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Uwe Peter Kanning: Diagnostik sozialer Kompetenzen

Rezensiert von Prof. Dr. Hans-Peter Michels, 26.08.2003

Cover Uwe Peter Kanning: Diagnostik sozialer Kompetenzen ISBN 978-3-8017-1641-7

Uwe Peter Kanning: Diagnostik sozialer Kompetenzen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2003. 138 Seiten. ISBN 978-3-8017-1641-7. 19,95 EUR.
Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-8017-2253-1 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

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Thema

Die Frage, wie soziale Kompetenzen diagnostiziert werden können, stellt sich in vielen Bereichen: In der Erziehung, Schulung, Personalauswahl, Beratung und Therapie. Die Diagnose sozialer Kompetenzen erweist sich als schwieriger Prozeß, da sehr große Unterschiede in den Definitionen sozial kompetenten Verhaltens, sozialer Kompetenz oder Kompetenzen bestehen. Daher muß man zunächst klären und operationalisieren, was jeweils mit sozialer Kompetenz gemeint ist. Bei der Diagnose sind auch die Vorgehensweisen vielfältig.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel stellt Kanning verschiedene Definitionen der sozialen Kompetenz vor und erläutert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu verwandten Begriffen wie soziale Intelligenz, emotionale Intelligenz, soziale Fertigkeiten und interpersonale Kompetenz. Er betrachtet alle diese Konstrukte als \"Teilmenge\" des umfassenderen Begriffs \"soziale Kompetenz\". Bei einem so breit angelegten Begriff entsteht allerdings das Dilemma, was genau darunter zu verstehen ist. Der Autor bietet als Ausweg eine dimensionale Bestimmung sozialer Kompetenz an: Auf der Grundlage umfangreicher Literaturauswertungen unterscheidet er drei Hauptdimensionen, den perzeptiv-kognitiven, den motivational-emotionalen und den behavioralen Bereich sozialer Kompetenz. Diese Bereiche werden anschließend eingehender spezifiziert.

Kanning entwirft, ausgehend von dieser Grundlage, eine Systematik der diagnostischen Methoden. Vier unterschiedliche Zugangswege lassen sich differenzieren:

1) Kognitive Leistungstests: Hier geht es um die unmittelbare Erfassung sozialer Kompetenzen in der diagnostischen Situation. Bisher können nur kognitive Aspekte durch Leistungstests erfaßt werden. Den Probanden werden standardisierte Aufgaben gestellt, beispielsweise zur Beurteilung sozialer Situationen. Sie haben die Möglichkeit zwischen richtigen und falschen Lösungen zu wählen (Kapitel 2).

2) Methoden der Verhaltensbeobachtung: Das Verhalten des Probanden wird in einer sozialen Situation oder in einem entsprechenden Rollenspiel beobachtet und aufgezeichnet. Häufig nutzen Verhaltenstherapeuten diese Vorgehensweise (Kapitel 3).

3) Methoden der Verhaltensbeschreibung: Diese Methoden führen eher zur indirekten Erschließung der sozialen Kompetenzen, da der Diagnostiker auf sprachliche Zusammenfassungen (Selbst- und Fremdberichte) der tatsächlichen Begebenheiten zurückgreifen muß (Kapitel 4).

4) Messung komplexer Kompetenzindikatoren: Durch Evaluation der Konsequenzen des Sozialverhaltens versucht man auf die zu Grunde liegenden Kompetenzen zu schließen (Kapitel 5).

Im Schlußkapitel stellt Kanning ein Praxisbeispiel vor und gibt einen kurzen Ausblick auf erforderliche Aufgaben für die zukünftige Forschung und Praxis, um die Diagnostik sozialer Kompetenzen zu optimieren.

Zielgruppen

Der Band 4 aus der Reihe \"Kompendien Psychologische Diagnostik\" eignet sich besonders für Psychologen, aber auch für andere Professionelle, die sich mit der Beurteilung sozialer Kompetenzen befassen.

Fazit

Das Buch bietet eine wissenschaftlich fundierte Übersicht über die Diagnostik sozialer Kompetenzen. Der Autor macht deutlich, welche Aspekte und Probleme bei deren Bestimmung zu beachten sind. Dadurch wird der Leser die Qualität von Diagnoseverfahren bzw. erhobener Daten besser beurteilen können.

Rezension von
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.

Es gibt 40 Rezensionen von Hans-Peter Michels.

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Zitiervorschlag
Hans-Peter Michels. Rezension vom 26.08.2003 zu: Uwe Peter Kanning: Diagnostik sozialer Kompetenzen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2003. ISBN 978-3-8017-1641-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/994.php, Datum des Zugriffs 24.05.2022.


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