisweilen schwer durchschaubar. Und nicht zuletzt wird der Übergang in die vollstationäre Pflege von den unmittelbar und mittelbar Betroffenen oft als deprimierender Vorgang empfunden, als letzte Station vor dem Sterben. In seiner Sachlichkeit, der klaren Positionierung auf der Seite der Betroffenen und seinem fundiert kritischen Standpunkt ist das Buch von Petra Walter von großem Wert für alle in diesem Problemfeld betroffenen und handelnden Personen. Es ist eine qualifizierte Hilfe im Klärungs- und Entscheidungsprozess, verdeutlicht Zusammenhänge, Möglichkeiten und Mängel im bestehenden Hilfesystem und hebt die rechtlich abgesicherten Ansprüche hervor, welche für die Betroffenen geltend gemacht werden können.

Einziges Desiderat: Ein die Anmerkungen im Text zusammenfassendes Literaturverzeichnis sowie ein Schlagwortregister wären wünschenswert.

Fazit

Das Buch ist von großem Nutzen für alle Personen, die als Betroffene oder Handelnde mit Entscheidungsprozessen beim Übergang in die vollstationäre Pflege befasst sind. Auch für Studierende und Lehrende in den einschlägigen Ausbildungsgängen ist es ein wichtiger die Diskussion bereichernde Beitrag. - Sehr empfehlenswert.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Brömse
Fachhochschule Hannover, Fakultät V (Diakonie, Gesundheit und Soziales)


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Zitiervorschlag
Michael Brömse. Rezension vom 28.10.2010 zu: Petra Walter: Der Eintritt ins Pflegeheim. Hintergründe zu sozialpolitischen Problem- und Fragestellungen bei der vollstationären Versorgung, zur Finanzierung, zur Suche und zum Leben im Heim, zusammengefasst auf einen Blick - sowie zu Forderungen nach M. Logos Verlag (Berlin) 2010. ISBN 978-3-8325-2431-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9894.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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