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Gudrun Marci-Boehncke, Matthias Rath: Medienkompetenz für ErzieherInnen II

Cover Gudrun Marci-Boehncke, Matthias Rath: Medienkompetenz für ErzieherInnen II. Ein Handbuch für die konvergente Medienpraxis in der frühen Bildung. kopaed verlagsgmbh (München) 2010. 256 Seiten. ISBN 978-3-86736-104-0. 18,00 EUR.
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Thema

Zunehmen gewinnt das Thema „frühe Bildung“ gesellschaftlich an Bedeutung. In den letzten Jahren entstanden dementsprechend auch Bildungs- und Orientierungspläne für die Bildungsarbeit im Kindergartenbereich. Ein wichtiger Teilbereich dieser Bildungsarbeit ist die Arbeit mit Medien. Marci-Boehncke und Rath setzen hier an und wollen, aufbauend auf ihrem ersten Band „Medienkompetenz für ErzieherInnen. Ein Handbuch für die moderne Medienpraxis in der frühen Bildung.“, die Medienkompetenzen von Erzieherinnen verbessern. Wichtig ist ihnen in diesem Zusammenhang eine „aktive und kreative Arbeit mit Medien“ (S. 7). Um dies zu erreichen, stellen sie unterschiedlichste Beispiele aus der Praxis vor.

Autorin und Autor

Prof. Dr. phil. Gudrun Marci-Boehncke war, als das Handbuch entstand, Professorin für Deutsche Literatur und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg; seit April 2010 ist sie Univ.-Professorin für Neuere Deutsche Literatur/Elementare Vermittlungs- und Aneignungsprozesse an der TU Dortmund.

Prof. Dr. phil. habil. Matthias Rath ist Professor für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Beide leiten die Forschungsstelle Jugend – Medien – Bildung.

Das Handbuch entstand unter Mitarbeit von Maria Bakirtzi (Kap. 4), Sevastia Bakirtzi (Kap. 4 und 8) und Tala Akdogan (Kap. 8).

Entstehungshintergrund

Das Handbuch schließt an den ersten Band „Medienkompetenz für ErzieherInnen“ an, der grundlegende Medienkompetenzen, vor allem im Umgang mit dem PC, an Erzieherinnen und Erzieher vermittelt. Beide Bände sind aus der Praxis entstanden und „für die Praxis geschrieben“ (S.8). Die AutorInnen führten Fortbildungsveranstaltungen für Kita-ErzieherInnen sowie Veranstaltungen im Rahmen des Kontaktstudiums „Frühe Bildung“ an der PH Ludwigsburg durch.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Einführung in das Thema „Medien – was ist das eigentlich?“ sowie der Darstellung des Grafik- und Statistikprogramms „GrafStat®“ folgen unterschiedliche Bereiche der Medienerziehung, geordnet nach primären, sekundären und tertiären Medien sowie dem Internet.

1. Einleitung. Die AutorInnen sehen es als Aufgabe der Kitas, grundlegende medienpädagogische Bildungsarbeit zu leisten. Im diesem zweiten Band werden dazu Schritt für Schritt weitere Anwendungen erklärt.

2. Medien – was ist das eigentlich? In diesem Abschnitt wird erklärt, was Medien sind, Begriffe aus der Medienforschung werden eingeführt und es wird mit Harry Pross in primäre, sekundäre und tertiäre Medien unterschieden. Hinzugefügt werden quartiäre, interaktive Medien.

3. Immer, wenn Sie es genau wissen wollen – GrafStat® Im 3. Kapitel wird das Grafik- und Statistikprogramm „GrafStat“ vorgestellt, mit dessen Hilfe ErzieherInnen z.B. Umfragen bei den Eltern durchführen können. Dieses, für Bildungseinrichtungen entwickelte Programm kann dazu genutzt werden, Fragebögen zu gestalten und auszuwerten und die Ergebnisse darzustellen. Inzwischen gibt es eine neuere GrafStat-Version, aber die Benutzung ist ähnlich.

4. Erfahrungen mit primären Medien. Durch den Einsatz primärer Medien soll interkulturelle Medienarbeit geleistet werden.

  • Lieder. Im ersten Abschnitt werden zehn griechische und sieben türkische Lieder mit Lautschrift und Übersetzung vorgestellt, zu denen Anregungen für Tänze und Bewegungsspiele gegeben werden.
  • Navigieren mit Zeichen und Gesten. Im zweiten Abschnitt dieses Kapitels soll am Beispiel griechischer Gesten „für die kulturbedingten Unterschiede in der Körpersprache“ (S.88) sensibilisiert werden.

5. Erfahrungen mit sekundären Medien – Medienerziehung mit dem Buch? Das Kapitel beginnt mit einer Erläuterung von Forschungsergebnissen zum Bücherbesitz, zum Leseverhalten von Schulkindern und zur Funktion von Medien. Daraufhin wird die Bedeutung von Vorlesen und Leseförderung auch in der Kita begründet. Das „Richtig Vorlesen“ (S. 101) wird im Folgenden ausführlich dargestellt.

6. Erfahrungen mit tertiären Medien

  • Kita-Bibliothek führen – mit dem Scanner. Am Beispiel einer Kita-Bibliothek sollen Kinder lernen, mit PC und Scanner als tertiären Medien anwendungsbezogen umzugehen. Auf mehr als 20 Seiten wird mit Hilfe von Screenshots erläutert, wie eine solche Bibliothek erstellt wird und wie mit ihr gearbeitet werden kann.
  • Fernsehen und die Folgen – Anschlusskommunikation. Die AutorInnen kritisieren, dass das Medium Fernsehen im Kindergarten zu wenig thematisiert und genutzt wird. Wichtig seien aber pädagogische Anregungen, die Kindern helfen, mediale Erlebnisse zu verarbeiten. Funktionen von Fernsehsendungen für Kinder werden dargestellt. Als Beispiele für TV-Anschlusskommunikation werden Kinderzeichnungen, „Puppet-Gespräche“ und „Trickmaster“ vorgestellt.
  • Filmemacher: Videos selbst schneiden. In diesem Kapitel wird (wieder mit Hilfe von Screenshots) erläutert, wie man mit Windows Movie Maker® Filmaufnahmen, die man schon gemacht hat, schneiden kann.
  • Download Windows Movie Maker®. Der Download wird dargestellt für den Fall, dass das Programm noch nicht auf dem PC vorinstalliert ist.
  • Ohne CODECs keine Filme. In diesem Abschnitt wird gezeigt, wie aus dem Internet das kostenlose CODEC Pack K-Lite Codes heruntergeladen werden kann, mit dem Verschlüsselungen unterschiedlicher Videoformate entschlüsselt werden können.
  • Aus mp mach´ wmv!“: Film-Dateien konvertieren. Filme, die kein Format haben, das Windows Movie Maker® akzeptiert, können mit dem hier vorgestellten MediaConverter® in ein kompatibles Format gebracht werden.
  • Wii – Spielkonsolen in der Kita? Zunächst wird beschrieben, dass Spielkonsolen schon Einzug in die Alltagswelt von Kindergartenkindern gehalten haben, und was Kinder durch den Umgang mit PC und Konsolenspielen lernen können. Am Beispiel eines Bowlingspiels wird dann die Menüsteuerung einer solchen Konsole erläutert.

7. Erfahrungen mit dem Internet

  • Da biste platt“ – Internet-Lernplattform in der Kita. Mit „Lernplattform“ ist in diesem Buch „ein geschützter Raum im Internet“ (S. 201) gemeint. Zugang hat nur, wer vom Administrator die Erlaubnis bekommt. Vorgestellt wird der Umgang mit der Lernplattform „lo-net2“. Als Beispiele für die Nutzung werden kleine Umfragen, Forum, Chat und ein Kalender kurz vorgestellt. Desweiteren wird erläutert, wie man als Administrator Rechte vergibt.
  • Medienkonvergenz – oder: „Besucht uns mal unter www.kika.de. In diesem Abschnitt werden zunächst Forschungsergebnisse zur konvergenten Mediennutzung durch Jugendliche, zu Reaktionen auf Medien bei Kita-Kindern und zum Besitz von Merchandise-Produkten bei Vorschulkindern präsentiert. Es folgen einige Links zum Thema Internetsicherheit. Desweiteren werden Internetseiten von TV-Sendern (NICK, KIKA und TOGGO) vorgestellt.

8. Elternarbeit zum Thema Medien. Um das „Medientabu“ (S. 231), das in Kitas herrsche, zu brechen, wird vorgeschlagen, Medien auf Elternabenden zu thematisieren und Infomaterial dazu anzubieten. Als Beispiel wird die Internetseite „Flimmo“ des JFF (Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis) vorgestellt. Daran anschließend wird ein Elternfragebogen präsentiert, der zur Vorbereitung eines Elternabends zu den Fernsehgewohnheiten der Kinder dienen kann. Die deutsche, griechische und türkische Fassung dieses Fragebogens sind am Ende des Kapitels abgedruckt.

9. Kooperationen interkulturell: deutsch-„ausländische“ Kitas. In einem letzten kurzen Abschnitt wird auf den Nutzen einer Zusammenarbeit mit interkulturell arbeitenden Kitas hingewiesen und es werden Adressen deutsch-türkischer und deutsch-griechischer Kindergärten genannt.

Diskussion

Das Buch „Medienkompetenz für Erzieherinnen II. Ein Handbuch für die konvergente Medienpraxis in der frühen Bildung“ will konkrete Beispiele für Medienbildung in der Kita liefern. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch der Bereich der interkulturellen Medienbildung.

Am besten sind diese Ansprüche meines Erachtens im Kapitel „Erfahrungen mit primären Medien“ eingelöst, in dem die Arbeit mit griechischen und türkischen Kinderliedern und mit griechischen Gesten vorgestellt wird. Wichtig ist hier z.B. der Hinweis, bei Kindern mit Migrationshintergrund darauf zu achten, dass sie „eine solide Basis ihrer Herkunftssprache“ (S. 49) erwerben. Schön sind auch die Links zu den Liedern, aufschlussreich die Erläuterungen zu den griechischen Gesten. Leider wird an anderen Stellen unreflektiert von „Familien aus bildungsfernen Milieus und mit Migrationshintergrund“ (S. 99, 101) gesprochen, als ob diese Merkmale immer gemeinsam aufträten. Hier wäre eine etwas differenziertere Herangehensweise wünschenswert gewesen.

Insgesamt werden in diesem Handbuch, wie schon im Abschnitt „Inhalt“ zu sehen war, unterschiedlichste Bereiche der Medienbildung aufgegriffen und nebeneinander gestellt. Was als positive Anregungen aus der Praxis gedacht ist, vermittelt aber leider den Eindruck eines etwas beliebigen Nebeneinanders, dem verbindende Elemente fehlen. Nichtsdestotrotz erweist sich das Handbuch von Marci-Boehncke und Rath dadurch, dass viele Screenshots dargestellt werden, viele konkrete Anregungen gegeben werden, Liedtexte und Fragebögen abgedruckt sind usw. als benutzerfreundlich und an der Praxis orientiert.

Fazit

Das praxisorientierte Handbuch „Medienkompetenz für Erzieherinnen II. Ein Handbuch für die konvergente Medienpraxis in der frühen Bildung“ von Gudrun Marci-Boehncke und Matthias Rath zeigt anschauliche Beispiele zur Medienarbeit in der Kita aus unterschiedlichsten Bereichen. Trotz einer gewissen Heterogenität bietet das Buch hilfreiche Anregungen für den Alltag von ErzieherInnen.


Rezensentin
Diplomsoziologin Monika Stürzer
Dozentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik München, davor als wissenschaftliche Mitarbeiterin in diversen Projekten des Deutschen Jugendinstituts München
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Zitiervorschlag
Monika Stürzer. Rezension vom 27.06.2011 zu: Gudrun Marci-Boehncke, Matthias Rath: Medienkompetenz für ErzieherInnen II. Ein Handbuch für die konvergente Medienpraxis in der frühen Bildung. kopaed verlagsgmbh (München) 2010. ISBN 978-3-86736-104-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/9996.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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