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Sebastian Lerch: Lebenskunst lernen?

Cover Sebastian Lerch: Lebenskunst lernen? Lebenslanges Lernen aus subjektwissenschaftlicher Sicht. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2010. 227 Seiten. ISBN 978-3-7639-3346-4. 29,90 EUR, CH: 49,90 sFr.

Reihe: Erwachsenenbildung und lebensbegleitendes Lernen - Band 15 - Grundlagen und Theorie.
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Autor

Dr. Sebastian Lerch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bamberg (Lehrstuhl Erwachsenenbildung).

Entstehungshintergrund

Das Buch ist eine leichte Überarbeitung einer Dissertation am Lehrstuhl Erwachsenenbildung der Universität Bamberg.

Aufbau und Inhalt

Nach Danksagung und Vorwort von Prof. Rainer Brödel, dem Herausgeber der Reihe: Erwachsenenbildung und Lebensbegleitendes Lernen. Grundlagen und Theorie, in der dieses Buch erschienen ist, eröffnet der Autor die Arbeit mit Zugängen und Perspektiven zu dem Begriff „Lebenslanges Lernen“. Ziel der Veröffentlichung ist es, diesen Begriff, der sehr häufig in der Literatur widersprüchlich und mit unterschiedlichen Konnotationen verwendet wird, zu analysieren und zu präzisieren. Sebastian Lerch spricht von einem Begriffsgeflecht des „Lebenslangen Lernens“ und stellt Fragen nach den heutigen Lesarten des Begriffs „Lebenslangen Lernen“, die ihre Wurzeln in bildungstheoretischen oder politischen Begründungen haben. Dabei arbeitet er folgende Leitfragen ab:

  • Was bezeichnet der Begriff Lebenslanges Lernen?
  • Welche Bedeutungsebenen und Spannungsfelder gibt es?
  • Welche sind vorherrschend, welche in Vergessenheit geraten?
  • Welche Rolle spielt das Subjekt im Rahmen Lebenslangen Lernens?

Dazu wählt Lerch einen hermeneutischen Zugang und unterscheidet zwischen begriffsgeschichtlichen Zusammenhängen, bildungstheoretischen Spannungsfeldern und normativen Implikationen.

In Kapitel eins wird die Relevanz der Fragestellung begründet, das methodische Vorgehen erläutert, sowie der Forschungsstand skizziert.

Kapitel zwei umfasst die Notwendigkeit einer begriffsgeschichtlichen Annäherung, befasst sich mit Metaphern, Gegen- und Parallelbegriffen und stellt den Begriff des lebenslangen Lernens in einen Zusammenhang mit dem Wandel der Sprache und dem sozialen Wandel in der Gesellschaft.

Das dritte Kapitel beschreibt den Begriff des Lebenslangen Lernens in der wissenschaftlichen Diskussion, dazu hat Lerch Fachzeitschriften und bildungspolitische Veröffentlichungen daraufhin untersucht, ob und vor allem in welchem Zusammenhang der Begriff verwendet wird. Er unterteilt die Untersuchung in historische Abschnitte.

Das vierte Kapitel steht unter einer subjektwissenschaftlichen Perspektive, der Begriff der Lebenskunst kommt ins Blickfeld und der Zusammenhang wird entfaltet, das Ziel ist es auf verschüttet liegende semantische Potentiale lebenslangen Lernens aufmerksam zu machen.

Kapitel fünf untersucht Übergänge und Erträge für die Erwachsenenbildung, bezieht sich wieder auf die subjektwissenschaftliche Perspektive und beschäftigt sich intensiv mit dem Begriff der Lebenskunst in den verschiedenen Bereichen der Erwachsenenbildung. Insbesondere die soziale Erwachsenenbildung sowie die politische Bildung wird hier in den Blick genommen und die Relevanz des lebenslangen Lernens dafür, das Leben zu gestalten und leben zu lernen, thematisiert.

Kapitel sechs beschreibt lebenslanges Lernen als Weg zurück zum Subjekt.

Diskussion

Sebastian Lerch hat eine grundlegende und sehr differenzierte Arbeit vorgelegt, er verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und stellt seine Fragestellungen immer wieder aus anderen Perspektiven vor. Dabei erschließt er den Begriff des „lebenslangen Lernens“ vor den unterschiedlichen Lesarten neu, bzw. anders als dies bisher in der wissenschaftlichen Literatur gemacht wurde. Insbesondere die Entfaltung und die Herstellung eines Zusammenhangs mit dem Begriff der Lebenskunst macht dieses Buch interessant. Denn den Begriff der Lebenskunst setzt Lerch gegen die vorherrschende Lesart des Begriffs des lebenslangen Lernens als reine Weiterqualifizierung unter ökonomischen Gesichtspunkten, in der Menschen vor allem als Arbeitnehmer/innen betrachtet werden und damit eine subjektwissenschaftliche Perspektive verlassen wurde. Deutlich wird, dass Lerch diese Interpretation des lebenslangen Lernens kritisch in Frage stellt und für eine Form des lebenslangen Lernens eintritt, die eine individuelle und subjektorientierte Sichtweise einnimmt.

Die ersten Kapitel wenden sich eher an wissenschaftlich interessierte Menschen, die sich intensiv mit theoretischen Fragestellungen beschäftigen wollen. Das Kapitel fünf enthält jedoch auch etliche Anregungen zur Diskussion und Reflexion für die Praktikerin, den Praktiker. Dabei geht es unter anderem um

  • Lebenskunst als alltägliche Lebensführung
  • Lebenskunst als Ermächtigung zur Ästhetik der Existenz
  • Politische Bildung: Macht über Ohnmacht erlangen
  • Heimat als utopische Kategorie
  • Lebenskunst als Befähigung zu politischem Handeln
  • Zur Lebenskunst ermächtigen

Sebastian Lerch verwendet häufig sehr ästhetische und vielsinnige Formulierungen, die auch immer wieder einen philosophischen Hintergrund durchscheinen lassen und die sich einem flüchtigen Leser, einer flüchtigen Leserin nicht so leicht erschließen. Aber diese Formulierungen und die manchmal überraschenden inhaltlichen Wendungen machen dieses Buch lebendig und zusätzlich lesenswert. Aus diesem Grund und aufgrund der hohen theoretischen Durchdringung des Themas ist das Buch durchaus als ambitioniert zu bezeichnen, wie es auch schon Rainer Brödel in seinem Vorwort tut.

Fazit

Das Buch „Lebenskunst lernen? Lebenslanges Lernen aus subjektwissenschaftlicher Perspektive“ ist eine profunde und kritische Forschungs- und Theoriearbeit. Es richtet sich insbesondere an Wissenschaftler/innen, Studierende, aber auch Praktiker/innen und Interessierte, die sich aktiv mit theoretischen Inhalten auseinandersetzten wollen und Anregungen zur Reflexion und Diskussion erhalten wollen. Der Begriff der Lebenskunst wird in einen Zusammenhang mit dem Lebenslangen Lernen gestellt und eine subjektwissenschaftliche Perspektive vorgestellt, die das Begriffsgeflecht „Lebenslanges Lernen“ kritisch durchleuchtet.


Rezension von
Prof. Dr. Susanne Gröne
Hochschule Coburg, University of Applied Science Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit
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Zitiervorschlag
Susanne Gröne. Rezension vom 12.10.2010 zu: Sebastian Lerch: Lebenskunst lernen? Lebenslanges Lernen aus subjektwissenschaftlicher Sicht. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2010. ISBN 978-3-7639-3346-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9974.php, Datum des Zugriffs 07.07.2020.


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