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Heike Maschke: Beurteilung und Steuerung der Wirtschaftlichkeit [...]

Cover Heike Maschke: Beurteilung und Steuerung der Wirtschaftlichkeit in der freien Wohlfahrtspflege am Beispiel der Diakonischen Altenpflege in Sachsen. Analyse der Ist-Situation und Ableitung von Handlungsempfehlungen mit Hilfe des Instruments Benchmarking. GUC Gesellschaft für Unternehmensrechnung und Controlling (Lößnitz) 2009. 290 Seiten. ISBN 978-3-934235-74-8. 46,95 EUR.

Dissertationsreihe - 34.
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Autorin und Entstehungshintergrund

Dr. Heike Maschke, geb. 1969 in Freital, hat von 1989 bis 1994 Betriebswirtschaft an der Technischen Universität Chemnitz studiert. Von 1995 - 1998 war sie Geschäftsführerin des Studentenrates der Technischen Universität Chemnitz. Seit 1999 arbeitet sie als Referentin für Betriebswirtschaft des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin der Diakonischen Akademie für Fort- und Weiterbildung in Moritzburg. Mit der vorliegenden Arbeit legt sie ihre Dissertation an der Technischen Universität Chemnitz vor, die sie über ein Thema aus ihrem Arbeitsgebiet beim Diakonischen Werk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens geschrieben hat.

Thema

Die Freie Wohlfahrt in Deutschland steht vor der bisher größten Herausforderung in der Nachkriegsgeschichte. Nach Jahrzehnten als unangefochtener und relativ komfortabel ausgestatteter Auftragnehmer staatlicher Aufgabenstellungen sieht sich der sog. Dritte Sektor in eine ungewohnte Wettbewerbssituation gedrängt. Anhaltende Spar- und Wettbewerbszwänge stellen das Selbstverständnis und die bisherige Stellung in Frage.

In diesem Prozess ist zu berücksichtigen, dass die Diakonie als Teil der Freien Wohlfahrtspflege in der bundesdeutschen Gesellschaft drei verschiedene Hauptfunktionen wahrnimmt:

  • Auftragnehmer und Unterstützer des Staates,
  • Anbieter sozialer Dienstleistungen am Markt und
  • Anbieter im „intermediären“ Bereich zwischen Markt und Staat als ihr ursprüngliches Tätigkeitsgebiet.

Die Wohlfahrtsverbände haben sich in den vergangenen Jahren diesen neuen Herausforderungen gestellt und einen Reformprozess eingeleitet. Von den Leistungserbringern wird erwartet, dass sie ihre Leistungen wirtschaftlich, sparsam und in hoher Qualität erbringen.

Die vorliegende Arbeit setzt sich an der Schnittstelle zwischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit der Frage der Steuerung der Wirtschaftlichkeit in einem Bereich auseinander, in dem die Diakonie soziale Dienstleistungen am Markt anbietet.

Dafür stellt Frau Maschke das von ihr initiierte Benchmarkingprojekt der Diakonie im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe vor. Erste Ergebnisse im Bezug auf die Situation der Ist-Kosten können präsentiert werden. Aus der Diskussion des im praktischen Feldtest erprobten Online-Benchmarking-Projekts können wertvolle Erkenntnisse zum sinnvollen Vorgehen für ähnliche Vorhaben abgeleitet werden. Einige Beispiele für ein erfolgreich eingesetztes Benchmarking können dargestellt werden.

Schließlich werden aus dem Benchmarking-Prozess heraus Ansatzpunkte zur Steuerung der Wirtschaftlichkeit abgeleitet. In diesem Zusammenhang werden beispielsweise eine Balanced Scorecard für die diakonische Altenhilfe entwickelt und die so genannte „Investitionskostenproblematik“ objektgeförderter Einrichtungen einer näheren Betrachtung unterzogen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in fünf Kapitel untergliedert.

Kapitel eins stellt die Begriffe und Themengebiete dar. Frau Maschke gibt einen Überblick über den Gang der Untersuchung. Folgende Fragen sollen in ihrer Dissertation beantwortet werden:

  • Wie lässt sich der Wirtschaftlichkeitsaspekt in das Zielsystem der Diakonie einordnen?
  • Welche methodischen Anforderungen sind an ein Benchmarking zu stellen?
  • Welche Kennzahlen sind für die ambulante und stationäre Altenhilfe relevant?
  • Wie ist die Situation der Ist-Kosten bei den teilnehmenden diakonischen Altenhilfeträgern?
  • Welche Handlungsempfehlungen ergeben sich im Hinblick auf die eingangs als besonders wichtig apostrophierte Wirtschaftlichkeit?

Das zweite Kapitel gibt einen Überblick über die Freie Wohlfahrt und deren Leistungen.

Zunächst wird die Freie Wohlfahrtspflege charakterisiert. Dabei geht Frau Maschke auf die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sowie auf die Finanzierung der Arbeit im Bereich der ambulanten und stationären Altenhilfe ein. Die Besonderheiten der Dienstleistungen werden kurz beschrieben. Die gespaltene Tauschbeziehung, dass nämlich die Pflege- oder Krankenversicherung die Leistungen vergütet, die zwischen dem diakonischen Träger und dem Patienten bzw. Bewohner erbracht werden, ist zentral für den besonders scharfen Preiswettbewerb im Bereich der Pflege. Denn den Kassen ist in erster Linie der Preis für die erbrachten Leistungen wichtig. Dem zentralen Thema der Wirtschaftlichkeit wird eine ausführliche Betrachtung gewidmet. Es ist erforderlich, das Wirtschaftlichkeitsprinzip und die inhaltliche diakonische Zielstellung (das christliche Gebot der Nächstenliebe) auszutarieren. Da die Träger der Freien Wohlfahrt i.d.R. einen Tarif anwenden, sind ihre Leistungen mit ca. 1/3 höheren Personalkosten zu erbringen als die der private Mitbewerber. Daher sind Instrumente zur Kostensteuerung von besonderer Bedeutung.
Zur Erhebung steuerungsrelevanter Kennzahlen in den Arbeitsgebieten der ambulanten und stationären Altenhilfe kommt das Instrument Benchmarking zum Einsatz, das hinsichtlich konzeptioneller Erfordernisse für den Einsatz im diakonischen Bereich untersucht wird. Desweiteren erfolgen Darstellung und Diskussion der Beeinflussungsmöglichkeiten der Kennzahlen im Altenhilfebereich.

Kapitel drei stellt das Online-Benchmarking-Projekt für die ambulante und stationäre Altenhilfe der Diakonie in Sachsen vor. Dabei geht sie zunächst auf die theoretischen Grundlagen des Benchmarking ein. Es folgen konzeptionelle Überlegungen zum Benchmarking-Projekt im Bereich der Diakonie in Sachsen. Diese Überlegungen werden auf ein Benchmarking-Phasen-Modell gestützt. Anschließend wird das tatsächlich eingesetzte Benchmarking-Projekt charakterisiert. Mit Hilfe der Ergebnisse des Projektes kann Frau Maschke die wesentlichen Parameter der Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung im Altenhilfebereich darstellen. Dafür leitet sie steuerungsrelevante Kennzahlen ab, für die sie die Ergebnisse des Projekts in Übersichten anschaulich darstellt. Einschränkend bemerkt Frau Maschke am Schluss des dritten Kapitels, dass es auch Störfaktoren in ihrem Projekt gab, die bei der Interpretation der Ergebnisse betrachtet werden müssen. Beispielsweise untersucht Frau Maschke, ob die Größe einer diakonischen Einrichtung Auswirkungen auf die Höhe der Kosten hat. Offene Fragen werden ebenfalls benannt, bspws. die Aufgliederung der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse auf die drei Pflegestufen.

Die Diskussion ausgewählter Ergebnisse und Empfehlungen zum Handeln sind Gegenstand des vierten Kapitels. Dabei nimmt Frau Maschke zunächst die Einrichtungsperspektive ein. Anschließend wird die Sicht des Landesverbands der Diakonie in Sachsen präsentiert. In den Ausführungen aus der Einrichtungsperspektive findet sich ein anschauliches Beispiel von zwei benachbarten Einrichtungen der ambulanten Pflege. Durch Vergleich mit dem rentablen Pflegebetrieb konnte die defizitäre Einrichtung innerhalb weniger Monate in seinen Abläufen (Zeit pro Hausbesuch) so verbessert werden, dass der Verlust in einen Gewinn gedreht werden konnte. Darüber hinaus gibt Frau Maschke hier Empfehlungen zur Budgetierung. Schließlich stellt sie eine benchmarkorientierte Steuerung mit Hilfe einer Balanced-Scorecard vor. Die Verbandsperspektive ist hinsichtlich des Benchmarking-Projekts durchgängig positiv. Einmal unterstützt der Prozess die Zusammenarbeit zwischen Landesverband und seinen Mitgliedern. Aus den Erkenntnissen zu der wirtschaftlichen Situation werden Impulse für die Lobby-Arbeit des Verbands gegeben. Besonders herauszustellen ist, dass der Wohlfahrtsverband so Vergleichsdaten zur besseren Unterstützung der diakonischen Einrichtungen in den Entgeltverhandlungen bekommt. Darüber hinaus besteht beim Landesverband betriebswirtschaftliches Erfahrungswissen, das für alle Träger gewinnbringend eingesetzt werden kann. Frau Maschke schließt ihre Überlegungen mit Empfehlungen zur Reorganisation der Arbeit der Diakonie (stärkere Kooperation bspws. durch ein Holdingsystem bzw. ein Franchisesystem).

Kapitel fünf enthält eine Zusammenfassung und einen Ausblick.

Das Buch schließt sich ein umfangreiches Literaturverzeichnis (24 Seiten) an.

Diskussion

Die Dissertation von Heike Maschke ist ein durchgängig lesenswertes Buch. Da Frau Maschke in der Praxis tätig war und ein Online-Benchmarking gemeinsam mit 82 diakonischen Trägern erfolgreich installiert hat, ist das Buch von hohem Praxisbezug. Das Buch „“ enthält keine wissenschaftlich-theoretischen Abschnitte, sondern nur die notwendigen Begriffsdefinitionen, strukturierten Ausführungen und Erläuterungen. Damit leistet Frau Maschke einen direkten Beitrag, um wissenschaftliche Erkenntnisse der Betriebswirtschaftslehre unmittelbar in der Praxis zur Wirkung zu bringen.

Die Darstellung des anspruchsvollen Stoffes ist gut lesbar und sowohl für den Studenten der Betriebswirtschaftslehre bzw. Pflege- oder Sozialmanagement wie auch für den Praktiker sehr zu empfehlen.

Dem Leser wird in komprimierter Form das notwendige Handwerkzeug für den Einsatz des Benchmarking im eigenen Unternehmen geboten. Darüber hinaus können ähnliche Projekte enorm von der theoretischen und praktischen Vorarbeit von Frau Maschke profitieren.

Die grundlegenden Ausführungen, bspws. zur Arbeit der Träger der Freien Wohlfahrt, zum Instrument des Benchmarking, zu den Besonderheiten des Dienstleistungsmanagements, zum Pflegeprozess usw., sind ebenfalls gut zu lesen und bieten einen guten Überblick über das jeweilige Themengebiet.

Zudem sind die Ausführungen zum sog. „Social Franchising“ innovativ und für den im Bereich der Freien Wohlfahrt Tätigen sehr interessant.

Für den wissenschaftlich ausgerichteten Leser sind auch die zitierten Literaturbeiträge wertvoll, da Frau Maschke die wesentlichen Beiträge der letzten Jahre zu den untersuchten Fragestellungen erfasst und wiedergegeben hat. Aus dem Literaturverzeichnis sind eine Vielzahl von Anregungen für weitere Untersuchungen und Fragestellungen zu entnehmen.

Fazit

Alles in Allem also keine gewöhnliche Dissertation, sondern ein Erfahrungsbericht aus der Praxis für die Praxis. Wer sich mit der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Bereih der ambulanten bzw. stationären Pflege befassen will, wird das Buch von Frau Maschke mit großem Gewinn lesen.


Rezensent
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch. Rezension vom 21.01.2011 zu: Heike Maschke: Beurteilung und Steuerung der Wirtschaftlichkeit in der freien Wohlfahrtspflege am Beispiel der Diakonischen Altenpflege in Sachsen. Analyse der Ist-Situation und Ableitung von Handlungsempfehlungen mit Hilfe des Instruments Benchmarking. GUC Gesellschaft für Unternehmensrechnung und Controlling (Lößnitz) 2009. ISBN 978-3-934235-74-8. Dissertationsreihe - 34. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9985.php, Datum des Zugriffs 23.05.2019.


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