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Joachim Hentze, Erich Kehres (Hrsg.): Krankenhaus-Controlling

Rezensiert von Prof. Dr. Bernd Halfar, 11.08.2011

Cover Joachim  Hentze, Erich Kehres (Hrsg.): Krankenhaus-Controlling ISBN 978-3-17-020541-3

Joachim Hentze, Erich Kehres (Hrsg.): Krankenhaus-Controlling. Konzepte, Methoden und Erfahrungen aus der Krankenhauspraxis. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2010. 4., vollst. überarbeitete und erweiterte Auflage. 385 Seiten. ISBN 978-3-17-020541-3. 49,80 EUR.

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Entstehungshintergrund und Thema

Zwölf Jahre nach der ersten Fassung liegt nun das „Krankenhaus-Controlling“ in der 4. Auflage vor (vgl. die Rezension zur 3. Auflage) . Überarbeitet und erweitert, bei weiterhin hervorragender Qualität. Die Herausgeber haben neue, moderne Krankenhausthemen wie das Medizinische Controlling oder DRG-Behandlungspfade neu in ihren Band aufgenommen und legen ein Buch vor, das einen grundlegenden, gut lesbaren, praxistauglichen und theoretisch fundierten Überblick über das Krankenhaus-Controlling liefert.

Gegliedert ist das Buch in fünf große Kapitel:

  1. Das Krankenhaus als betriebswirtschaftliches System,
  2. Operatives Krankenhaus-Controlling,
  3. Strategisches Krankenhauscontrolling,
  4. Qualitätssicherung und Führung im Krankenhaus sowie
  5. Controllinginformationssysteme im Krankenhaus.

Henke/Göppfart schlagen volkswirtschaftlich auf und beschreiben das Krankenhauswesen im deutschen Gesundheitssystem. Kompakt, kompetent und informativ legen die Autoren einen Schwerpunkt auf die Integration des Krankenhauses in das Versorgungssystem. 20 Seiten, die man, wäre es nicht verboten, kopieren würde und den Studenten zur Pflichtlektüre aushändigen würde. Wenn man schon am Kopierer stünde, könnte man die nächsten 13 Seiten von Dorothea Greiling gleich dazu nehmen. Sie beschreibt aus der Sicht des Dienstleistungsmanagements das Krankenhaus mit seinen spezifischen Dienstleistungskonfigurationen und stellt Überlegungen für das darauf passende Krankenhauscontrolling an. Dieser Beitrag ist theoretisch fein strukturiert und zeigt die Fruchtbarkeit des Fachgebietes „Dienstleistungsmanagement“ ebenso wie die wissenschaftliche Qualität der Autorin.

Handfest, praktisch und fast als Kopiervorlage - im doppelten Sinne - tauglich ist Immo Lenz Beitrag über Operatives Controlling im Krankenhaus. Erläutert werden Controlling-Regelkreise, die an den typischen Verantwortungsbereichen im Krankenhaus ansetzen, die verschiedensten Kostenrechnungsysteme, DRG geprägtes Prozessmanagement sowie Controlling-Informationssysteme. Nach diesem Einstieg in das Operative Controlling beschreibt Erich Kehres in seinem Beitrag im Detail die Kosten- und Leistungsrechnung im Krankenhaus. Dieses Thema wird so klar gegliedert und auf gut 30 Seiten systematisch abgehandelt, dass man im Sacco nach der Copykarte sucht? Mit Fragen des Finanz- und Investitionscontrollings beschäftigt sich Joachim Mertes, der sowohl die Instrumente des Finanzcontrollings, wie Finanzplan und Kapitalbindungsplan, darlegt als auch die Instrumente des Investitionscontrollings wie die Szenario-Technik oder die Produkt-Lebenszyklus-Analyse. Unterschieden wird vom Autor das Controlling der Finanzziele, das mit der Kostenvergleichsrechnung, der Gewinnvergleichsrechnung, der Rentabilitätsrechnung und der Amortisationsrechnung, der Kapitalwertmethode, Annuitätenmethode und interner Zinsfußmethode untergliedert wird. Angereichert wird dieses Kapitel mit dem Medizincontrolling, das Joerg Noetzel und Steffen Gramminger vorlegen. Dieser Beitrag gibt einen ersten Überblick über dieses neue Thema, beschränkt sich aber stark auf formale Prozessbeschreibungen und MDK-getriebene Abläufe. Das ist informativ, könnte aber in der nächsten Auflage durch grundsätzliche Überlegungen zum Medizincontrolling erweitert werden. Auch schon zum Standard moderner Krankenhäuser ist das Risikomanagement zu rechnen. Hennke, Müller, Palmer und Palmer legen einen äußerst informativen und gut strukturierten Beitrag vor, der nicht nur die gesetzlichen Grundlagen, die methodischen Schritte des Risikomanagements und deren IT-Integration aufzeigt, sondern sehr gekonnt auch die Verknüpfung des Risikomanagements mit dem Krankenhauscontrolling. Präzise bis hin zur Darlegung wichtiger Kennzahlen beschreiben Joachim Hentze und Andreas Kammel das krankenhausspezifische Personalcontrolling. Es geht um Personalinformationen, um Kennzahlen zur Personalplanung und Personalbedarfsplanung, zur Personaleinsatzplanung, Personalkostenplanung. Dies alles wird sehr systematisch und informativ dargeboten und mit ausgezeichneten kritischen Überlegungen beleuchtet. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit einem wissenschaftlich beeindruckendem Beitrag von Hans Czap über erwartete Deckungsbeiträge von DRG und integrierten Behandlungspfaden. Verfahren zur Berechnung der Pfadkosten werden dargelegt und im Sinne einer Plankostenrechnung zum Konzept der „erwarteten Pfadkosten“ erweitert. DRG bezogene Kosten- und Erlösekennziffern werden theoretisch hergeleitet und methodisch plausibel entwickelt.

Im nächsten großen Kapitel dieses Buches sammeln sich einige Beiträge zum Strategischen Krankenhauscontrolling. Im Beitrag von Kruse/von Schulenburg finden sich eine gute Darstellung relevanter Controllingtools wie Portfoliotechnik, SOFT (SWOT)-Analysen, Potentialanalysen, Lebenszyklusanalysen, Marktattraktivitätsanalysen, Balanced Score Cards und Benchmarking. Die Instrumente sind bekannt und werden im Überblick solide dargestellt. Etwas anders in der Betonung, etwas reflektierter in ihrer Funktion, aber ziemlich verwandt, sind die Controllinginstrumente, die im Beitrag von Greiner/Hodek dargestellt werden. Beide Beiträge sind offensichtlich nicht aufeinander abgestimmt, beide Beiträge sind gut: die Lösung liegt bei den Herausgebern. Auch nicht ganz völlig anders, aber doch unterscheidbar, weil operativer, präziser an der Informationsfunktion des Controllings ansetzend, und auch das controllingnahe KIS behandelnd, ist der Folgebeitrag von Kuntz/Hucke. Blickt man beim Beitrag von Antonio Vera, der sich, wo ist die Kopierkarte geblieben?, sehr systematisch und anschaulich und fundiert mit Mergers im Krankenhausbereich beschäftigt, in das Autorenverzeichnis, so findet man den Hinweis, dass der Autor Professor an der Hochschule der Deutschen Polizei in Münster ist. Das Thema „Krankenhausakquisition“ ist ja praktisch höchst aktuell und Vera skizziert Schritt für Schritt einen Akquise- und Mergerprozess, der als typischer Referenzprozess gelten kann. Es ist beruhigend, dass sich die Polizeihochschule mit solchen Themen beschäftigt.

Einen Klassetext findet man auch Kapitel 4 „Qualitätssicherung und Führung im Krankenhaus“. Pietsch/Perleth/Schwartz („der Schwartz“) haben über Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement geschrieben: Wer in dieses Thema einsteigen will, findet auf 44 Seiten ein Lehrbuch für den eiligen Leser, der es gründlich haben will. Die rechtlichen Grundlagen der Qualitätssicherung im Krankenhaus, Grundzüge des Qualitätsmanagements und der Dienstleistungsqualität, krankenhaustypische Präzisierungen und Erläuterungen, krankenhausspezifische Qualitäts- und Evaluationskonzepte: Chapeau! Abgeschlossen wird dieses Qualitäts- und Führungskapitel durch den Beitrag „Der Chefarzt als Controller“ von Melchert. Der Beitrag zeigt ausgezeichnet, welche Entscheidungen ein Chefarzt in einem modernen Krankenhaus treffen muss, welche Informationen er als Entscheidungsgrundlage benötigt und - in der Regel durch das Controlling und das Medizinische Controlling bekommt -, sowohl strategisch getunte Indikatoren als auch operative Prozessindikatoren, und legt gut dar, wie die Chefarzt als Hybrid zwischen Manager und Mediziner anzulegen ist. Die Argumentation ist schlüssig und nachvollziehbar, nur die Überschrift nicht: seit wann treffen Controller Managemententscheidungen? Gegenüber den vorigen Auflagen wurde von den Herausgebern ein 5.Kapitel eingefügt, das sich mit Krankenhaus-IT beschäftigt. Der in diesem Kapitel solitäre Beitrag von Schweizer/Bollwinkel ist ein SAP-Beitrag, der auf wissenschaftliche Reflexionen verzichtet und den Charakter einer SAP-Gebrauchsanleitung hat. Wen wundert es, dass als einzige Literaturquelle: www.help.sap.com auftaucht? Die Krankenhausinformatik hat diese Behandlung nicht verdient.

Fazit

Meine Kopierkarte wäre voll -, die Alternative ist eindeutig: dieses Buch ist richtig gut, sollte gekauft werden, wenn jemand in das Thema „Krankenhauscontrolling“ einsteigen will, sich einen fundierten Überblick verschaffen will oder Studenten hat, die sich im Grenzgebiet zwischen Controlling und Krankenhaus aufhalten.

Rezension von
Prof. Dr. Bernd Halfar

Es gibt 38 Rezensionen von Bernd Halfar.

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Lesen Sie weitere Rezensionen zu früheren Auflagen des gleichen Titels: Rezension 3243


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ISSN 2190-9245